Der Krieg im Osten

Die Schlacht bei Gumbinnen

Im Osten ergriffen zuerst die russischen Truppen die Initiative. Direkt nach dem Ausbruch des Krieges (Anfang August 1914) besetzten russische Soldaten Ostpreußen mit dem Ziel, von dort aus bis nach Berlin durchzumarschieren. Die beiden Armeen, die diesen Plan umsetzen sollten, sind die Narew-Armee und die Njemen-Armee. Am 20. August kam es zum großen Kampf zwischen der deutschen 8. Armee und der russischen Njemen-Armee. Gleichzeitig rückte die Narew-Armee weiter nach Westen vor. 

In dieser brenzligen Situation wurde die deutsche Heeresführung abgelöst. Die neuen Heerführer: Oberbefehlshaber von Hindenburg und Stabschef Ludendorff. Die neuen Heerführer verlangten Unterstützung durch zwei Armeekorps, die von der Westfront abgezogen werden sollten. Dieser Abzug wirkte sich an der Westfront dramatisch aus, rettete aber die Situation im Osten.


Paul von Hindenburg

Erich Ludendorff


 

Die Schlacht bei Tannenberg

In der Schlacht bei Tannenberg, vom 26. bis 30. August 1914, kreisten die Deutschen die russische Narew-Armee ein und schlugen diese vernichtend. 

 

Die Schlacht an den Masurischen Seen

In der Zeit vom 8. bis 10. September 1914 schlugen die Deutschen, dank der Unterstützung aus dem Westen, nun auch die Njemen-Armee. Die russischen Truppen zogen sich danach weit hinter ihre Grenze zurück und wagten für die weitere Fortdauer des Krieges keinen weiteren Vorstoß in deutsches Gebiet.

Nun folgten kräftezehrende Schlachten bei Warschau (Sieg der Russen), Iwangorod (Sieg der Russen) und Lodz (Sieg der Deutschen). Im Jahr 1915 folgen kräftezehrende Kämpfe der Mittelmächte (Deutschland und Österreich-Ungarn) in den Karpaten, für die die deutschen Truppen von 447000 auf 638000 Mann aufgestockt werden mussten. Im Süden der Stadt Krakau gelang den deutschen Truppen ein Durchbruch, so dass die russische Front um 100 Kilometer weiter in den Osten verschoben wurde.

 

Die Eroberung Polens

Die nun folgenden gemeinsamen Kämpfe der deutschen Armee und der österreichisch-ungarischen Armee des Jahres 1915 verliefen erfolgreich. Die russischen Truppen wurden zum Teil bis auf 350 Kilometer weit zurückgedrängt. Im Herbst des Jahres 1915 galt ganz Polen als erobert. Diese „Erfolge“ forderten 500000 Tote allein auf der österreichisch-ungarischen Seite und den Einsatz aller Reservekräfte. 

Der Krieg wandelte sich nun auch im Osten vom Bewegungs- zum Stellungskrieg.

 

 

Gegenoffensive 

1916 unternahmen die Alliierten an der Ostfront eine Großoffensive. Auf 450 Kilometern Breite schlugen russische Truppen die österreichisch-ungarischen Armeen vernichtend. Nur die Unterstützung der Deutschen konnte einen Durchbruch der Russen verhindern. 

Doch der Erfolg im Osten war mit einer Verschlechterung der Situation im Westen erkauft worden: Ganze 12 Divisionen mussten aus dem Westen in den Osten geschickt werden.

 

Politische Unruhen in Russland

Die Situation stellte sich für alle Soldaten, auch für die russischen, als zermürbend dar. Das russische Heer zählte 4,5 Millionen Soldaten Verluste, darunter 2 Millionen Kriegsgefangene. Die Moral der russischen Soldaten war am Boden. Nun erreichten sie aus der Heimat die Meldung von einem politischen Umsturz. Der Zar hat abgedankt, der Arbeiterführer Lenin hat die Macht über Russland übernommen und die Republik ausgerufen. Für die Soldaten war nicht klar, ob der Krieg unter Lenins Führung überhaupt fortgesetzt wird. 


Der Frieden von Bresk-Litowsk 

Der Arbeiterführer Lenin trat wie erwartet als Befürworter eines schnelles Kriegsendes auf. Er forderte die Alliierten auf, mit den Mittelmächten in Verhandlung zu treten. Lenin hatte dafür einen Friedensvertrag ausgearbeitet. Diesen lehnten die Alliierten aber ab, da er für sie keine Eroberungen beinhaltet hätte. Die Mittelmächte waren an Lenins Friedensangebot interessiert, so dass sie Vertreter der Mittelmächte und Russlands zu Verhandlungen trafen. Am 15. Dezember 1917 unterzeichneten beide Seiten in Bresk-Litowsk einen Waffenstillstandsvertrag. Am 3. März 1918 folgte der Friedensvertrag. Lenin war so viel an Frieden für Russland gelegen, dass er bereit war, die härtesten Bedingungen zu erfüllen: 

  • Russland verzichtete auf Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen und die Ukraine.
  • Das bedeutete für Russland, 90% der Kohlengruben, 54% der Industrie, 33% der Eisenbahnen, 32% der Ackerflächen und 34% der Bevölkerung zu verlieren.


Für die Mittelmächte war der Frieden mit Russlands hingegen äußerst vorteilhaft. Er bedeutete die Wandlung des Zweifrontenkrieges in einen Einfrontenkrieg. Die Soldaten im Westen hoffen auf Verstärkung durch Mensch und Material, um den Krieg gegen die Alliierten erfolgreich beenden zu können. Doch daraus wurde nichts, denn eine Million der Soldaten sollten als "Sicherungstruppen" in Russland bleiben.



Andere Kriegs-Orte

  • Die österreichisch-ungarischen Truppen kämpften außerdem in Serbien und brachten Serbien große Verluste ein. Mit Unterstützung durch die Deutschen eroberten sie die serbische Hauptstadt Belgrad und zwangen viele Serben in die Flucht nach Griechenland.

 

  • Rumänien erklärte 1916 Österreich-Ungarn den Krieg, stürmte die Grenzgebiete und drangen bis nach Österreich-Ungarn vor. Erst mit Unterstützung durch deutsche Truppen gelang es den österreichisch-ungarischen Soldaten, die Rumänen zu besiegen und zurückzudrängen.

 

  • Im Mai 1915 trat Italien auf der Seite der Alliierten in den Krieg ein. Die Italiener griffen Österreich-Ungarn in den folgenden zwei Jahren immer wieder am Isonzo, einem Grenzfluss in den Alpen, an. Die Frontlinie am Isonzo war 600 Kilometer lang, davon lagen 450 Kilometer im hochalpinen Bereich oberhalb der Schneegrenze, was den Einsatz von gebirgserprobten Soldaten erforderte. Die Kämpfe dauerten bis 1918. Obwohl insgesamt ca. 770000 Soldaten in den 11 Isonzo-Schlachten ihr Leben lassen mussten, gelang keiner der Kriegsparteien der entscheidende Durchbruch.
  • Im November 1914 trat die Türkei auf der Seite der Mittelmächte in den Krieg ein. Die Deutschen hoffen, dass die Türken den Seeweg zwischen den Russen und ihren Verbündeten im Westen sperren. Die Türken verbanden mit ihrem Kriegseintritt das Ziel, russische Gebiete zu erobern (z.B. die Krim). Zu dem Zeitpunkt standen viele vorderasiatische Gebiete unter türkischer Herrschaft (z.B. Palästina, Mesopotamien). 1915 versuchten alliierte Streitkräfte, auf den Dardanellen zu landen. Doch die Türken können den Landungsversuch in erbitterten Kämpfen abwehren. Ermutigt von einem englischen Oberst erklären die Araber aber dann ihre Unabhängigkeit von den Türken. Mit der Unterstützung durch englische Soldaten vertreiben die Araber danach die Türken aus ihrem Gebiet. Das können auch die zur Hilfe eilenden deutschen Soldaten nicht verhindern. Das ursprüngliche Kriegsziel, russische Gebiete zu erobern, können die Türken nicht erreichen. 



  • Der Kriegseintritt der USA: Amerika wurde im 18. und 19. Jahrhundert für viele Europäer zur neuen Heimat. Aus Rücksicht auf die Immigranten aus den verschiedensten europäischen Ländern hatte die amerikanische Regierung zuerst beschlossen, sich gegenüber den Ereignissen in Europa absolut neutral zu verhalten. Trotzdem wurden die Kriegsereignisse in den USA streng beobachtet und bewertet. Als die Deutschen durchs neutrale Belgien marschierten, kamen aus den USA kritische Worte. Als ein deutsches U-Boot ein britisches Passagierschiff versenkte, verschärften amerikanische Politiker ihren Ton gegenüber den Deutschen. Erstmals drohten sie mit einer Kriegserklärung. Die Deutschen reagierten auf die Kritik und beschränkten ihre U-Boot-Aktionen fortan auf militärische Ziele. Doch die Amerikaner beäugten auch die Engländer mit strengem Blick. Sie verurteilten zum Beispiel die Seeblockade, die die Engländer über die Deutschen verhängt hatten.Trotzdem griffen sie zunehmend auf der Seite der Alliierten in den Krieg ein - mit Krediten, Waffen- und Rohstofflieferungen. Im Jahr 1917 griffen deutsche U-Boote erneut zivile Schiffe und Schiffe neutraler Staaten an. In diesem Moment sahen die USA sich in der Verpflichtung, sich aktiv am Krieg zu beteiligen. Im April 1917 folgte die Kriegserklärung Amerikas an Deutschland. Zwei Millionen Soldaten kamen aus Amerika nach Europa, außerdem riesige Mengen an Waffen, Munition, Geräten und Lebensmitteln. Für den Kriegsverlauf bedeutete der Eintritt der Amerikaner die entscheidende Wende. Der Kräftezuwachs auf Seiten der Alliierten war enorm.


Insgesamt waren am Ende ca. 40 Länder am Ersten Weltkrieg beteiligt. Ungefähr 17 Millionen Menschen starben.

Die Wikipedia-Karte zeigt alle Länder, die am Ersten Weltkrieg beteiligt waren. Die Länder des Mittelmächte-Bündnisses sind gelb markiert, die Länder der Alliierten sind grün markiert.


Aufgabe :

1. Notiere Stichpunkte zu den Ereignissen an der Ostfront, geordnet nach Jahren:

  • 1914:
  • 1915:
  • 1916:
  • 1917:


2. Erstelle aus deinen Notizen zu 1. einen Zeitstrahl über die Kriegsereignisse an der Ostfront zwischen 1914 und 1917. Verkürze dafür deine Notizen.

3. Fasse in kurzen Stichpunkten zusammen, welche Rolle Rumänien, Italien, die Türkei und die USA im Ersten Weltkrieg spielten.