„Die Welt staunt über dieses Wunder“ 

Die Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten

Dass die NSDAP überhaupt an die Macht kommen konnte, lag an der katastrophalen wirtschaftlichen Situation des Deutschen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg. Durch eine hohe Staatsverschuldung und die Reparationsforderungen des Versailler Vertrages kam das Land nach dem Krieg wirtschaftlich nicht mehr „auf die Füße“.

Der New Yorker Börsencrash verschlimmert die ohnehin angespannte Lage. Nur eine konsequente Sparpolitik und geschicktes Verhandeln mit den Siegermächten hätten die Schuldenlast senken können. 

 

 

Doch die Nationalsozialisten, mittlerweile im Parlament vertreten, torpedierten jegliche Sparmaßnahmen und sprachen sich gegen Verhandlungen mit den Siegermächten aus. Sie schürten unter ihrer stetig wachsenden Anhängerschaft tiefen Hass gegen den Versailler Vertrag und gegen Frankreich als Empfänger der Zahlungen. Sie plädierten für einen sofortigen Zahlungsstopp, was aber zu neuen Konflikten geführt hätte.

Im Jahr 1933 ergriffen die Nationalsozialisten die Macht über das Deutsche Reich. Damit wechselten sie die Rollen: Eben noch kritische Beobachter, mussten sie nun selbst Verantwortung übernehmen. Das ganze Volk schaute besonders auf die Wirtschaftspolitik der neuen Regierung. Mit ihr stand und fiel die Zustimmung zu den neuen Machthabern…

Gute Vorarbeiter

Es ist paradox: Adolf Hitler konnte Kanzler werden, weil all seine Vorgänger gescheitert sind – gerade auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik. Doch wie sich nun zeigte, hatten Hitlers Vorgänger im Kanzleramt gute Vorarbeit geleistet für den nun beginnenden wirtschaftlichen Aufstieg.

Rückblick: Bis Mai 1932 war Heinrich Brüning Reichskanzler. Dieser hatte dem Land einen harten Sparkurs verordnet. Mit diesem Sparkurs hat er die Lage des Reiches kurzfristig noch weiter verschlechtert:
 

  • Durch noch höhere Steuern sahen sich Unternehmen gezwungen, wieder Arbeiter zu entlassen. 
  • Gleichzeitig wurden staatliche Gelder gekürzt, so dass die Arbeitslosen kaum aufgefangen wurden. 
  • Auch im Öffentlichen Dienst wurden Kürzungen vorgenommen. 


Brünings Maßnahmen sorgten in allen Gesellschaftsschichten für große Empörung und zwangen ihn letztendlich zum Rücktritt. Erst nach dem Rücktritt zeigte sich die Wirksamkeit seiner Maßnahmen: Die Engländer nahmen Einblick in die finanzielle Situation des Reiches und setzten sich erfolgreich dafür ein, die Reparationszahlungen zunächst auszusetzen. Wenn das Deutsche Reich sich aus der akuten finanziellen Situation heraus befreit hätte, sollten nur noch kleine Raten (über einen langen Zeitraum) gezahlt werden,
Doch auch dieser Plan wurde kurze Zeit später verworfen und die Reparationsforderungen komplett gestrichen. Einige Wochen nach Brünings Rücktritt war das Deutsche Reich schuldenfrei. Es wird vermutet, dass es sein Ziel war, die Wirtschaft absichtlich „an die Wand zu fahren“, um ein Ende der Reparationszahlungen zu erwirken.

Brünings Nachfolger Franz von Papen konnte in seiner kurzen Amtszeit schon mit deutlich sanierten Staatskassen haushalten und erste vorsichtige Investitionen tätigen. 
Und diesen Investitionskurs setzten die Nationalsozialisten fort. Ihnen ging es aber nicht um die Instandsetzung öffentlicher Einrichtungen oder um die Entlastung der armen Bevölkerung, sondern nur um Aufrüstung und Kriegsvorbereitung. Ihren Investitionen waren keine Grenze gesetzt. Es gab keine Kontrollinstanzen mehr und man benötigte auch keine Zustimmung anderer Regierungsvertreter.

Ziel der Wirtschaftspolitik

Von Anfang an stand über jeder Wirtschaftsplanung der Nationalsozialisten das Ziel, Lebensraum im Osten zu gewinnen – und zwar durch einen erfolgreichen Krieg. 

Kurz nach ihrer Gründung, im Jahr 1920, hatte die NSDAP ein 25-Punkte-Parteiprogramm aufgestellt. Darin wurden die Enteignung großer Unternehmen und eine Entlastung der Arbeiter gefordert. Doch davon war nun keine Rede mehr. Stattdessen stand im Mittelpunkt jeder Finanzplanung das Ziel einer schnellen und massiven Aufrüstung. Um alle Handlungsfelder koordinieren zu können, wurden "Vier-Jahres-Pläne" aufgestellt.


Vierjahrespläne

Der erste Plan vom 1. Februar 1933 bezog sich noch klar auf die Überwindung der Arbeitslosigkeit: „Binnen vier Jahren muss der deutsche Bauer der Verelendung endgültig entrissen sein. Binnen vier Jahren muss die Arbeitslosigkeit endgültig überwunden sein.“

Der zweite Vier-Jahres-Plan vom 9. September 1936 bezog sich schon klar auf die Aufrüstung: „In vier Jahren muss Deutschland in allen jenen Stoffen vom Ausland völlig unabhängig sein, die irgendwie durch die deutsche Fähigkeit, durch unsere Chemie und Maschinenindustrie sowie durch unseren Bergbau selbst beschafft werden können!“

Zum zweiten Vier-Jahres-Plan erklärte Hitler: „Wenn es uns nicht gelingt, in kürzester Frist die deutsche Wehrmacht in der Ausbildung, in der Aufstellung der Formationen, in der Ausrüstung und vor allem auch in der geistigen Erziehung zur ersten Armee der Welt zu entwickeln, wird Deutschland verloren sein! … Es ist aber gänzlich belanglos, diese Tatsachen immer wieder festzustellen, d.h. festzustellen, dass uns Lebensmittel oder Rohstoffe fehlen, sondern es ist entscheidend, jene Maßnahmen zu treffen, die für die Zukunft eine endgültige Lösung, für den Übergang eine vorübergehende Entlastung bringen können. 

Die endgültige Lösung liegt in einer Erweiterung des Lebensraumes beziehungsweise der Rohstoff- und Ernährungsbasis unseres Volkes. Es ist die Aufgabe der politischen Führung, diese Frage dereinst zu lösen. Es ist notwendig, die Friedensernährung und vor allem der Kriegsführung die Mittel zu sichern, die durch menschliche Energie und durch Tatkraft gesichert werden können. Und ich stelle daher zu einer endgültigen Lösung unserer Lebensnot folgendes Programm auf: Ähnlich der militärischen und politischen Aufrüstung bzw. Mobilmachung unseres Volkes hat auch eine wirtschaftliche zu erfolgen und zwar im selben Tempo, mit der gleichen Entschlossenheit und wenn nötig auch mit der gleichen Rücksichtslosigkeit…“ (zitiert nach Zentner: Große Geschichte des Dritten Reichs und des Zweiten Weltkriegs“, 1934-1939, S. 55)

Auf Sand gebaut

Spätestens ab 1936 war das wichtigste und alles bestimmende Ziel die Aufrüstung. Um diese finanzieren zu können, wurden die Unternehmen stärker besteuert. Gleichzeitig wurde die Staatsverschuldung in die Höhe getrieben. Zwischen 1932 und 1939 stieg die Staatsverschuldung auf 47,3 Milliarden. 1945 zum Kriegsende lag sie sogar bei 387 Milliarden Reichsmark.

Über die Tilgung dieser Schulden machte sich Hitler aber keine Gedanken. Er rechnete mit einem erfolgreichen Krieg, der dem Deutschen Reich große Landgewinne einbringen würde. Mit der gewonnenen Landfläche würde ja auch das Vermögen eines besiegten Landes in den Besitz des Deutschen Reiches übergehen.

Außerdem rechnete Hitler mit 20 Millionen Menschen in den besiegten Ländern, die er dann als billige Hilfsarbeiter einzusetzen gedachte.

Hitler holte durchaus Rat von Wirtschaftsexperten ein, die ihn eindringlich vor einer zu hohen Verschuldung warnten. Doch Hitler ließ sich von seinem Kurs der massiven Verschuldung nicht abbringen. Stattdessen beschwerte er sich, dass die Wirtschaftsleute seine Rechnung nicht verstehen würden und argumentierte damit, dass an Schulden noch kein Reich zugrunde gegangen wäre. Er forderte von den Experten Risikobereitschaft und den Glauben an einen erfolgreichen Kriegsausgang.

Diese Schautafel zeigt die öffentlichen Investitionen und entlarvt das „Wirtschaftswunder". Die Rüstungsausgaben rissen das Land wieder in den wirtschaftlichen Abgrund und führten letztendlich auch zu Krieg und Niederlage.(Zentner, S. 56)

Diese Statistik veröffentlichte die Regierung 1937 und sollte zeigen, dass das Millionenheer an Arbeitslosen nun zu Werktätigen verwandelt wurde. In einer Presseveröffentlichung hieß es: „Die Welt staunt über dieses Wunder.“

(Zentner, S. 56)

Die Grafik "Öffentliche Investitionen in Deutschland" zeigt, dass in den Wohnungsbau kontinuierlich so gut wie gar nicht investiert wurde. Trotzdem lobte sich die NS-Führung in ihren Zeitungen gerade für ihren intensiven Wohnungsbau.

 

Dieses Foto wurde in den NS-Zeitungen veröffentlicht. Der Untertitel war: „Im ganzen Reich entstehen in planmäßiger Arbeit Tausende von lichten, neuen Häuschen mit ein und zwei Wohnungen, damit die ärmere Bevölkerung systematisch aus dem Elend der Mietskasernen und Wohnbaracken befreit wird.“ 


„Kriegswirtschaft in Friedenszeiten“

Ab 1934 griff der Staat massiv in die Wirtschaft ein und kontrollierte zum Beispiel den Außenhandel streng. Deutsche Unternehmer mussten sich jede Einfuhr aus dem Ausland vom Staat genehmigen lassen und bekam diese Genehmigung nur, wenn volkswirtschaftliche, also rüstungspolitische Gründen gegeben waren. Auch die Ausfuhr von Waren aus dem Deutschen Reich wurde streng kontrolliert und mit Strafgeldern belegt.

 

Die Wirtschaft wurde in den Jahren ab 1933 immer stärker staatlich und zentral gesteuert. Die Maßnahmen waren z.B.

 

  • Außenhandelskotrolle,
  • Preiskontrolle,
  • Lohnstopp,
  • Investitionskontrolle und
  • staatliche Rohstoffzuteilung.

 

Durch all diese Maßnahmen wurde zwischen 1933 und 1939 eine kontinuierliche Aufrüstung des Reiches ermöglicht. Es entsprach der nationalsozialistischen Ideologie, dass der Einzelne in der Masse unterzugehen hatte und nicht zählte. Auf die Wirtschaft bezogen bedeutete das, dass jeder Einzelne auch seine Konsumwünsche herunterzuschrauben hatte. Keiner sollte sich beschweren, dass bestimmte Produkte des persönlichen Bedarfs in den Läden nicht erhältlich waren. Jeder Deutsche sollte an den großen Plan glauben, das Reich zu vergrößern und daraus später Wohlstand zu erlangen.