Das alte Rom

Jesus - Geschichte und Glaube

Ihr habt gelernt, dass die Römer an sehr, sehr viele Götter glaubten. Sie verehrten Hausgötter und Staatsgötter. Sie glaubten, dass sich das römische Reich nur gut entwickelt, wenn alle Bewohner des römischen Reiches die  Staatsgötter verehren.
Doch am östlichen Rand des römischen Imperiums steigt gerade eine Person zur neuen Lichtgestalt auf. Diese Person wird den Glauben der Römer bald grundlegend auf den Kopf stellen - nämlich ein gewisser Jesus von Nazareth...

Wer war Jesus? Gab es ihn wirklich oder ist er eine Erfindung der Kirche? Ist er ein Gott? Oder was ist er sonst?
Diese Fragen sind sehr schwer zu beantworten. Denn wir haben dafür fast nur christliche Quellen. Die Frage ist, ob christliche Quellen wirklich für eine geschichtliche Betrachtung verwendet werden können.
Denn für uns im Geschichtsunterricht ist es sehr schwer, zu unterscheiden, was wirklich passiert ist und was in den Bereich des Glaubens gehört. Die christlichen Dokumente vermischen Glauben und Wahrheit.

Wenn es nur christliche Quellen gibt und wir gar nicht genau wissen, was passiert ist - gehört Jesus dann überhaupt in den Geschichtsunterricht?

Ja! Denn egal, ob die Legenden stimmen oder nicht, steht einiges fest:

  • Jesus hat eine Weltreligion geschaffen.
  • Jesus hat den Glauben der Römer verändert.
  • Jesus wird zum Mittelpunkt des Glaubens in ganz Europa.
  • Jesus prägte das Leben aller Menschen im Mittelalter .
  • Jesus veränderte die bisherige Welt grundlegend!


Daraus ergibt sich, dass wir uns unbedingt im Geschichtsunterricht mit Jesus beschäftigen müssen... Einige Fakten haben wir: 

  • Wir kennen den Ort, an dem er lebte und wirkte. 
  • Wir wissen, dass er wirklich lebte und keine Fantasiegestalt ist. 
  • Wir haben einige Kenntnisse über seine Familie
  • Wir wissen viel über den Glauben in seiner Gegend zur damaligen Zeit - das Judentum.
  • Wir kennen die Lebensumstände in Galilea zu der Zeit, als Jesus dort lebte.

1. Der Lebensraum von Jesus

Jesus lebte im Land Galilea. Galilea lag am östlichen Ufer des Mittelmeeres. Als Jesus lebte, hatten die Römer Galilea erobert. Galilea war eine römische Provinz, wurde also von Römern regiert und verwaltet. Die Geburtsstadt hieß Nazareth

2. Die Zeit

Als Jesus auf die Welt kam, herrschte der Kaiser Augustus über das Römische Reich. Das Geburtsjahr wird später als "Jahr Null" bezeichnet werden und eine neue Zeitrechnung begründen. Nach dieser Zeitrechnung starb Jesus im Jahr 31. Er wurde also nur ungefähr 31 Jahre alt. 

3. Lebensumstände

Als Jesus geboren wurde, stand Galiläa unter römischer Herrschaft. Die Römer hatten König Herodes als Statthalter eingesetzt.


Die Menschen in Galiläa litten fürchterlich unter der römischen Herrschaft:

  • Sie wurden ausgebeutet.
  • Sie mussten hohe Steuern zahlen. Diese flossen in die Hauptstadt Rom.
  • Sie erlebten täglich militärische Gewalt durch die Römer.
  • Wer keine Steuern zahlen konnte, wurde versklavt.
  • Die Menschen lebten in Armut mussten hungern.
  • Durch die schlechten Lebensbedingungen breiteten sich viele Krankheiten und Seuchen aus.


4. Jesus uns seine Familie

Damit die Römer auch wirklich von jedem Bewohner Galiläas die Steuern eintreiben konnten, gaben sie eine Volkszählung in Auftrag. Alle Bewohner wurden in Listen erfasst. Alle Mitglieder einer Familie wurden mit Geburtsdatum aufgeschrieben. Auf einer dieser Listen finden sich Maria und Joseph mit ihrem Kind Jesus. Das ist der eindeutige Beweis dafür, dass Jesus wirklich gelebt hat. Sein Vater war Bauhandwerker. Die Familie war sehr arm.

"Der heilige Josef mit dem Christuskind" (Guido Reni, 1635)

Die Hebammen baden das Jesuskind (auf einem Mosaik im Kloster Daphni)

5. Das Judentum zur damaligen Zeit

Wir wissen, dass zur Lebenszeit Jesus' in Galiläa der jüdische Glaube herrschte. Die Juden glaubten, dass ein Gott alles weiß und alles lenkt. Dieser eine Gott beschützt nach dem Glauben der Juden die Menschen. Er verlangt aber auch, dass die Menschen ihm allein vollkommen vertrauen. Sie dürfen neben ihm keine anderen Götter verehren. So steht es in der Thora, der Glaubensschrift der Juden.

Ihr wisst, dass die Römer viele Götter verehrten. Sie verlangen von allen Bewohnern des römischen Imperiums, dass sie die römischen Staatsgötter verehren. Die Juden, die dem römische Reich angehören, haben sich aber einem Gott verschrieben und dürfen neben ihm keine anderen Götter anbeten. Hier prallen zwei verschiedene Standpunkte aufeinander: Streit ist vorprogrammiert...

Soweit die beweisbaren Fakten. Alles weitere wissen wir nur aus der Bibel und müssen es - im Geschichtsunterricht - mit der nötigen Vorsicht betrachten...

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Jesus - Die Legende

In der Bibel erfahren wir, fass Jesus mit 12 Jahren einen Tempel in Jerusalem besuchte. Jerusalem war die Hauptstadt Judäas. Im Tempel hat Jesus vor den anwesenden Priestern eine herausragende Kenntnis der Thora bewiesen. Alle Anwesenden waren vom Wissen des jungen Jesus verblüfft. Er wusste mehr als die Priester! Schon damals deutete sich also eine besondere Gabe an. Jesus muss sich schon als Kind sehr intensiv mit dem jüdischen Glauben beschäftigt haben.

"Der zwölfjährige Jesus unter den Schriftgelehrten" (Paolo Veronese, 1558)

Jesus wird zum Prediger

Schon in jungen Jahren verließ Jesus seine Familie, um sich dem Wanderprediger Johannes dem Täufer anzuschließen. Dieser zog durch Galiläa, und versuchte durch Predigten, die Menschen von der richtigen jüdischen Lebensweise zu überzeugen. Zuerst begleitete Jesus Johannes nur, doch bald begann er auch selbst, zu predigen.

Bild: "Johannes tauft Jesus" (Gérard David, 1505)



Wie predigte Jesus?

Er wendete sich in seinen Reden besonders aus die Ausgegrenzten: an Arme, Frauen und Kinder. Er wusste, wie schlecht es seinen Landsleuten unter der römischen Besatzung ging. Er versprach ihnen ein Ende des Leides und eine baldige Erlösung. Er behauptete, dass bald eine Zeit käme, in der Gott über die Welt herrschen würde. Dann würde Gottes Wille gelten. Auf der Welt gäbe es dann nur noch Friede und Gerechtigkeit. Mit diesem Versprechen machte er den Menschen Hoffnung.

Die Kinder werden zu Jesus gebracht (Rembrandt van Rijn, 1647)

Aber Jesus verlangte auch etwas von den Menschen:

  • Gewaltverzicht - auch gegen die Römer,
  • Nächstenliebe - auch gegenüber Feinden,
  • eine radikale Änderung der Lebensweise und
  • Verzicht auf Rache.


Diese Forderungen gingen weit über das hinaus, was in der Thora, speziell in den zehn Geboten, von den Juden verlangt wurde. Deshalb hielt Jesus die legendäre Bergpredigt, in der er die Zehn Gebote erweiterte.

"Die Bergpredigt" (Fra Angelico, 1442)

"Bergpredigt" (Cosimo Rosselli, 1481)

Aber wie kommt Jesus zu seinen Versprechen und Forderungen?

Jesus behauptet, 

  • er würde den Willen Gottes genau kennen,
  • er könne den Willen Gottes auslegen,
  • er könne an Gottes Stelle Sünden vergeben und
  • er hätte göttliche Macht.


Später behauptete Jesus sogar, er wäre Gottes Sohn! Und Gott hätte ihn auf die Erde geschickt, um die Menschen aus ihrem Leid zu erlösen.

Die Reaktion

Wie reagieren die Zuhörer auf diese Behauptungen? Viele Menschen wenden sich von Jesus ab und halten ihn für verrückt. Besonders die jüdischen Priester reagieren empört, besonders. Am meisten stören sie sich daran, dass Jesus die Zehn Gebote erweitert hat. Die Priester werden zornig und beschuldigen Jesus der Gotteslästerung.

"Die Verspottung Jesu" (Matthias Grünewald, ca. 1503) 

Die Heilungen

Doch wer sich nicht von dem seltsamen Prediger abwendete, konnte Erstaunliches beobachten: Jesus predigt nicht nur, sondern er handelte auch. Er heilte Kranke, indem er ihnen die Hand auflegte. Wenn ein Gelähmter plötzlich wieder laufen konnte, nachdem Jesus " nur" seine Stirn berührt hat, dann wurde für alle Zuschauer Jesu göttliche Macht sichtbar!
Die Heilungen hatten auf alle Zuschauer eine große Wirkung. Sie glaubten sofort, dass Jesus göttliche Kräfte hatte und vertrauten auch seinen Worten.


"Heilung eines Blinden" (El Greco, um 1570)

Jesus in Jerusalem

Jesus wirkte noch viele Jahre als Wanderprediger im Umkreis von Nazareth. Dann begab er sich nach Jerusalem. Das war die Hauptstadt Judäas. Jerusalem war damals die wichtigste Stadt am östlichen Mittelmeer. Dort war auch das Machtzentrum der Römer. Von Jerusalem aus verwalteten die Römer ihre östlichen Provinzen. Demzufolge wurde Jerusalem streng von den Römern kontrolliert. Deshalb wollte Jesus genau dort seine Lehre verbreiten. Vielleicht suchte er die Auseinandersetzung mit den römischen Machthabern, um Verbesserungen für seine Landsleute zu erwirken.
Jesus kam zur Zeit des Passahfestes in Jerusalem an. Wegen diesem wichtigen jüdischen Fest war die Stadt voller Menschenmassen. Jesus inszenierte seinen Einzug in die Stadt. Die Straße war zu beiden Seiten gesäumt von Zuschauern, die Jesus zujubelten und ihn feierten. Jesus war damals schon weit über die Grenzen Galiläas bekannt.
Jesus soll auf einem Esel in die Stadt eingeritten sein. Damit wollte er wahrscheinlich die Römer veralbern, die immer auf einem Pferd unterwegs waren. Als Jesus den römischen Machthabern gegenüberstand, stellte er sich als "König der Juden" vor. Damit meinte er, dass er auf der Seite seiner jüdischen Landsleute stand und sich für die Juden einsetzen wollte. Die Römer haben den Ausspruch aber so gedeutet, dass Jesus sie vom Thron stoßen wollte. Es kam also zu einem folgenschweren Missverständnis.

"Einzug in Jerusalem" (Giotto di Bondone, 1304)

Jesus im Tempel

Jesus begab sich nach seinem feierlichen Einritt in die Stadt gleich in den Tempel. Dort sollte eigentlich Gott geehrt werden. Stattdessen musste Jesus ansehen, dass der Tempel zu einer Markthalle verkommen war. Massenhaft Verkaufsstände standen vor dem Tempel und im Tempel. Darüber regte Jesus sich sehr auf: "Der Tempel ist ein Ort für Gebete und nicht für Geschäfte!" Er führte sich auf wie ein König. Das irritierte seine Beobachter. Immer mehr Leute fragten sich, was Jesus eigentlich vorhatte. Viele sahen Jesus als Bedrohung.

Fresco "Tempelreinigung"  von Giotto (um 1305)

Das letzte Abendmahl

Jesus merkte, wie sich die Stimmung in Jerusalem allmählich gegen ihn wendet. Er befürchtete, von den Römern getötet zu werden, da sie durch ihn ihre Machtstellung bedroht sahen. Jesus stellte sich auf seinen baldigen Tod ein. Ein letztes Mal wollte er sich mit seinen zwölf wichtigsten Begleitern zum Abendessen treffen. Bei diesem Essen verabschiedet er sich von seinen Begleitern.

"Das letzte Abendmahl" (Leonardo da Vinci, 1494)

Nach dem letzten Abendmahl

In der Nacht nach dem Abendmahl wurde Jesus von den Tempelwachen und Priestern festgenommen. Die Wachen brachten Jesus zum Palast des Hohepriesters. Dieser fragte Jesus: "Bist du Gottes Sohn?" Jesus gab eine zweideutige Antwort. Der Hohepriester weiß nicht, wie er sich Jesus gegenüber verhalten soll und befragt den Rat.
Alls Ratsmitglieder waren sich darin einig, dass sich Jesus der Gotteslästerung schuldig gemacht hat. Sie beschlossen, dass er getötet werden muss.
Doch der Rat darf allein kein Todesurteil fällen. Deshalb brachten sie Jesus zum römischen Statthalter Pontius Pilatus. Jesus durfte nur getötet werden, wenn der römische Statthalter zustimmte. Pontius Pilatus zögerte zunächst. Er befahl, Jesus "nur" auszupeitschen. Um ihn zu verspotten, setzte man Jesus eine Dornenkrone auf den Kopf - weil er ja "der König der Juden" sein wollte...
So wurde Jesus dem Volk vorgeführt. Angeblich wurde die versammelte Menschenmasse gefragt, ob Jesus getötet werden soll. Der Legende zufolge rief die Masse einstimmig: "Kreuzigt ihn!"

"Christus vor Pilatus" (Hans Multscher, 1437)

Die Hinrichtung

Weil sich nun die Menschenmasse geschlossen gegen Jesus gestellt hatte, war sein Schicksal besiegelt. Er sollte auf dem Hügel Golgatha inmitten Jerusalems gekreuzigt werden. Das war damals eine typische Hinrichtungsmethode. Um den angeblichen "König der Juden" zusätzlich zu demütigen, musste Jesus das Kreuz, an das er genagelt werden sollte, sogar selbst den Hügel hochschleppen. Auf diesem Weg wurde er immer wieder vom aufgebrachten Volk verspottet.
Auf dem Golgatha-Hügel angekommen, begannen die Hinrichter direkt damit, Jesus ans Kreuz zu nageln. Danach wurde das Kreuz aufgestellt. Nun endlich bekamen die Zuschauer Mitleid. Viele weinten und beteten. Doch andere verspotteten ihn weiter: "Wenn du der Sohn Gottes bist, dann komm doch einfach herunter!" Jesus stirbt einen qualvollen Tod.

Filmszene

"Die Kreuzigung" (Mattias Grünewald, 1506)

"Kreuzigung" (Albrecht Altdorfer, 1512)

Nach dem Tod

Auch die Anhänger Jesu müssen das grausame Spektakel mit an. Sie leiden fürchterlich. Als Jesus tot wieder vom Kreuz gelassen wird, bestatten sie ihr Vorbild nach jüdischem Brauch. Sie legen ihn in eine Grabhöhle und verschließen diese mit einem großen Stein. Sie legen fest, dass immer einer der Freunde das Grab bewachen muss. Doch am Sonntag wird das wichtigste Fest im Rahmen der Passachtage gefeiert. Alle Jünger Jesu wollen bei diesem Fest anwesend sein. Für einige Stunden gibt es deshalb keine Wache am Grab. Als Maria Magdalena, eine der Anhängerinnen Jesu, nach dem Fest wieder am Grab vorbeischaut, ist der große Stein weggerollt. Das Grab ist leer! Vor der Höhle findet Maria Magdalena einen Engel vor. Der Engel berichtet, dass Jesus von den Toten auferstanden sei.

"Der Leib Christi, von zwei Engeln gesalbt" (Alessandro Allori, 1593)

Ein Glaube entsteht

Jesus kehrte dann noch einmal kurz auf die Erde zurück. Er erklärte seinen Jüngern, warum er sterben musste: Er müsste sein Leben opfern, um die Menschen von ihrem Leid zu erlösen. Wenn er endgültig in den Himmel aufsteigt, würde er alles Leid und alle Sünden der Menschen mitnehmen.
Außerdem erklärte er seinen Anhängern, wie sie seine Botschaft nach seinem endgültigen Aufstieg in den Himmel verbreiten sollen. Er legte fest, dass sich von nun an alle Menschen, die seiner Botschaft vertrauen und nach seinen Gesetzen leben wollen, mit der Taufe mit ihm verbinden können. Der Jünger (oder Apostel) Petrus war Jesus ganz besonders verbunden. Deshalb übergibt Jesus Petrus symbolisch den Schlüssel für das Himmelreich

"Christus übergibt Petrus den Schlüssel" (Pietro Perugino, 1481)

Das Pfingstfest

Nach der Schlüsselübergabe und der Einweisung der Apostel verabschiedet sich  Jesus für immer und steigt in den Himmel auf. Er hinterlässt Lebensregeln, mit denen die Menschen friedlich und harmonisch miteinander leben sollen.
Bald danach fand das Pfingstfest statt. Erneut wird Jerusalem von einer großen Menschenmasse heimgesucht.
Der Apostel Petrus hielt vor allen Besuchern Jerusalems eine Rede, in denen er die Worte Jesu weitergab. Er verkündete die Lehre Jesu. Wer an Jesus glaubt und nach seinen Werten leben wollte, könne sich durch die Taufe mit ihm verbinden. 3000 Menschen folgten dieser Aufforderung und ließen sich noch an diesem Tag taufen!

Das war die Geburtsstunde des Christentums und der christlichen Kirche! Ein neuer Glaube war entstanden, der die Welt in den folgenden Jahren entscheidend verändern wird...

Aufgabe: 

Beantworte mit Hilfe der Informationen auf dieser Seite die Fragen auf dem Fragenblatt.

Zur Veranschaulichung werden Abbildungen und Gemälde benutzt. Diese Abbildungen und Gemälde sind natürlich lange nach den Ereignissen entstanden, die sie abbilden. Die Gemälde zeigen deshalb nicht, "wie etwas war", sondern wie Jesus und seine Taten zu einer bestimmten Zeit von einem bestimmten Künstler gesehen wurden.