Die Zünfte
Handwerker...
... waren in den neu entstandenen Städten gefragte Leute. Denn die Stadtbewohner konnten sich nicht mehr selbst versorgen, wie es auf dem Bauernhof möglich war. Fleisch, Brot oder Kleidung musste gekauft werden. Kein Wunder, dass sich in den Städten immer mehr Handwerker ansiedelten. Als im 12. Jahrhundert immer mehr Handwerker im gleichen Beruf arbeiteten, merkten sie, dass sie bestimmte Probleme gemeinsam lösen mussten. Das gelang, in dem sich die Handwerker in einer Zunft zusammenschlossen.
Was das war? Lass dir die Zunft und die damit verbundenen Regeln, die Vor- und die Nachteile am besten von den mittelalterlichen Handwerkern selbst erklären...
"Wir müssen uns organisieren!"
Ich bin Konrad. Mein Beruf ist Zimmermann. Nach der Ausbildung bin ich erst einmal auf Wanderschaft gegangen, danach habe ich mir meine eigene Werkstatt aufgebaut. Das war ganz schön schwierig. Zuerst musste ich in die Zimmermanns-Zunft eintreten und eine sehr hohe Aufnahmegebühr bezahlen. Das war ganz schön hart, ich hatte ja noch gar kein Einkommen! Aber ohne Mitgliedschaft in einer Zunft hätte ich meinen Beruf nicht ausüben können. Die Zunft hat aber auch viele Vorteile:
- Wir legen in der Zunft fest, wie wir uns spezialisieren. Das bedeutet, dass jeder Zimmermann Spezialist für ein bestimmtes Teilgebiet wird. Einer fertigt Türen an, einer Dachbalken, einer Kleidertruhen, einer Esstische und so weiter. Dann nehmen wir uns nicht gegenseitig die Arbeit weg. Das nennt man Spezialisierung.
- Wenn es zu viele Zimmermänner in einer Stadt gibt, nehmen wir uns dann doch die Arbeit weg. Deswegen haben wir festgelegt, dass es nur zehn Zimmermänner in unserer kleinen Stadt geben darf. Mehr nehmen wir nicht in der Zunft auf. Wir müssen unsere Mitgliederzahl begrenzen!
- Wir brauchen eine Zunft-Kasse, in der Geld vorhanden ist. Dieses Geld gewinnen wir, weil jedes neue Mitglied eine Aufnahmegebühr errichten muss. Wofür wir das Geld brauchen, kann jemand anderes erzählen. Ich sage nur: Eine Zunft muss eine Aufnahmegebühr fordern!
"Wir müssen alle in guter Qualität arbeiten!"
Ich bin Schuster und deshalb natürlich in der Schuster-Zunft meiner Stadt. Ganz wichtig für unsere Arbeit ist, dass wir gemeinsame Qualitätsregeln festlegen. Es geht nicht, dass ein Schuster schlechtes Leder verwendet. Er kann dann die Schuhe viel billiger verkaufen. Und die anderen Schuster, die gutes Leder verwenden, bleiben auf ihrer Ware sitzen!
Aber was noch schlimmer ist: Die Schuhe aus schlechtem Leder werden schnell kaputtgehen. Das schadet dann dem Ruf aller Schuster der Stadt! Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns auf gemeinsame Qualitätsregeln einigen und diese dann auch alle einhalten.
Wir haben eine Zunftordnung geschrieben, in der alle Regeln drinstehen. Alle mussten unterschreiben.
"Wir müssen uns in Notzeiten gegenseitig helfen!"
Ich bin Jakob, mein Handwerk ist die Schmiedekunst. Ein toller Beruf, aber auch gefährlich. Immer wieder kommt es vor, dass Schmiede sich so schlimm verbrennen, dass sie vorübergehend oder für immer nicht mehr arbeiten können. Wovon sollen sie dann leben? Wie sollen sie ihre Familie ernähren? Wir haben in unserer Zunft-Ordnung festgelegt, dass wir uns gegenseitig in Notzeiten helfen - mit dem Geld aus der Zunftkasse. Und wenn ein Schmied aus unserer Zunft stirbt, bekommt die Witwe Geld. Sie muss ja die Kinder irgendwie ernähren!
"Wir müssen uns gemeinsam finanzielle Vorteile verschaffen!"
Ich bin Klara. Mein Mann betreibt ein Bäcker-Handwerk. Unser Geschäft läuft gut, so dass ich manchmal in der Backstube helfen muss. Auch wir Bäcker sind natürlich in einer Zunft organisiert. In der Zunft wurde beschlossen, dass alle Bäcker unserer Stadt das Mehl und andere Zutaten für unsere Teige gemeinsam einkaufen. Gemeinsam nimmt die Bäcker-Zunft der Mühle eine große Menge Mehl ab, so dass sie einen sehr günstigen Preis bekommt! Würde jeder Bäcker sein Mehl selbst einkaufen, müsste er viel mehr bezahlen.
Außerdem haben sich alle Bäcker der Zunft auf eine gemeinsame Preisliste geeinigt. Jeder verlangt für alle Teigwaren genau den gleichen Preis, der in der Zunftordnung festgeschrieben ist. Dadurch geraten wir untereinander nicht in einen Preiskampf. Wenn wir anfangen, uns gegenseitig zu unterbieten, machen wir doch alle Verluste! Davon hat keiner etwas. Und wenn einer viel höhere Preise verlangt als die anderen Bäcker, bleibt er auf seiner Ware sitzen. Deswegen ziehen wir lieber alle an einem Strang.
"Wir sorgen für die Sicherheit in unserer Stadt."
Ich bin Hubert und ich arbeite als Papiermacher. Auch ich bin natürlich Mitglied in einer Zunft. Allerdings sind wir nur sehr wenige Mitglieder, denn es gibt nur eine Handvoll Papiermacher. Papier wird ja auch selten gebraucht! Man müsste ja schreiben können, um Papier zu kaufen.
Trotzdem arbeiten wir natürlich innerhalb unserer Zunft zusammen - und zwar nicht nur im Bereich unseres Handwerkes, sondern auch darüber hinaus! Wenn unsere Stadt angegriffen wird, hat jede Zunft diePflicht, ein bestimmtes Stück der Stadtmauer zu überwachen.
Wir teilen den Wachdienst unter den Zunftmitgliedern gerecht auf und haben die Wachdienste in unserer Zunftordnung niedergeschrieben.
"Wir legen gemeinsame Anforderungen fest."
Ich bin Hubert, ich arbeite im Fleischerhandwerk. Damit alle Fleischer in gleicher Qualität arbeiten und wirklich nur gutes Fleisch auf den Markt kommt, haben wir gemeinsame Anforderungen für alle Fleischer in der Zunft festgelegt. In unserer Zunftordnung steht, was eine Fleischer einem Lehrjungen lernen muss und wie viele Lehrjungen ein Meister ausbilden darf. Wir haben auch festgelegt, wann man Meister werden darf und was man als Meister alles können muss. Nur mit gemeinsamen Anforderungen produzieren am Ende alle Fleischer gleich gutes Fleisch.
Wie ihr nun aus den Erfahrungsberichten der mittelalterlichen Handwerker herausgelesen habt, bot es für alle Handwerker viele Vorteile, sich in Zünften zusammenzuschließen. Denn dadurch konnten sie viele Probleme gemeinsam lösen.
Füllt nun das Arbeitsblatt mit Hilfe der Informationen auf dieser Seite aus.