Nikolaus Kopernikus


Wie alles begann

Nikolaus Kopernikus wurde 1473 als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns geboren. Sein Geburtsort war Thorn. Das liegt im heutigen Polen. 


Angebliches Geburtshaus

Der Vater starb früh. Mit zehn Jahren kam Nikolaus zu seinem Onkel. Dieser sorgte dafür, dass Nikolaus nach der Schule nach Krakau ging, um dort Mathematik und Astronomie zu studieren. Danach ging es für Nikolaus dorthin, wo das Leben gerade pulsiert: nach Italien. In Bologna, Padua und Ferrara studierte Nikolaus geistliches und weltliches Recht, und dann Medizin.

Die Liebe zu den Sternen entflammte

In Italien lebte Nikolaus bei einem Astronomen und lernte von ihm die Himmelsbeobachtung. Dabei entflammte bei Nikolaus die Liebe zu den Sternen. Er fand heraus, dass sich auch die alten Griechen schon mit der Sternenkunde beschäftigt hatten. So hatte Ptolemäus schon vor 1400 Jahren bewiesen, dass die Erde keine Scheibe war, sondern eine Kugel. 
Nikolaus lernte die griechische Sprache, um die astronomischen Werke der alten Griechen im Original zu lesen. Außerdem tauschte er sich mit Astronomie-Studenten aus.

Beim genaueren Hinsehen und in den Gesprächen mit den Studenten wurde Kopernikus darauf aufmerksam, dass Ptolemäus‘ Schilderungen viele Ungenauigkeiten und Widersprüche enthalten. Er beschloss, nach weiteren Fehlern zu suchen und die Sterne selbst zu beobachten. Sein Ziel war es, den wahren Lauf der Sterne herauszufinden.

Wiedersprüche und Ungenauigkeiten

Nach vielen Beobachtungen und Überlegungen wurde Nikolaus Kopernikus klar, dass sich die Widersprüche bei Ptolemäus nur auflösen lassen, wenn man sich die Sonne im Mittelpunkt des Universums vorstellt und nicht die Erde. Die anderen Planeten, auch die Erde, würden die Sonne umkreisen. Nur unter dieser Voraussetzung kann man das, was man durch das Teleskop sieht, logisch erklären. Im Jahr 1514 schrieb er seine Erkenntnisse zum ersten Mal auf. Er verteilte die Schrift im Freundeskreis.

Die Behauptungen des Kopernikus

  • Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Universums, sondern nur das Zentrum der Mondbahn.
  • Alle Bahnkreise umgeben die Sonne, also liegt der Mittelpunkt der Welt in Sonnennähe.
  • Die Bewegung des Fixsternhimmels wird durch die Drehung der Erde um sich selbst hervorgerufen.
  • Die Bewegung der Sonne am Himmel ist keine Eigenbewegung, sondern wird durch den Lauf der Erde um die Sonne und durch die Erdrotation hervorgerufen.
  • Die Schleifen der Planeten am Himmel sind nur scheinbare Bewegungen, die dadurch entstehen, weil sich auch die Erde bewegt und sich dabei unser Blickpunkt verändert.


Astronomie als Hobby

Nach dem Studium kam er ins Ermland im heutigen Polen zurück. Er verwaltete dort einen Dombezirk und arbeitete als Arzt. Die Astronomie betrieb er nur noch als Hobby. Er arbeitete in den folgenden dreißig Jahren daran, seine Behauptungen zum Aufbau des Universums zu beweisen. Dafür ließ er sich sogar einen Turm bauen, der kein Dach hatte, damit Kopernikus jede Nacht freie Sicht auf die Sterne hatte.

 

Kritik und Zweifel

Allerdings war Kopernikus klar, dass er mit seinen Erkenntnissen allein dastand. Niemand  konnte das, was er behauptete, glauben. Denn das alte Weltbild saß in den Köpfen der Menschen fest. Er hatte Angst, verrissen und lächerlich gemacht zu werden. Keiner würde sich vorstellen können, dass sich die Erde bewegt. Denn dann müsste man ja den „Fahrtwind“ spüren. Und Gegenstände müssten schräg nach unten fallen. Leider hatte Kopernikus keine stichhaltigen Beweise für seine Behauptungen. Seine Gegner würden sagen: „Ein Blick zum Himmel genügt. Wir sehen, dass der Himmel sich bewegt, die Erde aber stillsteht…“

 

Ein Buch über das neue Weltbild

Schließlich überzeugten Kopernikus zwei Freunde, ein Buch zu schreiben, in dem er seine Erkenntnisse erklärt und dieses dann zu veröffentlichen. 1540 begann Kopernikus mit der Arbeit am Buch „De Revolutionibus Orbium Coelestium“.

Die Produktionszeit war sehr lang, denn das Buch enthielt viele aufwändige Darstellungen. Ganze 142 Holzschnitte mussten dafür angefertigt werden. Um sich gegen eine Verfolgung durch die Kirche abzusichern, fügte der Verleger Andreas Osiander ein Vorwort, in dem er den Inhalt des Buches als erfundene Geschichte darstellt. Im Buch würde einfach ein Rechenmodell vorgestellt, für das der Autor welches keinen Anspruch auf Wahrheit erhebt. Das Vorwort klang so, als hätte es Kopernikus selbst geschrieben. Durch dieses Vorwort entgingen Autor und Verleger einer Verfolgung durch die Kirche. 

Die erste Seite mit dem Vorwort

Eine Zeichnung des neuen Weltbildes

Das Lebensende

Leider ging es Kopernikus mittlerweile gesundheitlich sehr schlecht. Nach einem zweiten Schlaganfall starb der Wissenschaftler im Jahr 1543. Der Legende nach war das Buch genau an seinem Todestag fertiggestellt, so dass er es in seinen letzten Stunden noch in den Händen halten konnte.

 

Durch das Vorwort des Andreas Osiander, in dem der Buchinhalt als „Rechenspielerei“ dargestellt wurde, war man lange einem Verbot durch die Kirche entgangen. Erst 33 Jahre später wurde das Buch in Italien auf die Liste der verbotenen Bücher gesetzt.

 

Einordnung

Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass das System des Universums, wie Kopernikus es sich vorstellte, war noch nicht ganz realitätsgetreu. Doch es war ein großer Schritt in die richtige Richtung. Kopernikus hat viele Forscher dazu inspiriert, weiter zu forschen.  Viele Astronomen bemühten sich, Kopernikus‘ Beobachtungen zu verfeinern und sie so besser gegen die alte Anschauung zu verteidigen.

Heute ist der Name „Nikolaus Kopernikus“ untrennbar mit einer Sensation verbunden: Der Verdrängung des geozentrischen zugunsten des heliozentrischen Weltbildes. Die Menschen mussten langsam einsehen, dass ihre Erde nicht der Mittelpunkt des Universums ist, sondern nur ein einfacher Planet unter vielen. Für uns ist das heute selbstverständlich, doch damals waren diese Erkenntnisse revolutionär.



Aufgaben zu Kopernikus:

Antworte schriftlich in Stichpunkten oder Sätzen (in eigenen Worten):

1. Mit welchem Themengebiet kam Nikolaus Kopernikus in Italien in Berührung?

2. Kopernikus beschäftigte sich mit den alten Schriften des Ptolemäus. Ptolemäus wusste schon um 100 nach Christus, dass die Erde keine Scheibe, sondern eine Kugel ist. Doch Kopernikus stellte fest, dass sich Ptolemäus in einer Sache irrte - nämlich in welcher?

3. Nenne die fünf Behauptungen, die Kopernikus nach seinen Beobachtungen des Universums aufstellte.

4. Warum traute sich Nikolaus Kopernikus zuerst nicht, seine Erkenntnisse als Buch zu veröffentlichen?