Der Krieg zuhause 

„Wenn die Blätter fallen, ist der Krieg zu Ende!“, so das Versprechen des Kaisers an die anfangs hoch motivierten Soldaten. Doch schnell zeigte sich, dass das nur leere Worte waren. Stattdessen setzte sich eine entsetzliche Maschinerie in Gang. Denn der Krieg tobte nicht nur an den Fronten im Westen und Osten – er tobte gleichermaßen in der Heimat, auch wenn keine feindliche Truppen deutschen Boden betraten und dort augenscheinlich nichts zerstört wurde...

 

Soldatenbedarf

Schon die ersten Kämpfen an der Ost- und Westfront forderten hohe Verluste – besonders in der Gruppe der unerfahrenen Kriegsfreiwilligen. Also mussten sehr viele Rekruten (=neu ausgebildete Soldaten) nachgezogen werden. Das reguläre Einberufungsalter lag anfangs bei 20 Jahren. Vor dem Krieg gab es pro Jahr ungefähr 500 000 Wehrpflichtige. Trotzdem kommen an der Front weniger als diese 500 000 Soldaten an. Manche Männer wurden aus gesundheitlichen Gründen zurückgestellt, andere aus wichtigen beruflichen Gründen. Viele dieser Männer wurden aber innerhalb der ersten Wochen nach Kriegsbeginn nachgemustert und doch noch einberufen. 

Die Ausbildung von Soldaten erfolgte in speziellen Ausbildungszentren. Dort wurden die Rekruten aber kaum auf den Krieg vorbereitet. Die Soldaten lernten, ihren Schrank einzuräumen und schnell im Kreis zu laufen, aber nicht, wie sie einen Artillerieangriff überleben. Nach dieser "Ausbildung" kamen die Rekruten gar nicht mehr nach Hause, sondern direkt in Feldrekrutendepots unmittelbar hinter den Frontabschnitten, um schnell für gefallene Soldaten nachzurücken. Das Einberufungsalter wurde im Verlauf des Krieges immer weiter herabgesetzt.

 

Blockaden

Deutschland exportierte vor dem Krieg viele Waren, war aber gleichermaßen angewiesen auf Importe. Die Alliierten verhängten bei Kriegsbeginn eine Blockade über Deutschland, die es von Ex- und Importen abschnitt. Diese Blockade wirkte sich auf die Versorgung des Volkes mit Gütern verheerend aus. 

 

Hunger und Mangel

In der Landwirtschaft fehlten Pferde (sie waren zum „Einsatz“ an der Front), Saatgut und Dünger. Vorhandene Vorräte mussten genau eingeteilt werden. Dafür wurden Lebensmittelkarten eingeführt. Mit einer Lebensmittelkarte konnte man pro Person eine festgeschriebene Menge an bestimmten Grundnahrungsmitteln bekommen. Diese Mengen wurden aber im Verlauf des Krieges immer kleiner. Bald waren viele Lebensmittel trotz Lebensmittelkarte gar nicht mehr zu bekommen.

Die Situation verschlechterte sich weiter, als es 1916 eine Kartoffel-Missernte gab. Nun wurde die Kohlrübe zum Hauptnahrungsmittel. Im Hungerwinter 1916/17 gab es nur noch Kohlrübensuppe, Kohlrübenmarmelade und Kohlrübenkaffee. Doch die Kohlrübe konnte den Hunger nicht stillen. Viele Menschen wurden unterernährt und prägten Mangelerscheinungen aus. Besonders groß war die Not für Arme, Alte und Kranke.

Doch nicht nur Lebensmittel wurden knapp. Weil zum Kriegsende das Metall ausging, mussten Altmetallsammlungen veranstaltet werden.

 

Frauen in die Fabrik

Auch Arbeitskräfte fehlten in der Heimat. Schon Ende 1914 waren 1/3 aller Industriearbeiter an der Front. Nach und nach wurden immer mehr Männer eingezogen, so dass immer mehr Frauen in klassischen Männerberufen eingesetzt wurden.

Frauen bei der Munition-Herstellung

Kriegsverletzte

Insgesamt kämpften im Deutschen Heer 7,1 Millionen Soldaten. Davon starben 1,9 Millionen. 5,6 Millionen Soldaten trugen Verwundungen davon. Daraus ergibt sich: Wer im Krieg nicht getötet wurde, wurde durchschnittlich einmal verwundet. Jede zweite Verletzung ging auf Artillerieangriffe zurück. 70 000 mal wurden deutsche Soldaten mit Gasvergiftungen in die Lazarette gebracht.


Die Versorgung von Verwundeten

  • Für die Erstversorgung gehörten zu jeder militärischen Einheit als Teil der kämpfenden Truppe Ärzte, Sanitäter und Krankenträger. 
  • In direkter Frontnähe wurden schusssichere Bunker für die weitere Versorgung errichtet.
  • Wer nicht direkt in den Bunkern versorgt werden konnte, wurde zum  „Leichtverwundetensammelplatz“ gebracht. 
  • Wer schwer verwundet war, wurde zur Sanitätskompanie oder zum Feldlazarett gebracht. Das Feldlazarett befand sich weit hinter der Front, meist in unbeschädigten Schulen oder Kirchen.
  • Für die Weiterversorgung der Kriegsverletzten gab es auch in der Heimat Kriegslazarette. Meist wurde diese in Fabriken oder Privatvillen errichtet.

Im Jahr 1918 gab es in ganz Deutschland ca. 500000 Lazarettbetten. Für die Versorgung aller Verletzen wurden mehr Ärzte benötigt, als in Deutschland verfügbar waren. 1916 wurden Studenten, die mindestens 2 Semester Medizin studiert haben, als „Feldunterärzte“ eingesetzt. Eine weitere große Stütze war die „Freiwillige Krankenpflege“, an der sich über 200000 Menschen beteiligten.

Trotz allem starben etwa 300000 Kranke während der Behandlung in den Lazaretten. ¾ aller Operationen, die in den Lazaretten durchgeführt wurden, waren Amputationen. Ca. 20% der Patienten überlebten diese nicht. Wer überlebte, musste sich auf ein Leben mit vielen Einschränkungen einstellen.

In der Schreibschule für Kriegsinvaliden musste das Schreiben neu gelernt werden.

Die Militärzensur 

Zensur bedeutet die Kontrolle von Texten vor der Veröffentlichung. Wenn ein kontrollierter Text verbotene Informationen enthält, wird die Veröffentlichung von der Zensurstelle verboten. Meist erfolgt die Zensur durch staatliche Behörden.
Schon seit Beginn der Ersten Weltkrieges war die Pressefreiheit aufgehoben und es herrschte eine strenge Pressezensur ("Burgfrieden"). 
Da die staatlichen Organe für die Dauer des Kriegs ihre Arbeit weitestgehend eingestellt hatten und alles dem Militär unterstellt wurde, war das Militär auch für die Zensur zuständig. Die Oberste Heeresleitung richtete 62 Zensurstellen ein, die sämtliche Medien kontrollierten.
Doch die Oberste Heeresleitung kontrollierte nicht nur die Texte anderer, sondern wurde selbst zur einzigen "Pressestelle". Sie übernahm die alleinige Herausgabe von Informationen zum Kriegsgeschehen an die Heimat. Um die Zustimmung zum Krieg zuhause weiter hoch zu halten, gab die OHL nur beschönigte Informationen heraus. In den ganzen vier Jahren erfuhren die Menschen zuhause nichts über Tote, Verletzte, Gebietsverluste und schlecht verlaufende Schlachten. Auch die Soldaten durften in ihren Briefen an die Heimat nichts Negatives schreiben.

Aufgabe:



1. Sammle Stichpunkte über die Situation Deutschlands während dem Krieg.

2. Schreibe einen Zeitungsartikel:

Die Vorbereitung: Lies dir alle Informationen auf dieser Seite durch, um dir einen Überblick über den Kriegsalltag zu verschaffen.

Die Vorgeschichte: Folgende Situation: Stell dir vor, du wärst Journalist einer deutschen Tageszeitung in der Zeit des Ersten Weltkrieges. Du triffst dich mit einem Aktivisten der USPD. Dieser hat brisante Informationen über die Situation der Soldaten, speziell über die Versorgungslage der Verwundeten. Auch über die Situation innerhalb Deutschlands hat der Aktivist Erschreckendes zu berichten. Du bist geschockt. Eigentlich dachtest du, das Deutsche Heer stünde kurz vor dem Sieg und alles wäre in Ordnung.
Du möchtest die Informationen unbedingt in einem Zeitungsartikel verarbeiten. Doch du weißt, dass man nichts Schlechtes über den Verlauf des Krieges berichten darf. Die Militärzensur prüft jeden Artikel genau.

Die Aufgabe: Schreibe zu einem Thema ("Soldaten", "Landwirtschaft" oder "Kriegsverletzte") einen Zeitungsartikel. Verwende die geheimen Informationen vom Notizzettel des Aktivisten. Schreibe den Artikel so, dass er von der Militärzensur akzeptiert wird. Das bedeutet: Lüge und beschönige, was das Zeug hält!