Der Gang nach Canossa

Der Streit beginnt: König gegen Papst

Zwei Personen haben unterschiedliche Ansichten darüber, wer Bischöfe einsetzen darf...

Das sagt der König:

"Seid gegrüßt! 

Ich bin der deutsche König Heinrich, und zwar der Vierte. Mir gehört im Deutschen Reich ja so gut wie alles. Mir gehört der Boden und auch die Menschen, die darauf arbeiten. Natürlich verleihe ich von meinen riesigen Flächen gern etwas an meine Untertanen – natürlich für gewisse Gegenleistungen…

Die Leute, denen ich Boden leihe, heißen dann Kronvasallen. Auf dem Boden, den die Kronvasallen von mir bekommen, dürfen sie natürlich etwas bauen – zum Beispiel Kirchen. Das sind dann aber meine Kirchen, weil mir ja der Boden gehört, auf dem die Kirche steht. 

Besonders gern setze ich Bischöfe als Kronvasallen ein. Sie haben einen großen Einfluss aufs Volk und können so toll reden. Das sind oft kluge, anständige Leute.

Aber nicht allen Kirchenleuten kann ich vertrauen. Deshalb muss ich genau überlegen, wen ich zum Bischof mache. Denn er bekommt ja dann riesige Gebiete von mir und die muss er nach meinen Regeln und in meinem Sinne verwalten. Er muss streng kontrollieren, ob alle Untertanen meine Gesetze einhalten. Wenn nicht, muss er harte Strafen verhängen. Auch die Abgaben muss er eintreiben…

Außerdem muss ich sicher sein, dass der Bischof auf meiner Seite steht und nicht heimlich gegen mich arbeitet. 

Ich weiß, dass viele Fürsten neidisch auf mich sind und gerne König wären. Ständig laufen Versuche, mich hinterlistig abzusetzen. Wenn ein Bischof Kronvasall sein will, darf er sich an solchen Intrigen nicht beteiligen. 

Nur ich kann entscheiden, wer als Kronvasall geeignet ist und nur solche Leute mache ich zu Bischöfen! Übrigens nennt man dieses Einsetzen von Bischöfen Investitur."

Und das sagt der Papst:

"Ich bin Papst Gregor. Und da es vor mir schon sechs Päpste mit dem Namen Gregor gab, bin ich Gregor der Siebte. Gregor nenne ich mich aber erst, seitdem ich Papst bin. Mein Geburtsname ist Hildebrand.

Mit den Bischöfen, das hat sich König Heinrich ja schön ausgedacht. Aber so geht das nicht. Ein Bischof steht ja zuerst einmal im Dienst der Kirche und hat kirchliche Aufgaben. Er bekommt die Verantwortung für ein kirchliches Gebiet, eine Diözese, übertragen.

Er muss dafür sorgen, dass in seiner Diözese der christliche Glaube richtig ausgeführt wird. Alle Menschen müssen genau nach den Regeln leben, die in der Bibel beschrieben werden.  Sie sollen bescheiden und dankbar sein. Sie dürfen keine Gewalt anwenden und niemals Rache üben. Sie müssen regelmäßig zum Gottesdienst gehen und auch ihre Kinder zu guten Christen erziehen.

 

Klar haben die einfachen Menschen kein leichtes Leben. Und es kommt ihnen ungerecht vor, dass die reichen Adligen ihnen ihre Ernte-Erträge wegnehmen. Aber Gott hat es so gewollt. Ich sage einfach: Haltet durch! Die wahrhaft gute Zeit kommt doch erst im Jenseits! Das Leben auf der Erde ist nur zum Durchhalten, bringt es einfach hinter euch, seid gute Christen und beschwert euch nicht!

Jedenfalls muss ein Bischof seine „Schäfchen“ im Auge behalten und die christliche Lehre verbreiten. Und nur ich kann entscheiden, wer sich als Bischof eignet und eine Diözese leiten kann!

Es geht überhaupt nicht, dass der König die Bischöfe aussucht, er hat doch von der christlichen Lehre keine Ahnung.

Am meisten regt mich auf, dass der König meine Bischöfe als Verwalter missbraucht. Die Bischöfe sind doch nicht des Königs Geldeintreiber! Das muss aufhören. Die Aufgaben müssen wieder klar geteilt werden: Geld ist Geld und Glaube ist Glaube!

Ich mache jetzt mal Nägel mit Köpfen und akzeptiere keine Bischöfe mehr, die der König eingesetzt hat. Das mache nur noch ich und kein anderer!"

Das sind die beiden Standpunkte zu Beginn des Streits. König und Papst streiten sich darüber, wer die Investitur von Bischöfen vornehmen darf.
Die Ausgangsbedingungen für Papst Gregor sind schlecht, denn er ist unrechtmäßig Papst geworden. Er hat sich nicht an das Papstwahldekret gehalten. Er hat sich nicht von den Kardinalbischöfen wählen lassen, so wie es vorgeschrieben ist. Stattdessen hat er sich vom Volk zum Papst ausrufen lassen. Damit ist seine Stellung von Anfang an geschwächt. 

Aufgabe:


1. Sammle in einer Tabelle die Argumente beider Personen.

2. Stell dir vor, es findet eine öffentliche Diskussion statt, bei der König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. ihre Argumente vortragen. Danach redest du: Du musst einem von beiden Recht geben. Halte eine unterstützende Rede für den König oder den Papst und begründe, warum du auf der Seite des Königs / des Papstes stehst.

"Meine lieben Zuhörer, Sie haben beide Personen reden hören. Beide haben gute Argumente. Ich stehe auf der Seite von ... . Ich kann Ihnen auch sagen, warum. ..."

3. Papst Gregor tritt sehr energisch und entschlossen auf und will die bestehende Praxis ändern. Doch seine Position ist geschwächt. Er wird von vielen nicht als rechtmäßiger Papst anerkannt. Warum?