Am Vorabend der Revolution

Es begann zu brodeln...

Seit Jahrzehnten blieb die Schuldenlast in Frankreich unerträglich hoch. Nur durch hohe Steuern konnten die Staatsgeschäfte am Laufen gehalten werden - doch nur der Dritte Stand musste Steuern zahlen. Das bedeutete, dass arme Bauern hohe Steuern errichten mussten, wohlhabende Adlige und Geistliche des Ersten und Zweiten Standes aber nicht. 
Zum Dritten Stand gehörten auch Kaufleute. Diese mussten ein Drittel ihrer Einnahmen an den Staat abführen. Die Angehörigen des Dritten Standes fragten immer lauter und aufgebrachter: "Warum sollen wir allein die ganze Last tragen?" Natürlich kannten auch die Bauern, Handwerker und Kaufleute die Geschichten vom glanzvollen Hofleben, von teuren Jagden und täglichen Festen am Hofe des Königs. Warum sollten sie das Hofleben bezahlen, an dem sie selbst nicht teilhaben durften? Immer öfter trauten sich die aufgebrachten Bürger, diese Fragen auch öffentlich zu stellen.

Aufgabe

Erkunde die Karikatur, die in der Zeit um 1780 entstanden ist.
Du kannst das Bild anklicken, um mehr zu erfahren.

a) Welche Personen sind abgebildet und für welche Gruppe stehen sie?

b) Welche Gegenstände und Utensilien kennzeichnen die Personen?

c) Welche Aussage trifft der Zeichner durch Körperhaltung und Anordnung der dargestellten Personen?

d) Wofür stehen die Rebhühner und Kaninchen im Bild?

e) Im Bild sind viele Schriftzüge versteckt. Finde sie und erkläre sie.

Die Lage verschärfte sich,

als es in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zu schlimmen Unwettern kam. Die Ernten blieben aus, was Versorgungsengpässe und Hungersnöte zur Folge hatte. Die verfügbaren Lebensmittel wurden zu unerschwinglichen Preisen angeboten. 
Viele Menschen verloren in Folge der dramatischen Entwicklungen ihre Arbeit, was eine schwere Wirtschaftskrise in Gang setzte. 

Die Schlinge um den Hals des Königs zog sich immer weiter zu. Wurden erst kleine Verbesserungen und Zugeständnisse für den Dritten Stand gefordert, so zweifeln immer mehr Bürger am ganzen System. Wenn uns die Alleinherrschaft eines Königs in eine so tiefe Krise gestürzt hat, muss man dann nicht die Alleinherrschaft durch eine bessere Herrschaftsform ersetzen?

Étienne de Brienne

Ludwig der XV. sah sich nicht mehr imstande, diese Probleme allein zu lösen. Im Jahr 1787 setzte er Étienne de Brienne als leitenden Finanzminister ein. 

Étienne de Brienne wusste, dass die Steuern erneut massiv angehoben werden mussten, um die Staatspleite abzuwenden. Das war aber nur mit der Zustimmung der Generalstände möglich. Ein Einberufen der Generalstände wäre eine Sensation! Das letzte Zusammentreffen der Ständevertreter fand im Jahr 1614 statt, vor 175 Jahren!
Doch Étienne de Brienne sah keine andere Möglichkeit. Er trug seinen Plan dem König vor. Dieser weigerte sich zunächst, um die Zustimmung der Generalstände zu betteln. 
Erst nach fast zwei Jahren und unzähligen Diskussionen willigte der König schließlich ein und lud  die Generalstände nach Paris ein...