MUSEUMSRAUM
REKONSTRUKTION
Die Idee
Zum 20. Jahrestag von Ötzis Entdeckung haben sich die Betreiber des Museums etwas ganz Besonderes ausgedacht: Sie wollten Ötzi rekonstruieren lassen. Das bedeutet, sie wollten einen künstlichen Menschen erschaffen lassen, der so aussieht, wie der echte Ötzi ausgesehen hat. Hatte er ein freundliches Gesicht oder guckte er böse? Hatte er Muskeln oder war er ein Schwächling? All das sollte die Ötzi-Figur zeigen.
Aber wie sollte das gehen? Kann man herausfinden, wie Ötzis Gesicht vor 5300 Jahren aussah? Zwei Künstler, die Brüder Adrie und Alfons Kennis, wurden mit der Rekonstruktion beauftragt. Sie wollten Ötzi so echt wie möglich nachbilden. Doch was waren ihre Arbeitsschritte?
1. Lesen und informieren
Adrie und Alfons haben alles gelesen, was sie über Ötzi erfahren konnten. Si haben alle Berichte der Ötzi-Forscher gelesen, aber auch Fachbücher über Anatomie (Körperbau), Archäologie, Geologie, Biologie und Biochemie. Denn je mehr die beide Künstler über Ötzi und seine Zeit wussten, um so "echter" würde dann ihre Ötzi-Figur werden...
2. Nachbilden des Schädels
Alles begann mit einem Nachbau von Ötzis Schädel. Fachleute erzeugten diesen Nachbau mit Hilfe von Laserstrahlen. Auf dem Bild seht ihr den nachgebauten Schädel.
3. Nachbilden des Skelettes
Auch ein Skelett wurde nach den Körpermaßen Ötzis angefertigt. Schädel und Skelett bildeten das Grundgerüst für die Rekonstruktion.
3. Augen herstellen
Zuerst dachte man, Ötzis Augen wären grau-blau gewesen. Doch nachdem sein Erbgut entschlüsselt wurde, wissen wir genau, dass Ötzi braune Augen hatte. Solche Augen wurden nun für die Rekonstruktion hergestellt.
4. Das Gesicht modellieren
Auf dem nachgebauten Schädel wurden Muskeln und Weichgewebe modelliert. Die Holzstäbchen geben an, wie dick die einzelnen Hautschichten sein mussten.
Nachdem alle Muskeln aufgetragen wurden, wurde der Schädel mit einer Hautschicht aus weißer Knetmasse überzogen. Mit der Knetmasse wurde der Gesichtsausdruck modelliert. Der weiße Kopf ist aber nur die Vorlage für die Gussform!
Hier wurde die Gussform vorbereitet.
Und hier war die Gussform fertig. Sie wurde mit Silikon-Kautschuk ausgegossen, also mit einer Gummischicht. Dieses durchsichtige Gummi wurde dann mit Hautfarbe bepinselt. Damit das Gesicht fest wurde, wurde es anschließend mit Harz ausgegossen. Fertig war Ötzis Kopf!
5. Die Haare einsetzen
Auf die Kopf-Oberfläche aus Gummi und Harz wurden dann die Haare eingesetzt. Das war eine wochenlange Geduldsarbeit! Die Haare wurden in kleinen Büscheln mit einer Nadel durch die "Kopfhaut" gefädelt! Die Haare stammen übrigens von einem Bison und einem schottischen Hochlandrind. Damit das Haar ungekämmt und verschwitzt aussah, wurde es mit Klebstoff bepinselt.
6. Den Körper formen
Genau wie das Gesicht wurde danach der Körper modelliert: Muskeln und weiches Gewebe wurden Schicht für Schicht aufgetragen.
6. Mit "Haut" überziehen
Auf die weiße Knetmasse kam dann eine Schicht aus Silikonkautschuk (=Gummi). Diese Gummi-Schicht wurde in Hautfarbe bepinselt. Anschließend wurde Ötzi angekleidet.
TADAAA...
Da ist er: Der fertige Ötzi! So steht er im Museum. Er sieht so echt aus, dass man denkt, er würde gleich loslaufen! Man sieht ihm an, unter welchen harten Umständen er leben musste: Sein Gesicht ist wettergegerbt, sonnengebräunt, von Narben durchzogen und von tiefen Runzeln zerfurcht. Die Augen liegen tief, die Wangen sind eingefallen, das Zottelhaar ist verfilzt.
Die Hände sind, wie das Gesicht, ledrig braun. Ötzis Oberarme und der Oberkörper sind heller und glatter als Gesicht und Hände - denn diese Körperteile waren durch Kleidung vor Sonne und Witterung geschützt.
Ob Ötzi wirklich genau so aussah? Wir werden es nie erfahren. Aber bestimmt ist das Ergebnis von Adrien und Alfons Kennis ganz nah am Original...