Kloster im Mittelalter
Was bedeutet eigentlich "Kloster"?
Das Wort "Kloster" geht auf das lateinische Wort "claustrum" zurück, das soviel bedeutet wie "abgeschlossener Ort". Dorthin nämlich ziehen sich die Gläubigen zurück, um durch nichts abgelenkt zu werden. Sie verzichten auf Familie und Kinder, auf Komfort und Unterhaltung. Frauen, die in Klostern leben, nennt man Nonnen, Männer heißen Mönche. Die Klöster für Frauen und Männer sind immer getrennt.
Wie entstanden die ersten Klöster?
Ein neuer Glaube
Jesus Christus und sein Schaffen hatte die Welt entscheidend verändert. Ausgehend vom Gebiet des östlichen Mittelmeeres breitete sich der Glaube an ihn, die Verehrung seines Wesens und die Bereitschaft, nach seinen Regeln zu leben, wie ein Lauffeuer aus. Ein neuer Glaube war entstanden.
Doch die Christen wurden nicht von Anfang an akzeptiert, sondern litten zunächst unter grausamer Verfolgung.
Einsiedeleien und Eremitenhöhlen
Das 3. Jahrhundert nach Christus war die Zeit der schlimmsten Christenverfolgungen. Sie betrafen den ganzen Mittelmeerraum, da dieser von den Römern kontrolliert wurde. Einige Christen aus diesem Gebiet suchten nach Wegen, ihren Glauben zu praktizieren und einer Verfolgung durch die römischen Aufseher zu entgehen.
Manche entschieden sich für ein Leben als Wandermönch. Sie zogen umher und versuchten unterwegs, andere Menschen von ihrem Glauben zu überzeugen. Andere schlossen sich zu kleinen Gemeinschaften zusammen und gründeten fernab der Zivilisation eine "Einsiedelei". Wieder andere wollten ganz allein leben und glaubten, nur in völliger Einsamkeit Jesus ganz nah sein zu können. Diese Menschen nennt man "Eremiten". Sie lebten in einfachen Höhlen oder Hütten in den Bergen oder in Wäldern. Hier ein Beispiel für eine Eremiten-Höhle:
Das allererste Kloster
Aus einer Einsiedelei, also einen Zusammenschluss mehrerer Christen in der Einsamkeit und Abgeschiedenheit, entstand bald das erste Kloster. Es befindet sich im heutigen Ägypten und wurde zwischen 361 und 363 nach Christus erbaut. Vielleicht wollten damals so viele Menschen in der kleinen Einsiedelei leben, dass man sie zur Klosteranlage ausbauen musste. Leider ist von der damaligen Anlage kaum noch etwas erhalten.
Heute finden wir an diesem Ort eine dorfartige Klosteranlage, bestehend aus fünf Kirchen und mehreren Gemeinschaftsräumen. Außerdem gibt es Gemüse-, Obst- und Weingärten, Oliven- und Palmenhaine, eine Mühle und eine Bäckerei. Die meisten Gebäudeteile stammen aus dem 6. und 10. Jahrhundert. Viele hundert Christen pilgern jedes Jahr zum Kloster des Heiligen Antonius.
So sieht die Klosteranlage heute aus.
Vom ursprünglichen Bau ist kaum noch etwas erhalten.
Der erste Kloster in Europa
Das erste europäische Kloster entstand im Jahr 530 nach Christus im heutigen Italien. Der Gründer war Benedikt von Nursia. Auf der nächsten Seite wirst du mehr über ihn erfahren. So sieht das Kloster Montecassino heute aus:
Benedikt von Nursia gründete im Kloster Montecassino den "Benediktiner-Orden".
Was ist ein Orden?
Ein Orden bezeichnet alle Mitglieder eines Klosters, die sich auf ein gemeinsames Leben verpflichten.
In einem Orden...
- lebten alle nach gemeinsamen festen Regeln,
- trugen alle die gleiche Kleidung und
- vollzogen alle gemeinsame Bräuche und Rituale.
Wie schon gesagt, war der erste Orden der Benediktiner-Orden. Andere berühmte Orden sind der Augustiner-Orden, der Franziskaner-Orden oder der Zisterzienser-Orden.
Als nun im Hochmittelalter immer mehr Klöster gegründet wurden, wurde nicht für jedes Kloster ein neues Regelwerk geschaffen. Es war einfacher, sich zu den Regeln eines schon bestehenden Ordens zu bekennen. Deshalb entstanden allein auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands sage und schreibe 544 Benediktiner-Klöster! Davon sind heute noch 61 Klöster in Betrieb.
Eigenklöster
Meistens wurde der Bau einer Klosteranlage von der Kirche in Auftrag gegeben. Allerdings konnten auch reiche Adlige ein Kloster errichten. Solche Klöster nannte man dann „Eigenklöster“, weil sie Eigentum eines Adligen waren. Dieser musste die Kosten für sein Kloster tragen, wurde im Gegenzug in das Gebet der Mönche einbezogen. Ein adliger Klosterbesitzer hatte das Recht, die Äbte für sein Eigenklöster zu bestimmen und auf das Klosterleben Einfluss zu nehmen. Später wurden die Eigenklöster verboten, weil man genau diese Einflussnahme unterbinden wollte.
Gründe für den Klostereintritt
Aber warum gingen Menschen überhaupt ins Kloster, wenn man doch auch außerhalb eines Klosters nach den christlichen Geboten leben konnte? Manche Menschen fühlten einen so starken Glauben, dass sie ihr ganzes Leben diesem Glauben unterordnen wollten. Sie wollten Jesus nahe sein und nach seinem Vorbild leben: anspruchslos, asketisch und bescheiden.
Doch nicht alle gingen freiwillig ins Kloster. Mit der Zeit wurde es üblich, aus jeder Familie einen Sohn ins Kloster zu schicken. Dieser sollte dann dort für das Seelenheil der Familie beten.
Die drei Grundsätze: Armut, Keuschheit und Gehorsam
Ein Klostereintritt bedeutet:
- Armut: Eigentum und Besitz muss dem Kloster übergeben werden.
- Keuschheit: Ein Klostermitglied entsagt jeglichen sexuellen Beziehungen und bekennt sich zu Enthaltsamkeit.
- Gehorsam: Den Anweisungen des Abtes und anderer höher stehenden Personen ist Folge zu leisten.
Aufgabe 1:
a) Lies den Text und erkläre die folgenden Begriffe schriftlich im Hefter (in Sätzen):
Einsiedelei
Eremit
Orden
Eigenkloster
b) Warum gingen Menschen im Mittelalter ins Kloster? Nenne zwei Gründe.
c) Nenne und erkläre die drei wichtigsten Grundsätze des Klostereintritts.