Hannibal und die Elefanten

Als das Römische Reich fast unterging

Jahrhunderte lang eroberten die Römer immer mehr Gebiete rund ums Mittelmeer. Kaum ein Volk traute sich, sich den römischen Legionen in den Weg zu stellen. Die meisten gaben einfach kampflos auf. Doch dann kam Hannibal. Er wagte einen erbitterten Kampf gegen die Römer und trieb das große Reich fast in den Untergang. Lies Hannibals Geschiche...

1. Karthago

Die Römer dachten noch, dass die Erde eine Scheibe sei. Sie glaubten, dass das Mittelmeer in der Mitte der Welt läge (deswegen "Mittelmeer"). Um das Mittelmeer herum würde sich in alle Richtungen Landmasse ausdehnen. 
Die Landmasse bestand aus drei größeren Gebieten: Europa, Asien und Libyen (=Afrika). Alle anderen Gebiete kannte man damals noch nicht. Um die Landmasse herum würde sich, so dachten die Menschen damals, ein Ozean legen, der die Landmasse wie ein Ring umschließt. Man konnte auf dem Ozean segeln, musste aber aufpassen, dass man nicht zu nah an den Rand kam - denn dann würde man in einen tiefen Abgrund fallen, aus dem man nie wieder hochkam.

Karthago liegt an der afrikanischen Mittelmeerküste, im heutigen Tunesien. Auf der Karte oben kannst du sehen, dass Karthago (pink) nicht weit vom Römischen Reich (grün) entfernt war.

In der Antike war Karthago eine reiche und lebhafte Stadt, die Menschen aus allen Richtungen anzog. Hier lebten Spanier, Kelten, Italiener, Griechen und Afrikaner, die sich in vielen Sprachen unterhielten. Berühmt war der außergewöhnliche Hafen von Karthago.

Die Stadt war durch Handel sehr reich geworden. Denn die Karthager waren begnadete Seefahrer. Sie handelten im ganzen Mittelmeerraum, besonders mit Sizilien, Korsika und Spanien. Doch wegen des Seehandels blickten die Römer mit Neid nach Karthago. Sie betrachteten die Karthager als Konkurrenten und Feinde. Sieh dir auf der folgenden Karte an, welche drei Machtbereiche es damals gab:

In der Zeit zwischen 264 und 241 v. Chr. führten die beiden verfeindeten Mächte Rom und Karthago einen erbitterten Krieg gegeneinander, den Ersten Punischen Krieg. Karthago verlor diesen Krieg und musste den Römern Sizilien überlassen.

Begriffserklärung:
Punischer Krieg
bedeutet Krieg gegen die Punier. Punier waren die Menschen, die in Karthago gelebt haben.

2. Hannibal 

Im Jahr 247 vor Christus, also in der Zeit des Ersten Punischen Krieges, wurde Hannibal in Karthago geboren, als Sohn eines großen Feldherren. Hannibal lebte in Karthago, bis er neun Jahre alt war. Dann wurde sein Vater nach Spanien geschickt, um dieses Land zu erobern. Hannibal musste mit. Er wuchs von nun an unter Soldaten auf und lernte schon als Kind, mit Waffen umzugehen, zu reiten und ein Heer anzuführen.

Der Streit um Saguntum

Nachdem sein Vater im Gefecht umgekommen war, wurde Hannibal mit 25 Jahren zum Oberbefehlshaber ernannt. Wie vorher sein Vater, musste nun der junge Hannibal die karthagische Armee in Spanien anführen. Schnell stellte sich heraus, dass Hannibal genau so erfolgreich wie sein Vater war.
Im Jahr 218 vor Christus eroberte er die spanische Stadt Saguntum. Diese Stadt war aber mit Rom verbündet. Durch die Eroberung Saguntums fühlten sich die Römer provoziert und erklärten Hannibal den Krieg, den wir als den Zweiten Punischen Krieg bezeichnen.

3. Der Zweite Punische Krieg

Nach der Kriegserklärung der Römer hätte Hannibal eigentlich in Spanien auf ihren Angriff warten müssen. Sie würden kommen, um Saguntum zurückzuerobern und um die karthagische Armee zu vernichten. Doch Hannibal dachte nicht daran, auf die Römer zu warten. Er entschied sich, mit seinem Heer selbst nach Rom zu gehen und die Römer auf ihrem eigenen Boden anzugreifen.
Zu diesem Heer gehörten 38 000 Fußsoldaten und 8000 Reiter mit ihren Pferden. Um die Römer noch mehr zu verblüffen, nahm Hannibal außerdem 37 Kriegselefanten mit. Diese imposante „Reisegruppe“ hatte nun einen Marsch von 2500 Kilometern zurückzulegen. 

Die Alpenüberquerung

Die Strecke führt von Spanien über das heutige Frankreich bis nach Italien. In Frankreich musste der reißende Fluss Rhône überquert werden. Dafür wurden riesige Floße für die Elefanten gebaut.

Doch viel schlimmer war, dass auch die Alpen im Weg lagen und überquert werden mussten. Mit diesen Worten ermutigt Hannibal seine Soldaten:

„Die Alpen sind ein hohes Gebirge, aber nirgends reichen die Berge bis zum Himmel. Sie sind für den Menschen überschreitbar!“

Fünf Monate brauchten die Karthager, um von Spanien bis ins heutige Frankreich zu kommen, wo sie die Alpen überqueren müssen. Diese Überquerung dauert 15 Tage und verlangte den Karthagern alles ab. Sie litten an der Höhenluft, an der Kälte, am Wind und am Schnee. Ihre Finger und Zehen erfroren. Sie stürzten auf dem eisigen Grund, brachen sich Arme und Beine. Viele rutschten haltlos in die Tiefe. 

Hannibal marschierte weiter und trotz aller Gefahren hielten ihm seine Soldaten die Treue. Sie sahen, dass ihr Feldherr genauso litt wie sie. Er schlief genau wie sie auf der blanken Erde, nur mit einem Soldatenmantel bekleidet.

Nach ungefähr 6 Monaten erreichte Hannibal mit seinen Leuten Oberitalien. Die Römer fühlten sich von dem seltsamen Heer überrumpelt. Besonders die Elefanten jagten ihnen große Angst ein. Denn solche Tiere hatten sie noch nie zuvor gesehen!

Hannibal in Italien

Hannibals Feldzug verlief äußerst erfolgreich. Er zog drei Jahre lang durch Italien und gewann eine Schlacht nach der anderen. Die Karthager zerstörten die römischen Siedlungen und Felder und machten in den eroberten Dörfern reiche Beute.

Schließlich kam Hannibal mit seinen Leuten in Süditalien an. In Cannae kam es zur Schlacht. Die römische Armee war fast doppelt so groß wie die der Karthager. Trotzdem gelang es Hannibal auch hier, die Römer zu besiegen. 70 000 Römer fielen in der Schlacht. Es war die größte Niederlage, die das römische Reich jemals erlangt hat. Hannibal trieb das römische Reich fast in den Untergang.

 


Das Ende des Siegeszuges

Doch dann machte der Feldherr einen Fehler, den man sich bis heute schwer erklären kann: Hannibal weigerte sich, in Rom einzumarschieren. Ob er sich den Kampf gegen die mächtige Stadt nicht zutraute? Hannibals Offiziere reagierten wütend auf die Weigerung, Rom anzugreifen. Einer wirft Hannibal vor:

 
„Zu siegen verstehst du. Den Sieg zu nutzen, verstehst du nicht!“

Die Römer nutzten Hannibals Moment der Schwäche gnadenlos aus. Sie überlegten sich schnell eine raffinierte Taktik, um doch noch gegen die Karthager zu gewinnen. Sie gingen Hannibal von nun geschickt aus dem Weg und vermieden ein Zusammentreffen. 
Stattdessen drehten die Römer den Spieß um: Im Jahr 202 vor Christus griffen sie Karthago an und verwüsteten Hannibals Heimatstadt. Die Schäden, die sie dort anrichteten, waren so groß, dass jeder Feldherr gebraucht wurde - Hannibal wurde aus Rom abgezogen, um Karthago zu verteidigen. Dadurch hatten es die Römer endlich geschafft, Hannibal aus dem Römischen Reich zu vertreiben!
Nun war es vorbei mit Hannibals Glückssträhne. Er verlor wichtige Schlachten in Karthago und musste zusehen, wie die Römer seine Heimatstadt dem Erdboden gleichmachten.   
            

So kam es, dass der Zweite Punische Krieg doch noch von den Römern gewonnen wurde – obwohl es erst ganz anders aussah und obwohl Hannibal das römische Reich fast zerstört hätte. Nach diesem Sieg beherrschten die Römer endgültig den ganzen Mittelmeerraum und konnten sich immer weiter ausbreiten. Karthago versank in der Bedeutungslosigkeit.

 
Und was wurde aus Hannibal?

Hannibal verließ Karthago nach seiner letzten Niederlage und stellte sich in den Dienst fremder Herrscher. Im Jahr 183 c. Chr. (mit 64 Jahren) sollte er an die Römer ausgeliefert werden. Er vergiftete sich, um der grausamen Strafe der Römer zu entkommen. 

 

 

Woher wissen wir das alles?

 Zwei Geschichtsschreiber der Antike berichteten in ihren Büchern von Hannibal und seinem Feldzug: der griechische Gelehrte Polybios (ca. 200 v. Chr. – 120 v. Chr.) und der römische Geschichtsschreiber Titus Livius (59 v. Chr. – 17 n. Chr.).

Aufgabe zum Text:


Lies die Geschichte von Hannibal und fülle die Seiten 12 und 13 im Römer-Heft aus.