Der Imperialismus


Das Deutsche Kaiserreich rüstet auf


Mentale Einflussnahme

Der neue Kaiser, Wilhelm II., machte kein Geheimnis daraus, dass er das deutsche Kolonialreich vergrößern wollte und Weltmacht anstrebte.
Damit beeinflusste der Kaiser die Stimmung im Reich. Das öffentliche Leben war zur Jahrhundertwende bestimmt von militärischen Paraden und emotional aufgeheizten Veranstaltungen, die den Nationalstolz und die Kriegsbereitschaft der Deutschen fördern sollten.
Diese Propaganda griff nun allmählich auch auf die Arbeiterschaft über, die eigentlich dem Themen „Nationalstolz“ und „Krieg“ kritisch gegenüberstanden.
Getragen wurde die Propaganda von der Deutschen Kolonialgesellschaft (gegründet 1887) und dem Alldeutschen Verband (gegründet 1891).
Beide Institutionen verteidigten die Besitzansprüche Deutschlands auf Kolonien in Übersee und stärkten das Konkurrenzdenken der Deutschen gegenüber den anderen europäischen Mächten. Als „Hauptfeinde“ kristallisierten sich immer stärker Frankreich und England heraus.

Aufrüstung

Gleichzeitig rüstete das Deutsche Reich zur Jahrhundertwende militärisch stark auf. Man wollte im Konfliktfall gegenüber feindlichen Mächten gewappnet sein. 
Der Kaiser war ein glühender Anhänger der Marine und wollte diese besonders fördern.


Militärische Maßnahmen

Wilhelm II. war der Ansicht, dass ein großes Weltreich nur durch eine große und schlagkräftige Marine erreicht und gehalten werden kann – ganz nach dem britischen Vorbild. 

Im Norden Deutschlands entstand nun eine mächtige Schiffbauindustrie. 1895 wurde der „Kaiser-Wilhelm-Kanal“ (heute „Nord-Ostsee-Kanal“) fertiggestellt, der den Seeweg von der Nordsee in die Ostsee verkürzte. Das war wichtig, um im Kriegsfall schnell alle Seestreitkräfte verlagern zu können.

Der Kaiser-Wilhelm-Kanal, der eine gute Verbindung zwischen Nord- und Ostsee ermöglichte

Zeitgenössische Zeichnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals

Im Jahr 1897 wurde Alfred von Tirpitz als Staatssekretär im Reichsmarineamt eingesetzt und mit dem schnellen Ausbau der Flotte beauftragt. Dabei unterstützten ihn die Flottengesetze von 1898 und 1900. Außerdem wurde eine riesige Propagandawelle in Gang gesetzt, die das Volk für den Ausbau der Flotte begeistern sollte.

Der Ausbau der deutschen Flotte wurde am „Risikogedanken“ orientiert. Dieser besagte, dass die deutsche Flotte so stark werden müsse, dass ein militärischer Angriff für Großbritannien zu riskant würde. Die Briten sollten die Einsicht gewinnen, dass sie besser auf einen Krieg gegen Deutschland verzichten und stattdessen ein Bündnis mit Deutschland abschließen sollten.

Die deutschen Kriegsschiffe wurden ganz neu gebaut und entsprachen dadurch den modernsten technischen Standards. Außerdem wurden ganz neue, hochmoderne Waffen eingesetzt: Seeminen, Torpedos und U-Boote.

Das Großlinienschiff "SMS Rheinland"

Die Hochseeflotte auf einem Übungsmarsch

U-Boot-Hafen in Kiel

Matrose im "Tropenlandungsanzug"

Auf dieser Karte sind alle Auslandsstationen der Kaiserlichen Marine eingezeichnet (von 1901 bis 1914).

Die Wirkung

Der Plan der Abschreckung gegenüber Großbritannien ging nicht auf. Die Briten suchten kein Bündnis mit dem Deutschen Kaiserreich, sondern rüsteten ihrerseits massiv auf. Die Ausgestaltung der deutschen Flotte hat die Kriegsgefahr also eher erhöht als minimiert. Alle führenden Nationen Europas beginnen ein wildes Wettrüsten, welches die Staatskassen massiv belastet. 


Aufgaben

1. Die Stimmung im Deutschen Kaiserreich ändert sich am Ende des 19. Jahrhunderts.
a) Was unternimmt der Kaiser, um die Stimmung zu ändern?
b) Was ist die "veränderte Stimmung"?

2. Nenne 5 militärische Maßnahmen von KaiserWilhelm II.

3. Der deutsche Kaiser verfolgte mit seiner Aufrüstung eine Strategie der Abschreckung.
a) Erkläre diese Strategie.
b) Ging die Strategie auf? Schreibe mehr als ein Wort.