Problem 3

Friedrich Engels (1820-1895) 

Der Sohn eines deutschen Fabrikbesitzers war einer der ersten, die die neuen Produktionsbedingungen scharf kritisierte. Er besichtigte viele Fabrikhallen und untersuchte die Arbeitsbedingungen. Über seine Erkenntnisse schrieb er Bücher und Zeitungsartikel.

Lest, was Friedrich Engels im Jahr 1845 über die Kinderarbeit in einem Bergwerk schrieb (h
ier als Dokument):


Kleine Hände

In vielen Familien war die Not so groß, dass auch die Kinder arbeiten gehen mussten. Kinder waren gern gesehene Arbeitskräfte, weil man ihnen die geringsten Löhne zahlen musste. Sie fanden oft leichter Arbeit als Vater oder Mutter. Viele Kinder waren gezwungen, an sechs Tagen pro Woche 10 bis 14 Stunden zu arbeiten. Wenn die Fabrik weit vom Wohnort des Kindes entfernt war, dann war es 16 Stunden am Stück auf den Beinen. Wenn ein Kind nach einem langen Arbeitstag endlich völlig übermüdet die Wohnung erreichte, schlief es oft sofort auf dem Boden vor dem Herd ein. Es kam auch vor, dass ein Kind irgendwo auf dem Heimweg einschlief und von den Eltern erst nachts gefunden wurde. 
Die schwersten Arbeiten erledigten nun die Maschinen. Arbeiter erledigten einfachere Tätigkeiten, bedienten die Maschinen oder führten ihnen Material zu. Von der reinen Arbeitsanstrengung her war es deshalb durchaus möglich, Kinder an den Maschinen zu beschäftigen. Die jüngsten Kinder waren 5, als sie mit der Fabrikarbeit begannen. Üblicher war es jedoch, mit 8 Jahren zu beginnen.
Zuerst wurden Kinder in der Garn-, Stoff- und Kleidungsproduktion beschäftigt. Mit ihren zarten Fingern konnten kleine Mädchen und Jungen die Garnspulen viel besser wechseln als Erwachsene mit ihren groben Händen. Auch das Staubfegen erledigten zumeist Kinder. 
Die größte Grausamkeit, die einem Kind angetan werden konnte, war die Arbeit in einem Bergwerk. In den engen und tiefen Stollen konnten sich Kinder, so die perfide Argumentation, viel besser fortbewegen als ausgewachsene Arbeiter. Kinder mussten das abgetragene Gestein mit Schienenwagen zur Sammelstelle transportieren. Ein Kind zog den Wagen von vorn mit Hilfe eines Seils, dass um seinen Körper gebunden wurde. Ein anderes Kind schob den Wagen von hinten. Kinder wurden auch damit beauftragt, die Türen zu öffnen, wenn Kohlentransporte kamen und sie danach wieder zu schließen. Dafür hockten sie den ganzen Tag im dunklen, engen Schacht. Die Kinder fuhren schon vor Sonnenaufgang ins Bergwerk und kamen nach Sonnenuntergang wieder heraus. In den Wintermonaten sahen sie wochen- und monatelang kein Tageslicht. 

Untertage war es dunkel, feucht und stickig. In den Spinnereien war die Luft durch die Wollfasern sehr staubig. In allen Fabriken waren die Kinder einem ungeheuren Lärm ausgesetzt. Kein Wunder, dass die Kinder nach jahrelanger Arbeit in Bergwerken und Fabriken stark geschwächt waren. Die unmenschlichen Arbeitsbedingungen führten zur Krankheiten und Entwicklungsproblemen. Viele Kinder erreichten das Erwachsenenalter nicht. 
Erst 1839 wurde (zumindest in Preußen) die Kinderarbeit unter 9 Jahren verboten. Die Höchstarbeitszeit wurde auf 10 Stunden begrenzt. Doch die meisten Fabrikbesitzer hielten sich nicht daran. Noch 1898 gab es 2,3 Millionen arbeitende Kinder im Deutschen Reich. Erst 1976 wurde Kinderarbeit für unter 14jährige umfassend und ohne Ausnahmen verboten. 

Aufgaben

a) Finde einen passenden Oberbegriff für Problem 3.
b) Kinderarbeit war für Eltern notwendig, für Fabrikbesitzer praktisch. Erkläre das.
c) In welchen Alter begannen Kinder, zu arbeiten?
d) Wie viele Stunden arbeiteten Kinder pro Tag, wie viele Tage pro Woche?
e) Welche Arbeiten wurden von Kindern ausgeführt?
f) Erkläre die Arbeit von Kindern im Bergwerk.
g) Was waren die Folgen der Kinderarbeit?