Kurze Vorgeschichte: Napoleon gegen Spanien und Portugal




Unter anderem, weil Portugal die Kontinentalsperre nicht akzeptiert, entscheidet Napoleon, dieses Land im Westen Europas zu besetzen. Dafür müssen seine Truppen durch Spanien marschieren.
In Spanien herrscht gerade ein Thronstreit zwischen König Karl IV. und seinem Sohn Ferdinand. Napoleon nutzt diesen Thronstreit geschickt aus. Er besetzt das Land und setzt seinen Bruder Joseph als König von Spanien ein. Die Spanier wollen sich aber nicht so einfach überrumpeln lassen. Sie wehrten sich heftig gegen die spontane Machtübernahme und vertreiben Joseph aus Madrid. Um die Situation zu retten, rückt Napoleon selbst mit seiner Grande Armée in Spanien ein. Es kommt zu einem Guerillakrieg, der erbittert geführt wird und der für Napoleon keinen greifbaren Sieg gegen Spanien bringen wird. Trotzdem dehnt Napoleon seinen Machtbereich weiter aus und bringt Spanien unter seine Kontrolle.

Vor dem Russlandfeldzug sieht Napoleons Machtbereich also so aus:


Napoleons Russlandfeldzug


Der Anlass

Auch Russland ist an die Kontinentalsperre gebunden und darf nicht mit Großbritannien handeln. In Russland regt sich immer mehr Widerstand gegen Napoleon und die voranschreitende Ausweitung seines Machtbereiches. Der russische Zar ist der Ansicht, dass Napoleon nur durch eine militärische Niederlage aufgehalten werden kann. Alles deutet auf einen Krieg zwischen Russland und Frankreich hin.

 

Vorbereitungen

Napoleon beginnt, Vorbereitungen für einen solchen Krieg zu treffen. Er weist den Rheinbundstaaten an, die Kontingente an Soldaten und Waffen zu erhöhen. Russland kann sich der Unterstützung Preußens und Österreichs sicher sein. Außerdem gewinnt Russland Schweden als Bündnispartner.

Napoleon weiß, dass er gegen das Bündnis seine Grande Armée in den Kampf schicken muss. Diese umfasst 450 000 Mann. Es ist die größte Armee, die es bis zum damaligen Zeitpunkt je gegeben hat.

 

Es geht los

Am 24.6.1812 setzt sich Napoleon mit seiner Armee in Richtung Russland in Bewegung. Er will möglichst schnell eine Entscheidungsschlacht herbeiführen, um dann schnell Friedensverhandlungen führen zu können – die dann wieder einen Gebiets- und Machtzuwachs für ihn bedeuten würden…

 

Franzosen in Russland

Die russische Armee lässt sich von der Grande Armée aber nicht einschüchtern und nicht zurückdrängen. Sie setzt auf die Strategie der verbrannten Erde und verhindert so die Versorgung der Franzosen. Diese haben keine Nahrung dabei, weil sie wie immer auf eine Versorgung durch Plünderung des Feindes eingestellt waren. Zum Versorgungsproblem kommen auch noch ein Läusefieberausbruch und eine ungünstige Wetterlage. Es ssiehtah nicht gut aus für Napoleon. Durch Krankheiten und Hunger schrumpft seine „Grande Armée“ schon vor der ersten Feindberührung von 450 000 auf 160 000 Mann.

 

Die Schlacht

Kurz vor Moskau kommt es dann zur Schlacht zwischen Frankreich und Russland (unterstützt durch Preußen, Österreich und Schweden). Zwar siegen die französischen Soldaten, allerdings ist es die verlustreichste Schlacht, die unter Napoleon bis zu diesem Zeitpunkt je geführt wurde (28 000 Tote auf französischer Seite). Napoleon kann Moskau trotzdem einnehmen und bezieht den Kreml. Die restliche Stadt lässt er in Brand setzen. Die französischen Truppen werden durch ankommende Nachzügler verstärkt. In Moskau zeigen die französischen Soldaten ein disziplinloses Verhalten. Sie entdecken große Spirituosenbestände und lieferten sich verheerende Exzesse. 

Napoleon wartet nun nach der Einnahme Moskaus auf ein Verhandlungsangebot des Zaren. Nach dem üblichen Muster will Napoleon Frieden anbieten, dafür aber Gebiete und Macht fordern. Doch der russische Zar denkt überhaupt nicht daran, mit Napoleon zu verhandeln. Er verbietet auch seinem Generalfeldmarschall, Friedensverhandlungen mit Napoleon zu führen. 
Nach vielen Wochen des Wartens muss Napoleon einsehen, dass er nicht weiterkommt und nichts erreichen kann. Er ordnet seinen Soldaten den Rückzug an. Währenddessen hat Großbritannien große Mengen an Geld und Waffen nach Russland geliefert, um die verbündeten im Kampf gegen Frankreich zu unterstützen. 

 

Der Rückzug des Grauens

Der Rückzug der Franzosen aus Russland ist von unzähligen Gefechten und Schlachten geprägt. Die Franzosen haben es nicht versäumt, aus den russischen Palästen große Mengen an Schätzen (Pelze, Gemälde, Wein) abzutransportieren. Dafür verwenden sie die wenigen erhalten gebliebenen Fuhrwerke. Verwundete und kranke französische Soldaten müssen zu Fuß gehen oder werden zurückgelassen.
Auf dem Rückzug gibt es für die Soldaten, aber auch für die Pferde, viel zu wenig Nahrung. Napoleon kannte bis jetzt nur die Heimkehr als Sieger - für eine Heimkehr als Verlierer hat er nicht vorgesorgt. Gerade einmal 28 000 Soldaten überqueren den Fluss Beresina (im heutigen Weißrussland), wo es erneut zu einer Schlacht kommt. Bei dieser Schlacht wird die Grande Armée endgültig zerschlagen. Der Rückzug der Franzosen wird nun dadurch erschwert, dass sich Napoleon schnell nach Frankreich begeben muss, um dort einen Putschversuch abzuwenden.


Das Massaker von Wilna

Im Dezember 1812 erreicht der jämmerliche Heimkehrertross Wilna. Dort treffen zur Verstärkung einige Nachzügler aus Frankreich ein. Bei Temperaturen um die -40° müssen sich die angeschlagenen Soldaten gegen mutige und unerschrockene Kosaken wehren. 20 000 Kranke, Verwundete und Erschöpfte werden in Wilna zurückgelassen. An diesen verüben die Kosaken, verstärkt durch die russische Zivilbevölkerung, ein grausames Massaker. Erst die eintreffende russische Armee beendete das Massaker.

Der württembergische Leutnant Karl Kurz beschreibt das Leid der in Wilna zurückgelassenen Soldaten: 

„Säle und Zimmer lagen voll Toter und Sterbender, die in der Hungerwut ihre toten Kameraden benagten. … Unbeschreiblich war das Elend der armen Gefangenen in den Tagen des 11. bis 15. Dezember, in welchen durch die Waffen des Feindes, durch Misshandlungen aller Art, durch Kälte und Hunger mehr als 1.000 Offiziere und 12.000 Gemeine aller Nationen zugrunde gingen.“

Am 14. Dezember 1812 erreichen die übriggebliebenen 4300 französischen Soldaten Polen. 100 000 französischen Soldaten befinden sich zu diesem Zeitpunkt noch in russischer Gefangenschaft. Diese werden erst freigelassen, wenn sich ihr Heimatland dem Kampf gegen Napoleon angeschlossen hatte.

Bilanz

Der Russlandfeldzug bringt Napoleon eine verheerende Niederlage mit unvorstellbaren Verlusten ein. Der Prestigeverlust für den selbst ernannten Kaiser der Franzosen ist enorm: Alle europäischen Mächte, die Napoleon bis dahin unterworfen hatte, können mit ansehen, wie sein Stern zu sinken beginnt...