Die erste Schrift

Die ersten Menschen lebten als Jäger und Sammler. Sie mussten nichts schriftlich aufzeichnen.
Als dann aber Städte entstanden, wurde es nötig, Besitz, Handelsgeschäfte oder Gesetze aufzuzeichnen.

Die Menschen in Mesopotamien erfanden dafür die erste Schrift. Es waren nicht die Dichter oder Gelehrten, die das geleistet haben – sondern die Buchhalter.

Aus Bildern werden Zeichen

Es war nicht so, dass von heute auf morgen ein Alphabet eingeführt wurde. Stattdessen dauerte es viele Jahrhunderte, bis eine Alphabetschrift entstanden ist.
Zuerst gab es nur kleine Bildchen für Gegenstände wie Vieh, Getreide oder Personen

Diese Symbole wurden mit einem Griffel in weichen Ton gedrückt. Es entstanden keilförmige Zeichen.

Die Zeichen wurden dann immer weiter vereinfacht, damit man sie leichter in den Ton drücken konnte. Doch nicht nur die Zeichen, sondern auch ihre Bedeutung hat sich mit der Zeit verändert.
Hier sehr ihr ein paar Beispiele:

Keilschriftzeichen und ihre Bedeutung

Auf diese Weise entstanden immer mehr Keilschriftzeichen. Um 3300 vor Christus gab es 700 verschiedene Symbole. Hier seht ihr einige Beispiele:

Auch für Zahlen gab es Keilschriftzeichen:

Und hier ein paar echte Beispiele:

Die Schrift der Mesopotamier wurde später von anderen Völkern übernommen und weiterentwickelt. Nach und nach entwickelte sich aus der Bilderschrift eine Silbenschrift und daraus eine Buchstabenschrift. Am Buchstaben "A" kann man das gut nachvollziehen:

Wie aus einem Stierkopf unser Buchstabe "A" wurde

In Mesopotamien

Das war das mesopotamische Symbol für "Aleph". "Aleph"  bedeutete "Stierkopf".

In Mesopotamien

Das Symbol für "Aleph", den Stierkopf, wurde dann zum Keilschriftzeichen vereinfacht. So konnte man das Zeichen besser in weichen Ton drücken. Das Zeichen bedeutet jetzt nicht nur "Stierkopf", sondern auch "Ochse".

Bei den Phöniziern

Die Phönizier, ein Volk am östlichen Mittelmeer, übernahmen einige Jahrhunderte später einige Zeichen von den Mesopotamiern. Sie drehten das Zeichen auf die Seite und vereinfachten es weiter. Das Zeichen stand bei den Phöniziern für "Rind", aber auch für den Anfangsbuchstaben "A".

Bei den alten Griechen

Die alten Griechen entwickelten dann ein eigenes Alphabet mit Klein- und Großbuchstaben. Sie übernahmen dafür viele viele Zeichen von den Phöniziern - auch das Zeichen für "A". Der Buchstabe heißt bei den alten Griechen "Alpha". Das erinnert doch sehr an "Aleph", den Stierkopf, oder?

Bei den Römern

Die Römer übernahmen für ihre lateinische Schrift die Buchstaben von den alten Griechen. Durch ein paar kleine Veränderungen verpassten die Römer den Buchstaben genau die Form, die sie bis heute haben!

Man kann sehen, dass unser Buchstabe "A" viele tausende Kilometer von Volk zu Volk gewandert ist. In vielen  Jahrtausenden hat sich das "A" immer weiter verändert - und zwar in seiner Form, aber auch in der Bedeutung. Heute trägt das "A" eine lange Geschichte mit sich herum, die in Mesopotamien seinen Anfang nahm. Übrigens haben viele Buchstaben eine so lange Geschichte...

Aufgaben "Keilschrift": 

Sieh dir die Keilschriftzeichen und ihre Bedeutung (oben) genau an. 


1.

Jetzt kannst du dich einmal als "Keilschrift-Übersetzer/-in" versuchen.

Das ist die Geschichte: Ein Bauer in Mesopotamien muss Abgaben bezahlen. Um zu ermitteln, wie viel Abgaben er leisten muss, wird zuerst sein Besitz erfasst. Der Buchhalter begutachtet den Hof des Bauern und schreibt alles auf, was der Bauer besitzt. So sieht die Tafel aus:

Deine Aufgabe: Übersetze die Tafel und schreibe auf, was der Bauer alles besitzt.

2.

Gestalte nun eine eigene Keilschrifttafel. Du kannst selbst eine Tafel malen oder diese Vorlage verwenden.

Die Geschichte: Die Verwalter von Uruk gehen zu den Bauern, die im Umland der Stadt ihre Felder bewirtschaften. Sie wollen für die Stadtbewohner einkaufen.

Deine Aufgabe: Schreibe einen Einkaufszettel in Keilschriftzeichen. Was kaufen die Verwalter für die Stadtbewohner ein? Wie viel kaufen sie ein? Schreibe zu jedem Produkt auch die richtige Menge.

3.

(freiwillige Zusatzaufgabe)

Und jetzt darfst du ganz kreativ sein: Denke dir für Dinge unseres modernen Lebens Keilschriftzeichen aus:

Wie könnte man einen Fußball, ein Netbook, ein Handy, eine Computertastatur, ein Bett, ein Auto, ein Buch, eine Schule oder was auch immer in Keilschriftzeichen darstellen? Überlege dir Keilschriftzeichen für moderne Dinge.

Sammle deine Zeichen auf einer Tafel.

Für Aufgabe 2 bis 3:

Schneide deine Tafeln aus und klebe sie in deinen Hefter.