Wie du schon erfahren hast, gab es im alten Ägypten viele Dinge, die aufgeschrieben werden mussten, zum Beispiel:

  • Befehle und Aufträge des Pharao,
  • die Menge des Korns in den Vorratshäusern und 
  • die Höhe und Art der Abgaben. 


Die Verwaltung des Ägyptischen Reiches konnte nur gelingen, wenn man diese Sachverhalte schriftlich festhalten konnte.

Die Ägypter kannten die Schrift der Mesopotamier. Der Fruchtbare Halbmond war nicht weit von Ägypten entfernt, so dass es zwischen beiden Kulturen einen Austausch gab. Die Ägypter lernten die Keilschrift der Mesopotamier kennen. 

Aber die Tontafeln und die Keilschrift waren für die Ägypter ungeeignet. Sie wollten so viel aufschreiben, dass sie sich eine bessere Schrift und besseres Schreibmaterial überlegen mussten.

Das muss ungefähr 3000 vor Christus passiert sein. Stellt euch vor: als Ungefähr zu der Zeit, als Ötzi mit seinen Steinwerkzeugen durchs Hochgebirge stapfte, wurden viele Kilometer entfernt die ersten Hieroglyphen geschrieben…



Die Schreiber

Die Ägypter verehrten ihre Schrift über alle Maßen. Sie glaubten, dass ein Gott sie ihnen gebracht hätte. Da war es kein Wunder, dass auch die Schreiber sehr angesehene Leute waren.
Wer das Schreiben in speziellen Schulen erlernte, konnte danach als Beamter arbeiten. 
Doch nur die Kinder des Pharaos, des Weises und der Beamten wurden in den Schreiberschulen aufgenommen.

Das Schreibmaterial

Die alten Ägypter kannten noch kein Papier. Allerdings wollten sie auch keine Tontafeln zum Schreiben verwenden wie die Mesopotamier. 
Sie fanden heraus, dass man aus Papyrus Schreibblätter herstellen konnte. Papyrus war eine Schilf-Art, die am Nilufer wuchs.




Hier seht ihr, wie aus Papyrus Schreibblätter entstanden sind:

Aus Schilf wurden Schreibblätter...

Am Nilufer wuchsen Papyrus-Stauden. Sie wurden abgeschnitten.

Nachdem die Rinde des Papyrus-Stängels entfernt wurde, konnte man das Mark in dünne Streifen schneiden.

Die Streifen wurden dann in mehreren Lagen auf eine Stein-Unterlage gelegt.

Die Papyrus-Streifen werden dann mit Wasser begossen. Dadurch konnten sie sich miteinander verbinden.

Damit sich keine Dellen bildeten, wurde das nasse Papyrus mit einem Hammer bearbeitet.

Nach dem Trocken und Pressen der Blätter wurden sie zu einer langen Schriftrolle zusammengeklebt.

Jetzt konnte man die Schriftrollen beschreiben.

Die Herstellung von Schreibblättern aus Papyrus dauerte lange und war sehr aufwändig. Kein Wunder, dass Papyrus sehr kostbar war. Es wurde mehrfach benutzt. Schreibergehilfen mussten die Blätter abwischen, damit man sie neu beschreiben konnte. Als Tinte wurde schwarze oder farbige Tusche verwendet. Als Schreibgeräte dienten angespitzte Tierfedern oder Halme aus Schilfrohr.


Die Hieroglyphen

Aber was wurde nun auf Papyrus mit Feder und Tusche aufgeschrieben? Natürlich kennt ihr die berühmten Schriftzeichen der Ägypter schon. Wir nennen sie "Hieroglyphen".
Die Hieroglyphen waren viel praktischer als die Keilschriftzeichen der Mesopotamier. Bei der Keilschrift gab es für ein Wort ein Zeichen. Man konnte nur die Wörter ausdrücken, für die es ein Zeichen gab. Konnte man seinen eigenen Namen in Keilschrift schreiben? Nein!

Die Ägypter dachten einen Schritt weiter. Sie überlegten:

"Jedes Wort besteht aus vielen Lauten. Wenn wir uns für jeden Laut ein Bild überlegen, können wir aus den Bildern jedes erdenkliche Wort zusammensetzen."

Das erste Alphabet war entstanden - es bestand aus kleinen Bildern. Für jeden wichtigen Laut gab es ein Bild. Hier sehr ihr  die wichtigsten Zeichen und die Laute, für die sie stehen:


Die Sonderzeichen

Zusätzlich gab es noch einige Sonderzeichen:

Jetzt kennst du die wichtigsten Zeichen. Insgesamt gab es in der Zeit des alten Ägyptens über 7000 Hieroglyphen!
Hier eine Liste mit weiteren Bildzeichen.

Doch die Lautzeichen waren natürlich am wichtigsten! Für einfache Verwaltungstexte waren manche Lautzeichen zu kompliziert. Die Schreiber mussten sie etwas vereinfachen. Außerdem wurden die Zeichen in Verwaltungstexten nicht bunt geschrieben, sondern einfarbig. Das konnte dann so aussehen:


Schrift als Kunst


Doch die tolle Bilderschrift wurde auch genutzt, um Tempel, Paläste und Grabkammern zu verzieren. Wenn Archäologen neuen Grabkammern entdecken, staunen sie immer wieder über die Zeichen an den Wänden, die sich mit kunstvollen Zeichnungen mischen. 

Hier sehr ihr noch mehr von der faszinierenden "Buchstabenkunst", für die entweder die Wände bemalt wurden oder feine Reliefs in Steinwände eingearbeitet wurden:


Heilige Zeichen

Solche tollen Verzierungen befanden sich nicht an gewöhnlichen Wohnhäusern der einfachen Ägypter, sondern an wichtigen Tempeln. Die Zeichen sollten Götter ehren. Auch in Grabkammern fand man viele Wände mit kunstvollen Zeichen. 
Und wer entdeckte die Zeichen zuerst? Das waren die alten Griechen vor vielen hundert Jahren. Sie erkannten sofort, dass die mit den Zeichen die Götter verehrt werden sollten und nannten sie "Hiero-glyphen" - das bedeutete "heilige Zeichen". Das Wort kannten die alten Ägypter also noch gar nicht! Die Bezeichnung kam erst viel später dazu.

Aufgaben

Aufgabe 1: im Heft auf Seite 12

Aufgabe 2, 3 und 4: im Heft auf Seite 13

Aufgabe 5: im Heft auf Seite 14

Für die schwierigen Zeichen findest du hier Schritt-für Schritt-Anleitungen:

Der Geier - das "A"

Der Löwe - das "L":

Die Eule - das "M":