Klöster im Mittelalter
Die Regula Benedicti
In der Regula Benedicti legte der Klostergründer Benedict von Nursia genau fest, wie man als Mönch im Kloster leben soll. Zum einen wird vorgegeben, welche Verhaltensweisen und Einstellungen ein Mönch zeigen soll und welche Verhaltensweisen unerwünscht sind.
Zum anderen werden in der Regula Benedicti aber auch Themen der Klosterorganisation und -verwaltung aufgegriffen.
1. Die wichtigste Regel: "Ora et labora!"
Die wichtigste Klosterregel war "Ora et labora!", das bedeutet "Bete und arbeite!" Benedikt legte fest, dass das die beiden wichtigsten Tätigkeiten im Kloster sein sollten. Das Beten strukturierte den Tagesablauf der Klosterbrüder. Sie beteten für sich, aber auch für ihre Familienmitglieder und die Gemeinschaft, in der sie lebten.
Das Arbeiten war zum einen wichtig, weil ein Kloster sich selbst versorgte und möglichst wenig Kontakt zur Außenwelt haben sollte. Denn nur wenn man zur Außenwelt Abstand hält, würde die Hinwendung zu Jesus Christus gelingen. Körperliche Arbeit, zum Beispiel im Klostergarten, diente aber auch der körperlichen Ertüchtigung und der Bewegung, so dass durch das Arbeiten ein Ausgleich zum Beten, Schreiben und Lesen entstand.
2. Verhaltensregeln für Mönche
In der Regula Benedicti entwarf Benedikt von Nursia seine Vorstellung von den richtigen Verhaltensweisen und Einstellungen seiner Mönche:
"Vor allem: Gott, den Herrn, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
Ebenso: Den Nächsten lieben wie sich selbst.
Dann: nicht töten.
Nicht die Ehe brechen. Nicht stehlen.
Nicht begehren. Nicht falsch aussagen.
Alle Menschen ehren.
Und keinem anderen antun, was man selbst nicht erleiden möchte. (...)
Sich Genüssen nicht hingeben.
Das Fasten lieben. (...)
Bedrängten zu Hilfe kommen.
Trauernde trösten.
Sich dem Treiben der Welt entziehen.
Der Liebe zu Christus nichts vorziehen.
Den Zorn nicht zur Tat werden lassen.
Der Rachsucht nicht einen Augenblick nachgeben.
Keine Arglist im Herzen tragen.
Nicht unaufrichtig Frieden schließen.
Von der Liebe nicht lassen.
Nicht schwören, um nicht falsch zu schwören. (...)
Nicht Böses mit Bösem vergelten.
Nicht Unrecht tun, vielmehr Erlittenes geduldig ertragen.
Die Feinde lieben. (...)
Nicht stolz sein, nicht trunksüchtig, nicht gefräßig, nicht schlafsüchtig, nicht faul sein. (...)
Sieht man Gutes bei sich, es Gott zuschreiben, nicht sich selbst.
Das Böse aber immer als eigenes Werk erkennen, sich selbst zuschreiben.
Den Tag des Gerichtes fürchten.
Vor der Hölle erschrecken.
Das ewige Leben mit allem geistlichen Verlangen ersehnen.
Den unberechenbaren Tod täglich vor Augen haben.
Das eigene Tun und Lassen jederzeit überwachen.
Fest überzeugt sein, dass Gott überall auf uns schaut.
Böse Gedanken, die sich in unser Herz einschleichen, sofort (...) dem geistlichen Vater (Abt) eröffnen. (...)
Das viele Reden nicht lieben. (...)
Häufiges oder ungezügeltes Gelächter nicht lieben.
Heilige Lesungen gern hören.
Sich oft zum Beten niederwerfen.
Seine früheren Sünden unter Tränen und Seufzen täglich im Gebet Gott bekennen und sich von allem Bösen künftig bessern. (...)
Den Anweisungen des Abtes in allem gehorchen, auch wenn sein Handeln nicht zu verstehen ist. (...)
Die Keuschheit lieben.
Niemand hassen.
Nicht eifersüchtig sein.
Nicht aus Neid handeln.
Streit nicht lieben.
Überheblichkeit fliehen.
Die Älteren ehren, die Jüngeren lieben. (...)"
3. Regelungen zur Klosterorganisation und Verwaltung
a) Eigenbesitz des Mönches
"Vor allem dieses Laster muss mit der Wurzel aus dem Kloster ausgerottet werden. Keiner maße sich an, ohne Erlaubnis des Abtes etwas zu geben oder anzunehmen. Keiner habe etwas als Eigentum, überhaupt nichts, kein Buch, keine Schreibtafel, keinen Griffel, gar nichts. (...) "Alles sei allen gemeinsam", wie es in der Schrift heißt, damit keiner etwas als sein Eigentum bezeichnen oder beanspruchen kann."
b) Verhalten gegenüber Kranken
"Die Sorge für die Kranken muss vor und über allem stehen: man soll ihnen so dienen, als wären sie wirklich Christus. (...) Die kranken Brüder sollen einen eigenen Raum haben und einen eigenen Pfleger, der Gott fürchtet und ihnen sorgfältig und eifrig dient. Man biete den Kranken, sooft es ihnen guttut, ein Bad an; den Gesunden jedoch und vor allem den Jüngeren erlaube man es nicht so schnell. Die ganz schwachen Kranken dürfen außerdem zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit Fleisch essen."
c) Das Maß der Speise
"Zwei gekochte Speisen sollen also für alle Brüder genug sein. Gibt es Obst oder frisches Gemüse, reiche man es zusätzlich. Ein reichlich bemessenes Pfund Brot genüge für den Tag, ob man nur eine Mahlzeit hält oder Mittag und Abendessen einnimmt. War die Arbeit einmal härter, liegt es im Ermessen und in der Zuständigkeit des Abtes, etwas mehr zu geben, wenn es guttut. Doch muss vor allem Unmäßigkeit vermieden werden; und nie darf sich bei den Mönchen Übersättigung einschleichen. Auf das Fleisch vierfüßiger Tiere sollen alle verzichten, außer die ganz schwachen Kranken."
d) Die Ordnung für Handarbeit und Lesung
"Müßiggang ist der Seele Feind. Deshalb sollen die Brüder zu bestimmten Zeiten mit Handarbeit, zu bestimmten Stunden mit heiliger Lesung beschäftigt sein."
e) Die Aufnahme von Gästen
"Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: "Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen." Allen erweise man die angemessene Ehre, besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern."
f) Die Annahme von Briefen und Geschenken
"Der Mönch darf keinesfalls ohne Weisung des Abtes von seinen Eltern oder irgendjemandem, auch nicht von einem anderen Mönch Briefe, Eulogien oder sonst kleine Geschenke annehmen oder geben. Selbst wenn seine Eltern ihm etwas geschickt haben, darf er sich nicht anmaßen, es anzunehmen, ehe der Abt benachrichtigt wurde."
(nach: https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/landeskunde-landesgeschichte/module/bp_2016/europa_im_mittelalter/kloster-froemmigkeit/klosterleben-reichenau/AB3b_benediktinerregel%20e-niveau.pdf)
Verbreitung der Regula Benedicti
Die Regula Benedicti wurde keineswegs nur in Benedikts Kloster umgesetzt. In allen später entstehenden Klöstern orientierten sich die Mönche an der Regel des heiligen Benedikts.
Sogar Christen außerhalb der Klöster verpflichteten sich diesen Lebensregeln. Und in vielen europäischen Klöstern bestimmt die Regel auch heute noch das Zusammenleben der Nonnen und Mönche. Man kann sagen, dass Benedikt von Nursia mit seiner Kloster-Regel unsterblich geworden ist.
Aufgabe 3:
Stelle in einer Tabelle gegenüber:
vier Regeln, die du gut findest / vier Regeln, die du für zu streng hältst