Der Imperialismus
Vom Kolonialismus zum Imperialismus
Kolonialismus als Konkurrenzkampf
Ab 1500, verstärkt ab 1600, ist ein regelrechter Wettlauf der europäischen Mächte um neue Gebiete erkennbar. In erster Linie ging es den Eroberern darum, wichtige Handelsstützpunkte in der Fremde zu errichten, über die der Transport exotischer Waren in die Heimat organisiert werden sollte.
Ab 1600 gibt es darüber hinaus das Bestreben einzelner Länder, große Flächen in der Fremde einzunehmen und dauerhaft zu beherrschen. Dafür musste die eingenommene Fläche zuerst einmal gegen andere Mächte verteidigt werden. Zahlreiche Kolonialkriege waren die Folge. England ging aus all diesen Auseinandersetzungen als stärkste Kolonialmacht hervor.
Hatte eine Kolonialmacht die Herrschaft über ein Gebiet erlangt, folgten massive Eingriffe in dessen innere Struktur. Nur scheinbar behielten die Gebiete ihre Selbstverwaltung, in Wirklichkeit wurden sie in wirtschaftliche und politische Abhängigkeit vom „Mutterland“ getrieben.
Nation und Nationalstolz
Ab 1870 stieg die Bedeutung der Begriffe "Nationalstaat / Nation" und "Nationalstolz". Europäische Länder grenzten sich immer stärker nach außen ab und entwickelten nach innen hin ein starkes Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl. Über andere Nationen, besonders über die eigenen Nachbarstaaten, verfestigten sich die Feindbilder. Diese übersteigert positive Wahrnehmung des eigenen Herkunftslandes bei starker Abwertung anderer Länder bezeichnet man als "Nationalismus".
Vom Kolonialismus zum Imperialismus
Der Kampf um Territorien in der Fremde wurde immer schärfer und verbissener geführt. Denn wer ein großes Kolonialreich besaß, der hatte sich gegen Einheimische, aber auch gegen europäische Konkurrenten durchgesetzt und dabei militärische Stärke bewiesen. Das brachte den Respekt und Anerkennung der anderen Nationen. Also lieferten sich die europäischen Länder einen einen regelrechten Wettlauf um die letzten „herrenlosen“ Gebiete auf der Erde und kämpften auch verbissen um Flächen, die wirtschaftlich uninteressant waren, wie zum Beispiel Wüsten und Urwälder – es ging nur noch ums Besitzen!
Industrielle Fortschritte im Schiffsbau und im Eisenbahnwesen erleichterten das Vordringen in unerschlossene Gebiete. Damit wurde aus dem Kolonialismus (=Erwerb von Kolonien mit dem Ziel des Handelns) der Imperialismus (Erwerb von Fläche mit dem Ziel der Vergrößerung des Machtgebietes).
Von den Kolonien nach Europa gebracht
exotische Gewürze
Nahrungsmittel
Genussmittel
Rohstoffe
Von Europa in die Kolonien gebracht
Bautechnik
Straßenbautechnik
Eisenbahn- und Schienentechnik
Waffen
Werkzeuge
Telegrafentechnik
Gefühlte Überlegenheit
Der Umgang mit den Einheimischen in den neu entdeckten Gebieten war aber nicht nur durch die Machtkämpfe unter den europäischen Nationen bestimmt.
Hinzu kam eine tiefe Überzeugung, den Eingeborenen fremder Stämme grundsätzlich überlegen zu sein. Die Eingeborenen galten als wild und unzivilisiert. Man denke an Christoph Kolumbus' Tagebucheinträge über seine erste Begegnung mit den Ureinwohnern Mittelamerikas.
Durch diese gefühlte Überlegenheit leiteten die Europäer das Recht ab, die Ureinwohner zu unterwerfen und auszubeuten . Durch eine fehlende Wertschätzung anderer Lebensweisen schreckten die europäischen Besatzer nicht davor zurück, ganze Kulturen für immer zu zerstören.
Oftmals schoben die Europäer religiöse Motive vor und behaupteten, sie hätten von Gott das Recht erworben, den "primitiven" und "unterentwickelten" Völkern die Segnungen der europäischen Kultur aufzuzwingen.
Charles Darwin
Im Jahr 1859 veröffentlichte der englische Wissenschaftler das Buch "Über die Entstehung der Arten". Darin untersuchte er die Lebensweisen von Tieren und die Entwicklung von Tierarten. Besonderes Interesse zeigte Charles Darwin für die Anpassungsfähigkeit von Tieren an ihre Lebensräume. Darwin leitete aus seinen Beobachtungen die Evolutionstheorie ab. Diese besagt, dass sich langfristig die Arten durchsetzen, die am besten an ihren Lebensraum angepasst sind. Diese Anpassungsfähigkeit bezog sich auf Klima, natürliche Feinde und das Nahrungsangebot. Schlecht abgepasste Arten würde dieser Theorie zufolge allmählich aussterben. Alle Arten befänden sich, so Darwin, in einem ewigen Überlebenskampf, in dem langfristig nur die Fähigsten überleben.
Diese Ausführungen über das Tierreich wurden nun fälschlicherweise auf die menschliche Gesellschaft übertragen. Unter dem Schlagwort "Sozialdarwinismus" wurde die Behauptung aufgestellt, dass es eben auch über- und unterlegene Völker gibt und dass von den Völkern nur die überlegenen herrschen dürfen und langfristig überleben.
Damit wurde der Grundstein für rassenideologisches Denken gelegt und die Unterdrückung anderer Menschengruppen scheinbar evolutionsbiologisch bestätigt.
Aufgaben
1. Erkläre die Begriffe "Nation", Nationalstolz" und "Nationalismus".
2. Lege das Puzzle so zusammen, dass eine Definition des Begriffs "Imperialismus" entsteht. Schreibe diese in deinen Hefter.
3. Erkläre den Unterschied zwischen Kolonialismus und Imperialismus.
4. Erkläre den Begriff "Sozialdarwinismus".