Auf dem Weg zur Deutschen Nation

Nationen bzw. Staaten mit festen Grenzen, einer Verfassung und einer Regierung gibt es erst seit der Französischen Revolution 1789. Doch auch zu dieser Zeit war an "Deutschland" noch lange nicht zu denken.
Zwar gibt es "Deutsche" schon seit über 1000 Jahren, das war aber mehr ein Sammelbegriff für die Angehörige vieler verschiedener Fürstentümer, die unter dem Dach des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" lose verbunden waren. Wie kam es von diesem lockeren, teils chaotischen Bund zu einem Nationalgefühl und zu einem Nationalstaat? Der Reihe nach...

Im Jahre 843 

Nach dem Untergang des Römischen Reiches bildete sich im Frühmittelalter das Frankenreich heraus. Kaiser Ludwig der Fromme teilte es unter seinen drei Söhnen auf:

  • Lothar bekam das Mittelreich und die Kaiserwürde.
  • Karl der Kahle bekam das Westfrankenreich, aus dem später "Frankreich" wurde.
  • Ludwig der Deutsche bekam das Ostfrankenreich, aus dem später das "Heilige Römische Reich" wurde.


Doch das war erst der Beginn unzähliger Teilungen, Zusammenlegungen und erneuten Teilungen...

Um 1000

... hatte sich aus Teilen des Mittel- und Ostreiches das
„Heilige Römisches Reich Deutscher Nation“ herausgebildet. Mit der Bezeichnung "Heiliges Römisches Reich" sollte an die Glanzzeit des Römischen Reiches angeknüpft werden (Vier-Reiche-Lehre). 

Doch das Reich war im inneren aufgespalten in viele Herzogtümer, so dass es kein verbindendes Zusammengehörigkeitsgefühl als "Deutsche" gab.

Die vielen Herzogtümer wurden durch einen gemeinsamen König oder Kaiser zusammengehalten. Dieser war zuständig für den Schutz des Reiches vor äußeren Feinden. Die Zusammenarbeit zwischen dem König und den Herzögen wurde durch die "Sieben Großen des Reiches" geregelt.

Um 1200

... ist das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" in unzählige kleine Herzog- und Fürstentümer zerfallen. 

Um 1400

... haben sich Gebiete im Südenangespalten. Neben unzähligen kleinen Grafschaften, Fürsten- und Herzogtümern bilden sich an den Rändern des Reiches die Großreiche Savoyen, Mailand, Österreich und Böhmen heraus.

1618

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation vor dem Dreißigjährigen Krieg. Böhmen hat sich noch mehr vergrößert und Österreich "geschluckt". Böhmen ist geteilt (nur ein der westliche Teil Böhmens gehört zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation).

1648

Gerade die kleinen Fürstentümer sind noch weiter zerfallen, so dass die Zersplitterung des Reiches noch weiter zunimmt. Zunehmend wird es schwerer, das Reich als Ganzes zu regieren. Böhmen, wozu auch Österreich gehört, ist nun vollständig Teil des HRR und dessen größtes Reich.

Im Jahr 1789,

also vor dem Ausbruch der Französischen Revolution, bestand das deutsche Gebiet aus über 300 einzelnen Fürstentümern. Zwar gab es einen gemeinsamen Kaiser, doch dieser hatte keine Macht über die deutschen Fürsten.
Das Miteinander war ziemlich ungeordnet und ungeregelt. Ständig wurden Fürstentümer zusammengelegt und wieder neu geteilt. Kein Fürst interessierte sich für das Reich im Ganzen, jeder kämpfte für seinen Vorteil. Oftmals arbeiteten protestantische und katholische Fürsten gegeneinander.
Es gab nur zwei "Großreiche" unter dem deutschen Dach: Österreich und Preußen. Diese beiden konkurrierten um die Vorherrschaft im Reich.


Nach der Französischen Revolution...

hatte der General Napoleon die Macht über Frankreich ergriffen. Dieser hatte sich ein großes Ziel gesetzt: Er wollte die Herrschaft über Europa erlangen. Napoleon führte in ganz Europa viele erbitterte Kriege. Doch seine ersten Maßnahmen bezogen sich auf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das östlich gelegene Nachbarland Frankreichs. Napoleon plante, dieses Reich zerschlagen. Er ging schrittweise vor: Zuerst einmal zwang Napoleon den deutschen Kaiser, seine Truppen von der deutsch-französischen Grenze abzuziehen. 

1797

Als die Truppen beseitigt waren, erklärte Napoleon, dass die deutschen Gebiete links des Rheins nun zu Frankreich gehörten - ohne dass der deutsche Kaiser irgendetwas dagegen unternehmen wollte und konnte.






Säkularisierung und Mediatisierung

Nun wollten die deutschen Fürsten, die ihre Gebiete wegen der Angliederung an Frankreich verloren hatten, entschädigt werden. Um das leisten zu können, baute Napoleon das deutsche Gebiet weiter um. 

Säkularisierung

Napoleon ordnete an, dass sämtlicher deutscher Kirchenbesitz zu verstaatlicht wird. Das bedeutete die Auflösung sämtlicher Bistümer und Erzbistümer. Mit Teilen der freigewordenen Gebiete wurden die Fürsten entschädigt, die ihre Fürstentümer an Frankreich verloren hatten.
Gleichzeitig sollten Kirchenaufgaben und Staatsaufgaben klar getrennt werden. Zum Beispiel verlor die Kirche ihren Einfluss auf die Schulbildung.

Mediatisierung

Außerdem wollte Napoleon Ordnung in den deutschen "Flickenteppich" bringen. Er veranlasste  die Zusammenlegung kleiner Fürstentümer zu größeren Teilstaaten. 160 Fürstentümer verschwanden von der Landkarte. Zwischen Frankreich und Österreich bzw. Preußen eine "Pufferzone" an Staaten entstehen, die unter Napoleons Einfluss standen. Sie wurden von ihm soweit aufgebaut und militarisiert, dass sie ihn bei Angriffen unterstützen konnten. Die größten Gebietszuwächse erfuhren  Baden, Württemberg und Bayern.

Im Jahr 1806

gründeten 16 Fürsten den "Rheinbund". Damit traten sie offiziell aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation aus. Der deutsche Kaiser konnte nur tatenlos zusehen.
Napoleon, zu der Zeit auf dem Gipfel seiner Macht, unterstützte das entstehende Bündnis und bot seine Dienste als "Protektor" an. Der Rheinbund ging eine offizielle Militärallianz mit Frankreich ein.

Die Gründung des Rheinbundes bedeutete das Ende des "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation". Kaiser Franz II., legte seine Krone ab. Der Rest des Reiches zerfiel in viele Einzelgebiete.


Diese Animation zeigt die sich verändernde Ausdehnung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zwischen 962 und 1806:

Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, wie es mit dem Rheinbund weitergeht und welche Maßnahmen Napoleon unternimmt, um Europa in seinem Sinn weiter umzugestalten...