Die Weimarer Verfassung

 


Am Ende der Novemberrevolution waren alle Pläne der Radikal-Linken, ein Rätesystem zu errichten, gescheitert. Wenn auch mit Hilfe rechtsnationaler Freikorps, hatte sich die SPD  gegen die KPD und die USP durchgesetzt und übernahm vorübergehend die Regierungsverantwortung. Friedrich Ebert wurde Reichspräsident, dieser setzte Philipp Scheidemann als neuen Reichskanzler ein.
Nun sollte eine Demokratie aufgebaut werden. Der erste Schritt dafür war eine verfassungsgebende Nationalversammlung, bei der Parteien zur Wahl antraten. Auch wenn die KPD alles unternahm, um diese Wahl zu boykottieren, gaben sagenhafte 83% der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Ein klares Votum für die Demokratie! Die hohe Wahlbeteiligung kam auch zustande, weil erstmals Frauen wählen durften. Die überwältigende Mehrheit der Wähler setzten ihr Kreuz bei demokratischen Parteien...

Aufruf der KPD zum Boykott der Wahl

Das Ergebnis der Wahl zur Nationalversammlung

Große Aufgaben

Aus Vertretern aller gewählten Parteien wurde nun anteilsgemäß eine Nationalversammlung zusammengesetzt. Deren Mitglieder standen nun vor der historischen Aufgabe, eine stabile Verfassung als Fundament für den neuen Staat auszuarbeiten. 

Weil in Berlin Anfang 1919 immer noch die Revolution tobte, entschieden die Verantwortlichen, dass die neue Verfassung in Weimar ausgearbeitet werden sollte. Das beschauliche Weimar wurde nicht zufällig als Tagungsort gewählt. Es stand für die Glanzzeit der Weimarer Klassik, deren Werke weltweit als unübertroffen galten. In Weimar wollte man einen großen Bogen über die Barbarei des Krieges schlagen und an den früheren kulturellen Glanz anknüpfen.

 

Die Weimarer Verfassung

Am letzten Julitag 1919 wurde der Nationalversammlung die fertige Verfassung zur Abstimmung vorgelegt. Mit 262 zu 75 Stimmen wurde die Verfassung angenommen. Die Mitte-Links-Regierung sagte Ja, die Rechtsliberalen und die Deutsch-Nationalen sagten Nein. Am 11. August 1919 trat die Verfassung in Kraft.


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Wie ging es danach weiter?

Am 28. Juni 1919 war der Versailler Vertrag unterzeichnet worden, am 11. August trat die neue Verfassung in Kraft. Der neue Staat hatte die Last der Versailler Friedensbedingungen zu tragen. In der verfassungsgebenden Nationalversammlung im Januar  1919 hatte die Regierungskoalition aus SPD, DDP und Zentrum noch starke 76,4% der Wählerstimmen. Bei den Reichstagswahlen im Juni 1920 verloren die Regierungsparteien massiv an Wählerstimmen und kamen zusammen nur noch auf 43,6%.


Die Ergebnisse der Wahlen zur Nationalversammlung im Januar 1919. Die schwarze Klammer zeigt die Regierungskoalition.

Die ersten Reichstagswahlen im Juni 1920 in der neuen Weimarer Republik. Die schwarze Klammer zeigt die Regierungskoalition.

Aufgaben

1. Recherche-Aufgabe: Finde heraus, wo das Bild ganz oben auf der Seite aufgenommen wurde. Es zeigt die Politiker direkt nach dem Fertigstellen der neuen Verfassung ...

2. Demokratie - Regierung - Nationalversammlung - Verfassung - Weimar. Wie war das nochmal?
Erkläre, wie es mit dem neuen Staat beginnt. Bilde dafür aus den 5 Wörtern Sätze.

3. Zeichne die Übersicht "Die Weimarer Verfassung" ab. Verwende ein Lineal und verschiedene Farben.

4. a) Erstelle eine Tabelle über die guten und schlechten Aspekte der Weimarer Verfassung.
b) Warum ist die Parteienvielfalt gleichzeitig gut und schlecht?

5. Vergleiche die Wahlergebnisse der Nationalversammlung Januar 1919 mit den Ergebnissen der Reichstagswahl Juni 1920. 
Wie verändert sich die Zustimmung zu den Regierungsparteien? Was geschieht an den "Rändern"?
Welche Rückschlüsse lassen sich daraus ziehen?

6. Werte die Quelle "Du sollst nicht wählen" aus.
a) Von welcher Organisation wurde die Quelle verfasst?
b) Um was für eine Quelle handelt es sich?
c) An wen richtet sich die Quelle?
d) Welche Informationen kann der Leser entnehmen?
e) Ordne die Quelle ein: Was ist der geschichtliche Hintergrund? Warum fordern die Verfasser zu dem auf, wozu sie auffordern?