Der Imperialismus

Imperialismus in der Neuzeit

Portugal als Kolonialmacht

1487/88 hatte es der Portugiese Bartolomeo Diaz geschafft, das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas zu umrunden. Das war eine wichtige Vorarbeit für Vasco da Gama, der 1498 über das Kap der Guten Hoffnung nach Indien segelte. Die Erreichung Indiens und der daraus entstandenen Orienthandel machte Portugal zur führenden Seemacht Europas. 

Denn durch den Seeweg um Afrika herum konnte man endlich die Blockaden der Araber umgehen, die den Landweg durchs Osmanische Reich verwehrten oder hohe Zölle verlangten.
Portugal gewann nun die Macht über Gebiete in Amerika, Afrika und Asien und errichtete einige Kolonien. Portugal war aber als kleines Land nicht daran gelegen, größere Gebiete in Besitz zu nehmen und zu beherrschen. Stattdessen ging es den Portugiesen eher darum, Handelsstützpunkte an den Küsten zu errichten, die den den Warentransport in die Heimat absicherten. Eine Ausnahme bildete Brasilien, welches komplett von Portugal beherrscht wurde.
Mit dem Aufsteigen der Kolonialmächte England, Niederlande und Frankreich begann der Niedergang des portugiesischen Kolonialreiches. Vor allem die asiatischen Niederlassungen gingen verloren. Der letzte koloniale Besitz, Macao, wurde erst 1999 an China abgegeben.

Spanien als Kolonialmacht

Mit den Entdeckungsfahrten des Christoph Kolumbus ab 1492 trat Spanien in den Wettstreit um Kolonien ein und sicherte sich vor allem auf dem amerikanischen Kontinent große Gebiete. Anders als die Portugiesen begnügten sich die Spanier nicht damit, Handelsstützpunkte an den Küsten zu errichten. Stattdessen wollten sie große Flächen einnehmen und nach ihren Vorstellungen umgestalten und beherrschen.
Dabei gingen die spanischen Eroberer sehr brutal vor und schreckten nicht davor zurück, prächtige Indoreiche zu zerstören und zu plündern. Die Eroberer zwangen die Einheimischen, den christlichen Glauben anzunehmen und ihre Sprache zu lernen.

England als Kolonialmacht 

Britische Piraten

Auch England (bzw. ab 1535 Großbritannien) verstand sich im ausgehenden Mittelalter als große Seemacht und beobachtete die Eroberungszüge der Portugiesen und Spanier mit großem Interesse. Noch während der Zeit der großen Entdeckungen portugiesischer und spanischer Seefahrer gab der englische König Heinrich VII. selbst Expeditionsfahrten in Auftrag. Der italienische Seefahrer Giovanni Caboto sollte im Auftrag der englischen Krone einen westlichen Seeweg nach Indien finden.

Dabei entdeckte er Neufundland und den Osten Kanadas. Caboto war es, der als erster Europäer nordamerikanisches Festland betrat.

Doch England zeigte zunächst kein Interesse, ein Kolonialreich zu errichten. Stattdessen wählte die englische Krone einen seltsamen Weg, das Geschehen auf den Weltmeeren mitzubestimmen: Sie förderte die Piraterie! Sogenannte Freibeuter wie Francis Drake oder John Hawkins überfielen im Auftrag Englands portugiesische und spanische Handelsstützpunkte und raubten Schiffe aus, die kostbare Ware in ihre Heimatländer bringen wollten.

 

"New England"

Erst ab 1600 ist in England das Bestreben erkennbar, ein britisches Kolonialreich aufzubauen. Zu dieser Zeit nahmen die Briten einige Inseln in der Karibik in Besitz und legten dort riesige Zuckerrohr- und Baumwollplantagen an. Für die schwere Arbeit, die dort zu erledigen war, verschleppten die Briten Sklaven aus Afrika nach Amerika. Bis zum Verbot des Sklavenhandels waren es 3,5 Millionen Sklaven, die bei Plantagenarbeit ausgebeutet wurden.

Außerdem begann um 1600 die Besiedelung Nordamerikas durch Briten. Menschen, die in ihrer Heimat unter Hungersnöten, Armut oder religiöser Verfolgung litten, riskierten einen Neuanfang in dem unbekannten Land. Im Jahr 1607 wurde „Jamestown“ gegründet – die erste dauerhafte britische Niederlassung auf amerikanischem Boden.

Schon bald zogen sich die englischen Siedlungen wie ein breites Band an der Ostküste Amerikas entlang. 

Die 13 Gründerstaaten
entlang der amerikanischen Ostküste 

England gegen Frankreich

In wenigen Jahren waren ganze 13 britische Kolonien entstanden! Da auch die Franzosen auf eine Besiedelung Nordamerikas drängten, kam es zu Konflikten zwischen England und Frankreich. Diese Konflikte führten zum Siebenjährigen Krieg, der in Europa und Nordamerika ausgefochten wurde.

 

Die Kolonie Indien

Doch die Briten beschränkten sich beim Aufbau ihres Kolonialreiches keineswegs auf Amerika. Stattdessen hatten sie schon um 1600 die „Ostdien-Kompanie“ („British East India Company“) gegründet, die den Handel mit indischen Waren organisierte. Zu dieser Zeit herrschte eine Dynastie islamischer Moguln über Indien. Die Briten respektierten deren Herrschaft. Doch als die Moguln ihre Macht über Indien verloren, weiteten die Briten Schritt für schritt ihren Einfluss auf das Land aus. Sie suchten die Zusammenarbeit mit regionalen Herrschern. Wer diese Zusammenarbeit verweigerte, wurde abgesetzt. So brachten die Briten schließlich ganz Indien unter ihre Herrschaft. Im Jahr 1876 ließ sich die damalige Queen Victoria zur „Kaiserin von Indien“ ausrufen.

 

Ein Riesengefängnis namens "Australien"

Im Jahr 1770 entdeckte der britische Seefahrer James Cook Australien. Wegen der großen Entfernung zum Mutterland schenkten die Briten diesem Land zuerst keine Beachtung. Bald entdeckten sie aber die Möglichkeit, dort britische Sträflinge auszusetzen. Außerdem wurde Australien für Großbritannien zum Lieferanten von Gold und Schafswolle.

Alle Gebiete, die zwischen dem 17. und dem 21. Jahrhundert britischer Besitz oder britisches Protektorat waren

Frankreich als Kolonialmacht

Auch Frankreich strebte nach dem Besitz von Kolonien. Es erwarb Teile im Inneren Nordamerikas und im Osten Kanadas. Außerdem interessierte sich Frankreich für karibische Inseln und Indien.

Wenn nun Briten und Franzosen gleichzeitig Nordamerika besiedelten, musste das unweigerliche zu Konflikten führen, schon allein, weil England und Frankreich seit Jahrhunderten tief verfeindet waren. 

Diese Feindschaft verschärfte sich und führte zum Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763), der in Europa, aber auch in den Kolonien ausgefochten wurde. In Folge dieses Krieges musste Frankreich seine Besitzungen in Nordamerika und Indien zum größten Teil an Großbritannien abgeben. 

Trotzdem erinnern in den USA noch viele französische Ortsnamen an die französische Kolonialherrschaft. In Teilen Kanadas wird bis heute noch französisch gesprochen.

Nach dem Verlust der Gebiete richtete Frankreich sein koloniales Interesse im 19. Jahrhundert auf Afrika, besonders auf die Mittelmeerküste dieses Kontinents. In blutigen und verlustreichen Kämpfen wurde zuerst Algerien erobert, später Tunesien und Marokko. Auch Gebiete in Zentral- und Westafrika fielen in die Hände der Franzosen. 

Alle ehemaligen französischen Besitzungen

Niederlande als Kolonialmacht

Die Niederlande stiegen im 17. Jahrhundert in den Überseehandel ein, indem sie an den Küsten der Weltmeere viele Handelskompanien gründeten und überall lukrative Geschäfte schlossen. Dadurch weiteten sie Schritt für Schritt ihren Einfluss aus und erwarben große Reichtümer. Die Niederländer erwarben auch Kolonien, konnten diese aber nie lange halten.

Niederländische Besitzungen und Handelsstützpunkte