Das Alltagsleben der Römer
6. Freizeitspaß mit Gladiatoren
Die römischen Politiker glaubten, dass sie dem Volk etwas bieten mussten, damit es nicht zu Aufständen kam. Die allerliebste Freizeitbeschäftigung der Römer waren Kampfspiele: Sie schauten liebend gern dabei zu, wie Tiere und Menschen gegeneinander um ihr Leben kämpften...
Zuerst fanden die Kämpfe auf öffentlichen Plätzen statt. Doch der Andrang war so groß, dass bald riesige Amphitheater gebaut wurden, in denen die Kämpfe aufgeführt wurden.
Das Interview
Wie wurde man Gladiator und wie kämpfte ein Gladiator?
Die römische Stadionreporterin Livia
interviewt für uns den Gladiator Flavius...
Livia: Salve Flavius, ich bin schon sehr gespannt, mehr über dein Leben zu erfahren...
Flavius: Salve, Livia. Was möchtest du wissen?
Livia: Zuerst möchte ich wissen, was ein Gladiator genau macht.
Flavius: Nun, das lateinische Wort "gladius" bedeutet "Schwert". Wir Gladiatoren kämpfen also mit dem Schwert. Zum Schutz tragen wir meistens noch einen Helm und ein Schild.
Livia: Wer darf überhaupt Gladiator werden?
Flavius: Zuerst kämpften nur Sklaven, Kriegsgefangene und Verbrecher. Aber dann begeisterten sich auch Bürger für den Gladiatoren-Beruf, so dass auch Bürger in den Gladiatorenstand aufgenommen wurden. Der Andrang war so groß, dass der Senat die Aufnahmezahl beschränken musste...
Livia: Aha. Jedenfalls kann man als Bürger Gladiator werden.
Flavius: Nein, mit dem Eintritt in den Gladiatorenstand verliert man seine Bürgerrechte. So war es auch bei mir...
Livia: Du hast deine Bürgerrechte aufgegeben, um an lebensgefährlichen Kämpfen teilzunehmen? Warum?
Flavius: Weil es der spannendste Beruf ist, den es gibt. Der Nervenkitzel vor dem Kampf... Die Anspannung in den ersten Minuten... Der Jubel des Publikums, wenn du deinen Gegner besiegt hast.... Das ist unbeschreiblich. Auch nach den Kämpfen wird man in der ganzen Stadt für seinen Todesmut bewundert. Und bei den Frauen habe ich auch leichtes Spiel. Der Beruf hat noch mehr praktische Seiten: Ich habe nur drei oder vier Kämpfe im Jahr, der Rest ist Freizeit. Ich werde aber das ganze Jahr über gut versorgt.
Livia: Du hast ja schon an vielen Kämpfen teilgenommen und immer gewonnen - wo hast du das Kämpfen gelernt?
Flavius: Dafür gibt es Gladiatorenschulen. Dort lernen wir alle Kampftechniken, die wir brauchen.
Livia: Flavius, wenn ich mich hier so umgucke, so kurz vor dem Beginn der Kämpfe, dann fällt mir auf, dass jeder Gladiator anders aussieht.
Flavius: Das ist richtig. Es gibt über zwanzig verschiedenen Gladiatoren-Typen. Jeder hat andere Waffen und andere Schutzgegenstände. Ich kämpfe als Samnit. In den Kämpfen treten dann meistens zwei verschiedene Gladiatoren-Typen gegeneinander an.
Livia: Das ist doch ungerecht!
Flavius: Aber spannend...
Livia: Kämpfen eigentlich immer zwei Gladiatoren gegeneinander oder gibt es noch andere Kampfarten?
Flavius: Es gibt noch zwei andere Konstellationen: Tier gegen Tier und Gladiator gegen Tier. Dabei kämpfen Verbrecher oder Sklaven gegen wilde Tiere - ohne Waffen übrigens!
Livia: Ohne Waffen? Dann hat man doch gegen einen Löwen, einen Bären oder ein Krokodil keine Chance. Das ist doch grausam!
Flavius: Aber spannend!
Livia: Das hört sich aber alles sehr brutal an. Mich wundert es, dass sich die Römer solche Kämpfe gern anschauen.
Flavius: Die Gladiatorenkämpfe sind für die Römer in erster Linie ein beliebter Zeitvertreib. Sie bieten Nervenkitzel! Du glaubst gar nicht, was vor den Spielen für ein Aufwand betrieben wird. Tagelang wird dafür geworben. Der Eintritt ist kostenlos und man trifft im Stadion viele Bekannte und Freunde. Alle gehen hin! Keiner will das Spektakel verpassen. Besonders reizvoll ist, dass die Zuschauer mitentscheiden dürfen, was mit einem unterlegenen Kämpfer passiert: Darf er überleben oder soll er hingerichtet werden?
Livia: Oh Gott, ich glaube, das reicht mir erst einmal an Informationen. Flavius, ich wünsche dir für deine Zukunft viel Glück und Erfolg. Pass gut auf dich auf. Hab Dank für deine. Auskunft.
Flavius: Danke, aber bisher ist alles gut gegangen. Ich hoffe, dass mir die Götter auch weiterhin wohlgesonnen sind.
Der Ablauf
Wie genau liefen die Spiele ab? Der Ädil Titus muss die nächsten Gladiatorenspiele in Rom organisieren. Dafür hat sich Notizen gemacht. Auf einem Zettel hat er den geplanten Ablauf notiert, auf dem anderen Zettel steht, was er noch alles erledigen muss... Klicke auf die Notizzettel, um sie zu vergrößern.
Aufgaben:
1. Verdrehte Welt: In dieser Aufgabe sind die Antworten vorgegeben - ihr müsst die richtige Frage finden. Schreibe die Frage UND die Antwort in deinen Hefter.
a) Frage: ...
Antwort: Zuerst auf öffentlichen Plätzen, dann in extra gebauten Amphitheatern.
b) Frage: ...
Antwort: Darin steckt "gladius", das bedeutet "Schwert". Es bezeichnet also jemanden, der mit dem Schwert kämpft.
c) Frage: ...
Antwort: Anfangs nur Verbrecher und Sklaven. Mittlerweile auch Bürger, sie verlieren aber dadurch ihre Bürgerrechte.
d) Frage: ...
Antwort: An speziellen Gladiatorenschulen.
e) Frage: ...
Antwort: Ja. Sie unterscheiden sich durch verschiedene Waffen und Schutzausrüstungen.
f) Frage: ...
Antwort: Gegen Krokodile, Löwen oder Bären.
2. Notiere wichtige Informationen zu den einzelnen Gladiatoren-Typen im Römerheft.
3. Lies die Notizen des Ädils Titus und entnimm die gefragten Informationen:
a) Was geschieht am Vorabend der Gladiatorenspiele?
b) Was wird ins Publikum geworfen?
c) Übersetze die lateinischen Wörter pompa, venationes und munus.
d) Warum muss Titus noch parfümiertes Wasser für die Spiele besorgen (zwei Gründe)?