Die Renaissance

Alles beginnt mit dem Buch...

Bücher werden gebraucht

Im Mittelalter wurden Bücher mit Feder und Tinte auf Pergament geschrieben. Wollte man einen Text vervielfältigen, musste er immer wieder abgeschrieben werden. Das taten vor allem die Mönche in den Klöstern. Um eine Bibel abzuschreiben, benötigte ein Mönch ein bis zwei Jahre. Der Wert eines solchen Buches lag bei dreißig Ochsen. Kein Wunder, dass Bücher sorgfältig behütet wurden. Bibliotheken wurden manchmal sogar mit Ketten gesichert.

Ab dem 13. Jahrhundert wurden in Europa aber immer mehr Bücher benötigt. In den neu gegründeten Universitäten mussten die Studenten alles mitschreiben, was ihre Lehrer vortrugen. Viel praktischer wären eigenen Bücher, die man zuhause studieren könnte. Außerdem wollten die Gelehrten ihre Studien und Erkenntnisse gern veröffentlichen. In manchen Kaufmanns- und Fürstenhäusern wurden Bibeln, Rechtsbücher, Grammatiken, sowie Heil- und Kräuterbücher benötigt. Also suchte man nach Wegen, Bücher schneller und preiswerter herstellen zu können. Ein großer Schritt war die Erfindung der Papierherstellung. 1390 wurde in Nürnberg die erste Papiermühle eröffnet, so dass endlich billiges Schreibmaterial bereitstand.

 

Gedruckte Bücher in ganz Europa

Nun musste dieses Papier bedruckt werden. Die erste Idee war, Texte in Holzplatten zu schnitzen, die Holzplatte dann mit Farbe zu bestreichen und ein Blatt Papier daraufzudrücken. Auf diese Weise konnten zwar viele Blätter bedruckt werden. Das Herstellen der Holzplatten dauerte aber sehr lange. Und wenn pro Seite eines Buches eine Holzplatte angefertigt werden musste, kann man sich vorstellen, wie viele Holplatten bald in einer Druckerei herumlagen… Wurde ein Buch nicht mehr gedruckt, war die aufwändig hergestellte Holzplatte wertlos.

Ein Goldschmied aus Mainz entwickelte um das Jahr 1450 die Idee mit den Holzplatten weiter: Johannes Gutenberg. Er hatte die entscheidende Idee: Aus Metall sollte er einzelne Buchstaben her, die er dann in Schienen einsetzte. Die Schienen wurden untereinander in einen Rahmen gelegt, bis eine ganze Buchseite zusammengestellt war. Der Vorteil war: Nach dem Druck konnte man die Buchstaben wieder aus den Schienen nehmen und zu neuen Texten zusammensetzen. Deshalb spricht man von „beweglichen Lettern“. 

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Das erste Buch, was im Jahr 1455 auf diese Weise hergestellt wurde, war die Bibel. Sie kostete zehnmal weniger als eine handgeschriebene!

Die neue Drucktechnik wurde überall begeistert aufgenommen. Um 1500 gab es in 270 Städten insgesamt 1150 Druckereien, in denen ungefähr 10 Millionen Bücher gedruckt wurden. Viele Adlige, Gelehrte und reiche Bürger richteten sich nun Bibliotheken ein. Wissen und Neuigkeiten verbreiteten sich nun viel schneller als vorher.

Eine der ersten gedruckten Gutenberg-Bibeln

Aufgaben:

1. "Ab dem 13. Jahrhundert gab es eine wachsende Nachfrage an Büchern." Warum? Nenne zwei Gründen aus dem Text.

2. Welche Bücher wurden gebraucht und wer brauchte sie?

3. Wann und wo öffnete die erste Papiermühle?

4. Erkläre die Vor- und Nachteile der Holzplattentechnik.

5. Wie entwickelte Johannes Gutenberg die Holzplattentechnik weiter?

6. a) Bringe die Schritte des Buchdrucks in die richtige Reihenfolge. Klicke auf das Bild, um zum Lernspiel zu gelangen.

b) Notiere verkürzt die sieben Arbeitsschritte des Buchdrucks mit beweglichen Lettern.

7. Erkläre die Folgen der neuen Drucktechnik mit Hilfe der folgenden. Grafik.

8. Doch nicht alle waren von der neuen Technik begeistert. Lies eine der beiden Quellen, in denen Kritiker des Buchdrucks zu Wort kommen. 

a) Stelle die Quelle vor: Von wem und von wann ist sie?

b) Was sind ihre Argumente der Person gegen den Buchdruck?

1

"Wenngleich die Druckerkunst es leicht macht, die Werke zur Bildung zu beschaffen, so haben wir doch erfahren, dass gewisse Leute diese Kunst missbrauchen. Sie haben nämlich Bücher, die von göttlichen Dingen handeln, aus der lateinischen in die deutsche Sprache übersetzt. Laien und ungelehrte Menschen und das weibliche Geschlecht, in deren Hände die Bücher fallen, können nicht das wahre Verständnis herauslesen. Da der wahre Anfang der Buchdruckerkunst in diesem unseren goldenen Mainz mit Gottes Willen hervorgetreten ist, soll auch von uns diese Kunst geschützt werden. Daher befehlen wir, keine Werke aus der lateinischen oder sonst einer Sprache ins volkstümliche Deutsch zu übersetzen, wenn nicht die Werke vor der Drucklegung durch Doktoren der Universität Mainz durchgesehen und zum Druck freigegeben wurden."

Ein Gesetz des Erzbischofs von Mainz (1485)

2

"Niemand möge denken: Wozu muss ich mich noch mit Abschreiben schinden, wo doch die Druckkunst so viele und so große Bücher ans Licht bringt, dass man um billiges Geld eine große Bibliothek einrichten kann? Fürwahr, wer so daherredet, der schickt sich an, durch sein Nichtstun Finsternis einreißen zu lassen. Wer wüsste nicht, wie groß der Unterschied zwischen Druck und Schrift ist? Geschriebenes, wenn man es auf Pergament bringt, wird an die tausend Jahre Bestand haben; Gedrucktes aber, da es auf Papier steht, wie lange wird es halten? Wenn Gedrucktes in einem Band aus Papier an die zweihundert Jahre Bestand haben wird, wird es hochkommen."

Ein Urteil des Abtes von Sponheim Johannes Trithemius (1494)