Aufgabe 1
Legt zuerst in Partnerarbeit aus den Materialien eine Mindmap. Sie verrät euch Problem 2. Übertragt die Mindmap dann in eure Hefter.
Problem 2
Die neuen Maschinen in der Landwirtschaft erleichterten die Arbeit der Bauern. Doch eine Maschine konnte viele Bauern ersetzen, so dass immer mehr Menschen auf dem Land arbeitslos wurden. Da lockten die Städte, in denen Fabrikhallen wie Pilze aus dem Boden schossen... Diese versprachen moderne Produktionsbedingungen und ein leichteres Arbeiten. Eine neue Klasse entstand: die "Industriearbeiter". Doch die Arbeit in den Fabrikhallen entpuppte sich schnell als unmenschliches, grausames Leid. Der neue Fortschritt wurde auf dem Rücken der Industriearbeiter gegründet - profitiert haben ausschließlich die Fabrikbesitzer.
Zeit ist Geld
Deshalb gab es schon bald keinen Wochenlohn mehr, sondern Stundenlohn. Ob die Arbeiter auch wirklich ihre Arbeitszeit von 13 Stunden erfüllten, wurde mit Stechuhren kontrolliert. Um die teuren Maschinen voll auszulasten, wurde bald der Schichtdienst eingeführt. Man arbeitete 13 Stunden in der Tagschicht oder 11 Stunden in der Nachtschicht. In Betrieben ohne Nachtschicht stieg die Arbeitszeit schon bald auf 16 bis 18 Stunden. Nur der Sonntag war frei, so dass die Wochenarbeitszeit im schlimmsten Fall bei 90 Stunden lag. Nur so konnten die Familien ihre Lebenshaltungskosten eintreiben.
Doch in vielen Familien reichte das Geld trotzdem nicht, so dass auch die Frauen und Kinder in den Fabrikhallen arbeiten mussten. Diese bekamen aber noch viel weniger Lohn als die Männer.
Oftmals mussten die Arbeiter einen weiten Weg bis zum Arbeitsort zurücklegen, so dass zu wenig Zeit zum Schlafen übrigblieb.
Lies hier Auszüge aus einer Original-Fabrikordnung einer deutschen Fabrik um 1850.
Tödliche Arbeit
Sicherheitsvorschriften und Arbeitsschutz gab es nicht. In den Fabrikhallen passierten unzählige Unfälle. Arbeiter wurden von Maschinen eingequetscht oder eingeklemmt oder von Werkstücken oder Maschinenteilen getroffen.
Die neue Produktionsweise erforderte den massenhaften Abbau von fossilen Brennstoffen und Metallen. Tausende Menschen arbeiteten deshalb unter Tage im Bergbau. Dort waren die Arbeit besonders gefährlich. Viele Bergleute wurden von herabfallen Gesteinsbrocken erschlagen. Auch die Grubengase waren sehr gefährlich. Methan konnte sich unter Tage entzünden und eine Explosion auslösen. Das ständige Einatmen des Staubes hatte tödliche Lungenkrankheiten zur Folge.
Blieb man der Arbeit wegen Krankheit fern, bekam man keinen Lohn. Für die Familie hatte das dramatische Auswirkungen. Also schleppten sich die Männer auch todkrank in die Fabrik und arbeiteten unter Schmerzen mit letzten Kräften. Kam ein Arbeiter bei einem Betriebsunfall ums Leben, standen die Hinterbliebenen ohne jegliche Absicherung da.
Friedrich Engels (1820 bis 1895)
Der Kaufmann, Philosoph und Politiker stand eigentlich auf der Sonnenseite des aufblühenden Kapitalismus. Sein Vater war ein erfolgreicher Baumwollfabrikant. Friedrich absolvierte eine kaufmännische Ausbildung, um in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Doch je tiefere Einblicke er in die Fabrikarbeit bekam, um so größer wurden seine Zweifel und Vorbehalte gegen die neue Produktionsweise. Er wurde nach und nach zu einem der größten Feinde des Kapitalismus...
Friedrich Engels veröffentlichte das Buch "Die Lage der arbeitenden Klasse in England". Darin schrieb er:
"Die Arbeit zwischen den Maschinen veranlasst eine Menge Unglücksfälle, die mehr oder weniger ernster Natur sind und für den Arbeiter noch dazu die Folge haben, dass sie ihn teilweise oder ganz zu seiner Arbeit unfähig machen. Am häufigsten kommt es vor, dass ein Teil des Fingers abgequetscht wird, seltener schon, dass ganze Finger, eine halbe oder ganze Hand, ein Arm usw. von den Rädern ergriffen und zermalmt wird.
Sehr häufig tritt nach diesen, selbst den geringeren Unfällen Maulsperre ein und zieht den Tod nach sich. Man sieht in Manchester außer den vielen Krüppeln auch eine große Anzahl Verstümmelter umhergehen; dem einen fehlt der ganze oder halbe Arm, dem andern der Fuß, dem dritten das halbe Bein; man glaubt unter einer Armee zu leben, die eben aus dem Feldzuge zurückkommt. Die gefährlichsten Stellen der Maschinerie sind aber die Riemen, welche die Triebkraft vom Schaft auf die einzelnen Maschinen leiten, besonders wenn sie Schnallen haben, die man indes selten mehr findet. Wer von diesen Riemen ergriffen wird, den reißt die treibende Kraft pfeilschnell mit sich herum, schlägt ihn oben gegen die Decke und unten gegen den Fußboden mit solcher Gewalt, dass selten ein Knochen am Körper ganz bleibt und augenblicklicher Tod erfolgt."
Aufgabe 2
Untersuche die Fabrikordnung. Lege eine zweispaltige Tabelle an: Regeln, die heute immer noch gelten / Regeln, die heute nicht mehr gelten. Trage in jeder Tabellenspalte 5 Regeln aus der Fabrikordnung ein.
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