SPRACHVARIANTEN

Lies das Interview, dass eine Studentin mit einem Schüler führt.

Studentin: Ich komme aus der Uni und möchte etwas herausbekommen über die Sprache der Schülerinnen und Schüler. Als erstes: In welcher sprachlichen Umgebung bist du ausgewachsen?

Schüler: Hä?

Studentin: Ich meine, wie habt ihr zuhause in deiner Kindheit miteinander gesprochen?

Schüler: Also ich komme aus'm Problemviertel. Da ham wir, ichsachma, so'n Mischmasch gesprochen, Thüringisch und wie eben die einfachen Leute so sprechen. Jeder hat jeden verstanden.

Studentin: Thüringisch? Ein Dialekt?

Schüler: Ja, wür'dch sagen. Also Hochdeutsch hat keener bei uns gesprochen.

Studentin: Und wie hast du es dann gelernt?

Schüler: Als ich in die Schule kam. Da hat die Lehrerin manchmal bei meinen Aufsätzen ganz schöne Falten auf der Stirn gekriegt. Wenn ich zum Beispiel gesagt hab: "Ich muss auf's Klo.", dann hat sie mich verbessert: "Das heißt Toilette." In den Aufsätzen wurde meine Sprache bald zum Problem, da wurde viel rumkritisiert, wenn ich mal kein astreines Hochdeutsch geschrieben hab. Da hab ich dann gelernt, wie man sich auf Hochdeutsch richtig ausdrückt. War ganz neu für mich.

Studentin: Und heute? Wie redest du heute?

Schüler: Kommt drauf an. Auf dem Schulhof reden wir, wie wir wollen. Da sind auch Ausdrücke dabei, die wir im im Unterricht nich sagen, zum Beispiel "geil". Das mögen die Lehrer nich.

Studentin: Dann sprecht ihr also auf dem Schulhof Jugendsprache.

Schüler: Kann sein, wenn das so heißt?! Jedenfalls reden wir nich so, wie es die Erwachsenen gern hätten. Aber wir untereinander verstehen uns echt gut. Zum Beispiel im Jugendclub, wenn du da Hochdeutsch quatschen würdest, würden die dich ja auslachen! Und dann gibt's auch Wörter, die gefallen mir einfach. Die sind manchma 'n bisschn brutalo, aber meistens ganz lustig. Und wenn die einer sagt, weiß man, der gehört zu uns.

Studentin: Aber wie geht das denn? Mit deinen Freunden redest du so und mit den Erwachsenen ganz anders?

Schüler: Ach, ich kann immer ganz gut umschalten. Wenn ich so überlege: Ich hab mehrere Sprachschubladen im Kopf. Mit den Lehrern spreche ich so, wie man mit denen halt sprechen muss. Mit meiner Mutter rede ich nich so vornehm, wie in der Schule. Aber mit meinen Freuden rede ich nochma ganz anners als mit meiner Mutter...

Studentin: Mit den Lehrern sprichst du Standartsprache, mit mit deiner Mutter sicherlich Umgangssprache und mit deinen Freunden sprichst du Jugendsprache. Das nennt man "sprachlichen Rollenwechsel".

Schüler: Echt? Krass! Dann kann ich also "sprachlichen Rollenwechsel"... Aber is auch gut so, dass es mehrere Sprachvarianten gibt. Wenn alle immer nur Hochdeutsch sprächen - ha, siehste, das kann ich auch - dann ginge glaub'ich etwas verloren. Hochdeutsch ist unpersönlich, so distanziert. Aber irgendwie  auch präzise... "Präzise" heißt bei uns übrigens "fundi" oder "korrekt". Manchmal braucht man halt Hochdeutsch und manchmal nicht.

Studentin: Ich danke dir für das Gespräch.

Schüler: Kein Ding.

Aufgabe 1:

1 a) Schreibe die große neue Überschrift in deinen Hefter: Sprachvarianten

1 b) Im Interview kommen die Begriffe Dialekt, Umgangssprache, Standardsprache und Jugendsprache vor. Löse dieses Lernspiel und schreibe die entstandene Übersicht in deinen Hefter.

1 c) Schreibe drei jugendsprachliche* und drei umgangssprachliche** Wörter oder Wendungen aus dem Interview auf.
* Wörter, die eher Jugendliche verwenden
* Wörter und Wendungen der lockeren, privaten und mündlichen Kommunikation (von Jugendlichen und Erwachsenen verwendet)

1 d) Erkläre (schriftlich), was der "sprachliche Rollenwechsel" ist. 
Zwischen welchen Sprachvarianten kannst du hin- und her wechseln? (schriftlich beantworten)

Informiere dich nun genauer zu den verschiedenen Sprachvarianten und löse die Aufgaben auf den Unterseiten: