Vasco da Gama

Der Mann, der Indien über Afrika erreichte

Gute Beziehungen

Vasco da Gama war ein portugiesischer Adliger. Schon sein Vater beschäftigte sich mit der Suche nach einem neuen Seeweg nach Indien und stand in Kontakt mit dem portugiesischen König. Auch Vasco selbst hatte  gute Beziehungen zum König. Obwohl er wahrscheinlich keine Kenntnisse von der Seefahrt hatte, ernannte ihn König Manuel von Portugal zum Oberbefehlshaber einer großen Seereise nach Indien. 

Vasco da Gama ersetzt Bartolomeo Diaz

Wenige Jahre zuvor hatte Bartolomeo Diaz die Afrika-Umrundung geschafft. Leider konnte er nicht bis nach Indien weitersegeln, weil es seiner Mannschaft sehr schlecht ging. Vasco da Gama sollte das Projekt „Um Afrika herum nach Indien“ nun zu Ende bringen.

Bartolomeo Diaz hätte die Seereise sicher gern selbst geleitet, da er sie schon einmal fast geschafft hätte. Es muss für ihn sehr bitter gewesen sein, gegen Vasco da Gama ausgetauscht zu werden. 

Der erfahrene Seefahrer Bartolomeo Diaz durfte die Expedition vorbereiten und beim Ausstatten der Schiffe helfen. Außerdem begleitete er die Flotte noch bis zu den Kapverdischen Inseln – dann kehrte er aber um und segelte und nach Portugal zurück.

Bis heute ist nicht klar, warum der unerfahrene Vasco da Gama und nicht Bartolomeo Diaz die Indienreise leitete.

Gute Vorbereitung

Auf der Afrika-Umrundung des Bartolomeo Diaz gab es große Probleme mit der Strömung und den Windverhältnissen. Am Südkap gelang es den Steuermännern nicht, zur Ostseite Afrikas zu gelangen, stattdessen wurden die Schiffe regelrecht nach unten gedrückt.
Dieses Problem wurde nach der Seereise gründlich erforscht. Sei fanden heraus, dass es im Atlantik wirbelförmige Luftströme gibt, die das Steuern der Schiffe erschweren. Der größte Luftstrom ist der "Südatlantische Wirbel". Gerät man in diesen Wirbel, bringt man das Schiff und die Besatzung in große Gefahr. 
Die Nautiker planten deshalb für diese Expedition, den Südatlantischen Wirbel großräumig zu umfahren. Das war zwar ein riesiger Umweg, würde aber eine sichere Umrundung der Südspitze Afrikas garantieren.

Wenn man eng an der westafrikanischen Küste entlangsegelt, ist man unberechenbaren Winden ausgesetzt.

Ursache dafür ist der "Südatlantische Wirbel".

Vasco da Gama plante, den "Südatlantischen Wirbel außen zu umfahren - ein Umweg, der aber die Kontrolle über die Schiffe sicherstellte.

Es geht los 

Am 8. Juli 1497 startete die Expedition mit vier Schiffen und ungefähr 150 Mann Besatzung. 
Um ein Abdriften zu vermeiden, schlugen die Steuerleute diesmal einen andern Kurs ein. Sie fuhren nicht eng an der afrikanischen Küste entlang, sondern holten weit nach Westen aus, weil dort bessere Windverhältnisse herrschten. Am 4. November, also nach vier Monaten, wurde das erste große Zwischenziel erreicht: die Sankt-Helena-Bucht.


Ostküste Afrikas erreicht!

Danach konnte das Kap der Guten Hoffnung in einem großen Bogen umfahren werden. Die Überfahrt auf die Ostseite Afrikas klappte diesmal problemlos.

Doch dort warfen sich arabische Kaufleute in den Weg der Seefahrer. Sie wollten nicht, dass die Europäer neue Handelswege erschlossen und wollten ihre Weiterfahrt verhindern. Zum Glück schaffte es Vasco da Gama, bis zu einem Sultan weiterzusegeln, der mit den arabischen Kaufleuten verfeindet war. Dieser stellte den europäischen Seeleuten einen Navigator zur Seite, der die Schiffe sicher nach Indien führte.

 

Endlich am Ziel

Am 20. Mai 1498, nach zehn Monaten auf See, war es endlich so weit: Vasco da Gama erreichte mit seiner Flotte den Ort Calicut an der indischen Küste. Zum ersten Mal hatte ein europäisches Schiff Indien auf dem Seeweg um Afrika herum erreicht. Am 8. Oktober konnten die Schiffe reich beladen mit kostbaren Gewürzen die Rückreise nach Europa antreten. In Lissabon wurde den Seefahrern ein prächtiger Empfang bereitet.

Für Kolumbus war der Erfolg Vasco da Gamas ein herber Rückschlag: Er suchte immer noch verzweifelt den Durchgang von der mittelamerikanischen Inselwelt nach Indien. Gerade als er sich vor dem spanischen Königspaar wieder einmal für den schlechten Umgang mit den Einheimischen zu verantworten hatte, erreichte ihn die Nachricht, dass die Portugiesen einen Seeweg nach Indien über Afrika gefunden hatten. 

Vasco da Gamas zweite Indienreise

Im Jahr 1502 unternahm Vasco da Gama im Auftrag des portugiesischen Königs Manuel eine weitere Reise nach Indien. Diesmal nicht mit 4, sondern mit 21 schwer bewaffneten Schiffen, die in drei Geschwader eingeteilt wurden. 

Als die vielen Schiffe im indischen Ozean auftauchten, reagierten die ansässigen indischen und arabischen Kaufleute mit Empörung. Sie wollten nicht, dass die Europäer Handelsstützpunkte in Indien aufbauten. Es stellte sich sofort ein Kriegszustand ein. Vasco da Gama wurde mit den 15 Schiffen seines Geschwaders in eine Schlacht verwickelt und musste gegen 100 arabische und indische Schiffe kämpfen. 

Die Portugiesen vermieden den Nahkampf und befeuerten die gegnerischen Schiffe lieber aus sicherer Entfernung mit Geschützen. Auf diese Weise konnten die gegnerischen Schiffe fast vollständig vernichtet werden.

 

Vasco da Gama begann sofort mit dem systematischen Aufbau von Handelsstützpunkten in Indien. Die arabischen Kaufleute beobachteten das mit Missvergnügen, denn sie wollten Zwischenhändler zwischen den indischen Produkten und den europäischen Kunden bleiben. Die Araber versuchten also, die indischen Fürsten gegen Vasco da Gama und seine Leute aufzubringen.

Doch durch geschicktes Taktieren gelang es Vasco da Gama, immer mehr indische Fürsten auf seine Seite zu ziehen. Er baute seine Stellung in Indien immer weiter aus und konnte schon bald die erste portugiesische Festung auf indischem Boden errichten. Damit war der Grundstein für den direkten Gewürzhandel zwischen Indien und Portugal gelegt. Diese drei Maßnahmen sicherten Vasco da Gamas Erfolg:

 

1. permanente Flottenpräsenz

2. Handelsverträge (zum Teil erzwungen)

3. Vergünstigungen für verbündete indische Fürsten

 

Portugal wurde schnell eine führende Seemacht im Indischen Ozean. Feindliche arabische Schiffe wurden gnadenlos versenkt. Nachdem die Machtstellung Portugals in Indien gesichert war und der Gewürzhandel angelaufen war, kehrte Vasco da Gama 1503 wieder nach Portugal zurück.

 

Vasco da Gamas dritte Indienreise

Lange Zeit später, im Jahr 1524, brach Vasco da Gama mit seinen beiden Söhnen zu einer dritten Indienreise auf – nun unter dem Ehrentitel „Vizekönig Indiens“. Diesen Titel hatte der portugiesische König dem Seefahrer verliehen. Bei seinem dritten Indien-Aufenthalt wollte Vasco da Gama die indische Verwaltung verbessern und einen portugiesischen Militärstützpunkt in Indien aufbauen.

Doch drei Monate nach der Ankunft in Indien starb Vasco da Gama an einer Infektion. Er wurde zunächst in Indien beerdigt. Erst im Jahr 1880 wurde der Leichnam nach Portugal überführt.