Das Ende des Krieges

 

1. Kriegsmüdigkeit

Seit vier Jahren gab es nun schon lange, zermürbende Kämpfe mit großen Verlusten, aber keine greifbaren Ergebnisse. Unter den Soldaten, aber auch zuhause in Deutschland breitete sich allmählich Kriegsmüdigkeit aus. Damit war gemeint, dass immer mehr den Krieg und dessen Fortsetzung hinterfragten und ihn möglichst schnell beenden wollten.


2. Politische Folgen

Besonders in den sozialdemokratischen Kreisen regte sich Widerstand. Aus der SPD, die dem Burgfrieden zugestimmt hatte und damit den Kriegsbeginn unterstützt hatte, spaltete sich nun der Spartakusbund ab. Dieser war linksradikal und revolutionär ausgerichtet. Um ein deutliches Signal gegen den Krieg zu setzen, organisierte der Spartakusbund im Jahr 1917 einen  Streik, bei dem über 100000 Arbeiter in „kriegswichtigen“ Betrieben in ganz Deutschland die Arbeit niederlegten. 

Aber auch außerhalb des Spartakusbundes war die Unzufriedenheit mit der Regierung groß. Im Jahr 1917 kam es mehrmals zur Absetzung und Neueinsetzung des Reichskanzlers. 

3.  Ludendorff ändert seinen Kurs

Doch die eigentliche Macht über Deutschland hatte ohnehin längst die Oberste Heeresleitung übernommen, in den Personalien Hindenburg und Ludendorff. Diese Heerführer gaben nur spärliche und geschönte Informationen zum Kriegsgeschehen an die Regierung in Berlin weiter, so dass in Deutschland faktisch niemand wusste, dass sich ihre Soldaten seit Jahren in auswegloser Lage befanden.

Als nun auch Ludendorff die Lage als ausweglos einschätzte, änderte er völlig überraschend seinen Kurs. Wie aus dem Nichts forderte er die (eigentlich stillgelegte) Regierung in Berlin auf, die Alliierten um einen Waffenstillstand und um Friedensverhandlungen zu bitten. Außerdem verlangte Ludendorff die Wiedereinsetzung des Reichstages. Denn wenn es einen aktiven Reichstag gäbe, müsste nicht Ludendorff die anstehenden Verhandlungen zum Kriegsende führen, sondern die Berliner Politiker. Mit anderen Worten: Ludendorff wälzte die Verantwortung für das bevorstehende Desaster von der Heeresleitung auf die Innenpolitik ab. Für die Regierungsvertreter waren die Forderungen Ludendorffs ein großer Schock. Durch die jahrelangen Falschinformationen der Heeresleitung waren sie überhaupt nicht auf eine Niederlage, geschweige denn auf Waffenstillstandsverhandlungen vorbereitet.

 

4. Das 14-Punkte-Programm

Im Oktober 1917 signalisierten die Mittelmächte dem amerikanischen Präsidenten die Bereitschaft zu Waffenstillstandsverhandlungen. Die Amerikaner ließen sich Zeit und dehnten den Briefverkehr über viele Wochen aus, in denen sich die militärische Lage Deutschlands weiter verschlechterte. Erst im Januar 1918 legte der amerikanische Präsident Woodrow Wilson sein 14-Punkte-Programm vor:

 

1.    Öffentliche Friedensverträge und keine Geheimdiplomatie

2.    Freiheit der Seeschifffahrt

3.    Aufhebung sämtlicher wirtschaftlicher Schranken (Zölle)

4.    Rüstungsbeschränkungen

5.    Unparteiische Lösung aller Kolonialfragen

6.    Abzug sämtlicher Truppen aus Russland

7.    Wiederherstellung Belgiens

8.    Räumung Frankreichs und Wiederherstellung der zerstörten Teile, Rückgabe Elsass-Lothringens

9.    Berichtigung der Grenzen Italiens nach dem Nationalitäten-Prinzip

10. Autonomie der Völker Österreich-Ungarns

11. Wiederherstellung Rumäniens, Serbiens und Montenegros

12. Autonomie der Völker des Osmanischen Reiches

13. Errichtung eines unabhängigen polnischen Staates

14. Errichtung eines Völkerbundes (Ziel: Unverletzlichkeit aller Staaten)

Dieser Plan sollten allen Beteiligten einen ehrenvollen Ausstieg aus dem Krieg ermöglichen. Es sollte keinen klaren Gewinner und keinen klaren Verlierer geben, alle sollten ihr Gesicht wahren und an die Gegner Zugeständnisse machen. Das sah die Oberste Heeresleitung anders. General Ludendorff bezeichnete den 14-Punkte-Plan als nicht ehrenvoll und lehnte Verhandlungen auf der Basis der 14 Punkte rigoros ab. Die Kämpfe gingen weiter. Es kam zu einem regelrechten „Showdown“:

 

5. Das Kriegsjahr 1918

Nachdem der Krieg an der Ostfront beendet war, konnte sich die Oberste Heeresleitung ganz auf den Krieg im Westen konzentrieren. Nun sollte endlich der entscheidende Durchbruch gelingen. Das große Ziel der deutschen Armee war immer noch, in Paris einzumarschieren.

 

1. Angriff: Im Frühjahr 1918 wurden alle noch verfügbaren Kräfte mobilisiert: 76 Divisionen, MG- und Minenwerfer-Abteilungen und alle Arten von Artillerie. Die Offensive sollte auf einer Strecke von 80 Kilometern stattfinden und bekam den klangvollen Namen „Michael“. Der Angriff erfolgte am 21. März 1918. Auf dem 80 Kilometer langen Streifen drangen deutsche Soldaten 65 Kilometer tief ins französische Gebiet ein und eroberten viele Städte. Doch die Gegenseite konnte schnell Reservekräfte mobilisieren und den weiteren Vorstoß der Deutschen stoppen. Am 5. April musste das Unternehmen „Michael“ abgebrochen werden.

2. Angriff: An der französisch-belgischen Grenze folgte schon vier Tage später die nächste deutsche Offensive. Sie hieß nun „Georg“. Auch hier wurden einige Gebiete eingenommen, auch hier gelang der ersehnte Durchbruch nicht.

3. Angriff: Nächster Versuch: Ende Mai besetzen die Deutschen zur Überraschung der  Alliierten den Höhenzug „Chemin-des-Dames“ und stürmten von dort aus das Gebiet hinter dem Höhenzug. Paris war nicht mehr weit entfernt. Es schien, als könnte das ursprüngliche Ziel nun endlich umgesetzt werden. 

Nun stießen die Deutschen auf die befestigte französische Front. Diese war auf der Höhe von Paris deutlich verstärkt. An mehreren Stellen versuchten die Deutschen, die französische Front zu durchbrechen, nirgendwo schafften sie es. 

1. Gegenangriff: Dann folgte plötzlich zur Überraschung der Deutschen eine französische Gegenoffensive. Die Deutschen wurden wieder weit nach Osten zurückgedrängt und hatten große Mühe, überhaupt noch eine Verteidigungslinie zu errichten.

2. Gegenangriff: Der finale Stoß gegen das deutsche Heer gelang den Alliierten am 8. August 1818 bei der Schlacht von Armiens. 32 Divisionen der Alliierten bescherten den Deutschen ihren „schwarzen Tag“, so Ludendorff. Auch mit Hilfe der Amerikaner wurden die Deutschen immer weiter in östliche Richtung zurückgedrängt.

 

6. Matrosenaufstand und Sturz des Kaisers

Die genauen Ereignisse in Deutschland werden später genauer erklärt. Hier nur die Kurzfassung: Die Oberste Heeresleitung möchte den Krieg nach den Niederlagen an der Westfront auf die See verlegen. Für den Oktober wurden Angriffe an der Themsemündung und an der Küste Flanderns geplant.  Doch die Matrosen verweigerten den Befehl zum Auslaufen und traten in Streik. In Kiel kam es zu Kämpfen zwischen Matrosen und Arbeitern auf der einen Seite und den Militärs auf der anderen Seite. In vielen norddeutschen Städten kam es danach zu Matrosen-Demonstrationen. Die Anti-Kriegs-Bewegung fraß sich ausgehend von Norddeutschland in südliche Richtung durch das ganze Deutsche Kaiserreich. Zuerst ging es nur gegen die Fortsetzung des Krieges, schon bald richtete sich die Wut der Menschen gegen das ganze verkommene System. Eine blutige Revolution begann...
Anfang November wurden die Forderungen nach einem Rücktritt des Kaisers immer lauter. Da vom Kaiser keine Handlung ausging, sah sich sein Reichskanzler Max von Baden gezwungen, eigenmächtig die Abdankung des Kaisers zu verkünden. Danach übergab Max von Baden sein Amt an Friedrich Ebert, den Führer der SPD. 
Die SPD war die mit Abstand stärkste Kraft im Reichstag. In den Händen der SPD lag nun das weitere Schicksal des Deutschen Reiches, das nun kein Kaiserreich mehr war. Schnell wurde eine Übergangsregierung gebildet.
Nun gab es im Deutschen Reich zwei Instanzen, die Macht beanspruchten: die Militärführung (Es ist immer noch Krieg!) und die neue Übergangsregierung. 

In der Nacht vom 9. auf den 10. November verständigten sich General Groener als Vertreter der Obersten Heeresleitung und Friedrich Ebert als Vertreter der Übergangsregierung auf eine gegenseitige Anerkennung.

Wer soll nun den Waffenstillstand mit den Alliierten aushandeln? Das wälzt die Militärführung geschickt auf die neue Regierung ab. 

 

7. Der Waffenstillstandsvertrag von Compìegne

Am 11. November 1918 erfolgte in einem Eisenbahnwaggon im französischen Wald von Compìegne die Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrages. Die deutsche Delegation bestand aus Regierungsvertretern, die vom Kriegsgeschehen so gut wie keine Ahnung hatten – auch weil die Heeresleitung in den letzten Monaten kaum verlässliche Informationen nach Berlin durchgegeben hatte.

 

Die Forderungen der Alliierten waren gravierend:

  • Räumung der besetzten Westgebiete innerhalb von 15 Tagen
  • Aufhebung der Friedensschlüsse mit Russland
  • Auslieferung des deutschen Heeres des gesamten schweren Kriegsmaterials und der U-Boote
  • Aufbauleistungen der Verlierer- an die Siegermächte

 

Der deutschen Delegation blieb nichts anderes übrig, als den Waffenstillstandsvertrag zu unterzeichnen. Wenige Stunden später war der Erste Weltkrieg beendet. Der Kaiser befand sich zu diesem Zeitpunkt schon im niederländischen Exil. Die Soldaten erfuhren an der Front vom Ende des Krieges und machten sich auf den Weg nach Hause.


Aufgaben zu "Das Ende des Krieges"

1. Was bedeutet "Kriegsmüdigkeit" und wer zeigte diese im Jahr 1918?
Kriegsmüdigkeit:
- ...
2. Welche politischen Folgen hatte der lange Verlauf des Krieges?
Politische Folgen:
-

 3. Was unternahm der Heerführer Ludendorff, als er erkannte, dass die Lage des deutschen Heeres aussichtslos war?
Ludendorff:
- ...

4. Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson schlug vor, auf der Basis eines "14-Punkte"-Plans über eine Beendigung des Kriegs zu diskutieren.
a) Was waren die Grundsätze des 14-Punkte-Plans?
b) Wie reagierte Heerführer Ludendorff auf den 14-Punkte-Plan?
Der 14-Punkte-Plan:
- ...

5. Wenn das deutsche Heer am Ende des Kriegsjahres 1918 Bilanz gezogen hätte, wie hätte diese Bilanz ausgesehen? Schreibe maximal 4 Sätze.
Das Kriegsjahr 1918:
- ...

6. a) Wie und wo wurde das Ende des Krieges besiegelt?
b) Was waren die Bedingungen für das Zustandekommen des Waffenstillstandsvertrages?
Das Ende des Krieges:
- ...