"Das Wundervolle an ägyptischer Kunst ist ihre unglaubliche Würde und Eleganz. Nur die alten Ägypter konnten so etwas schaffen. Ein Gespür für alles Heilige durchzog ihr alltägliches Leben und ihre Kunst. Sie entstand mit dem Gedanken an die Ewigkeit." (Filmzitat*)
Auch wenn es verschiedene Gesellschaftsschichten gab und manche Menschen besser lebten als andere, empfanden alle Ägypter ihr Leben als großes Wunder. Mitten in der Wüste fanden sie ein grünes Paradies vor. Ein riesiger Fluss brachte genug Wasser für Menschen, Tiere und Pflanzen. Die Ägypter suchten nach Erklärungen für dieses außergewöhnliche Geschenk der Natur. Sie dachten, dass Götter dahinterstecken mussten.
Götter waren für die Ägypter überall. Himmel, Sonne, Erde und Wasser waren ebenso Gottheiten wie manche Tiere. Auch manche Pharaonen sahen sich schon zu Lebzeiten als Gottheiten und ließen sich entsprechend verehren.
Für die meisten Pharaonen war der Sonnengott Amun-Re besonders wichtig. Nur wenige Pharaonen wie Echnaton verehrten den Gott Aton. Egal, ob Amun-Re oder Aton - alle Pharaonen bauten ihren Göttern Tempel und Pyramiden.
Die wichtigsten Götter stellen sich vor
Ich bin Isis,
die Gemahlin des Osiris und die Mutter des Horus. Ich werde als Göttin der Liebe und als Schutzgöttin für Mütter und Kinder verehrt. Viele Mütter erbitten von mir den Segen für ihre Kinder. Als eine der wenigen Götter kann ich zaubern. So konnte ich schon meinen Mann Osiris wieder ins Leben zurückholen.
Dargestellt werde ich als Mensch mit Kuhhörnern auf dem Kopf. Diese Hörner rahmen eine Sonne ein. Oft werde ich auch mit einer viereckigen Hieroglyphe auf dem Kopf dargestellt. Diese steht für meinen Namen.
Ich bin Osiris,
der Gott der Fruchtbarkeit, der Wiedergeburt und der Toten. Ich bin der oberste Richter im Totengericht. Dort entscheide ich darüber, ob ein Verstorbener ein Leben nach dem Tod führen darf oder nicht. Meine Gemahlin ist Isis. Unser Sohn heißt Horus.
Dargestellt werde ich wie ein Mensch, allerdings mit grüner Hautfarbe. Ich trage ein Wickelgewand, in dem ich aussehe wie eine menschliche Mumie. In den Händen halte ich Krummstab und Peitsche. Auf dem Kopf trage ich eine weiße Krone mit zwei großen Federn.
Ich bin Horus,
der Sohn der Göttin Isis und des Gottes Osiris. Ich bin der Schutzgott der Pharaonen. Die Pharaonen sind meine Vertreter auf der Erde. Das bedeutet, dass ich der eigentliche Herrscher über Ägypten bin!
Früher herrschte mein Vater über Ägypten. Doch Seth, sein Bruder, hat meinen Vater getötet. Natürlich musste ich meinen Vater rächen und Seth töten. Nachdem ich das geschafft hatte, konnte ich die Herrschaft über Ägypten gewinnen.
Dargestellt werde ich als Mann mit Falkenkopf. Auf meinem Kopf trage ich die Krone Ägyptens. Die Pharaonen wollen die Verbundenheit zu mir zeigen und schmücken sich mit der gleichen Krone.
Ich bin der Gott Anubis,
zuständig für die Einbalsamierung und die Mumifizierung der Toten. Meine Hauptaufgabe ist das Wiegen beim Totengericht: Wenn das Herz des Verstorbenen schwerer ist als eine Feder, kann er nicht ins Totenreich aufgenommen werden.
Dargestellt werde ich als Mensch mit einem Schakalkopf. Ein Schakal ist ein hundeähnliches Raubtier, das vor allem in Asien und Afrika verbreitet ist.
Ich bin Ra,
der ägyptische Sonnengott. Häufig werde ich auch Re oder Amun-Re genannt. Als Vater aller Götter bin ich der wichtigste Gott. Denn erst meine Kraft der Sonnenstrahlen ermöglicht das Leben auf der Erde!
Tagsüber fahre ich mit der Sonnenbarke (= ein spezielles Schiff) über den Himmel und nachts durch die Unterwelt. Auf meiner Reise nehme ich die Seelen der Toten mit mir und bringe sie sicher in die Unterwelt.
Ich werde auf verschiedene Weisen dargestellt. Entweder in Menschengestalt mit Falkenkopf. Dann trage ich eine Sonnenscheibe auf dem Kopf.
Manchmal werde ich aber in weißen Gewand gezeigt. Dann trage ich auf dem Kopf eine Doppelfederkrone. Hinter dem Rücken halte ich eine Geißel als Zeichen für die Unterwerfung der Feinde Ägyptens.
Die Verehrung der Götter
Um die Götter zu verehren, bauten die Ägypter riesige Tempel. Jeder Tempel war einem bestimmten Gott gewidmet. Die größten Tempel galten dem wichtigsten Gott, nämlich Amun-Re. Nicht jeder Ägypter durfte die Tempel betreten. Das durften nur Pharaonen, seine Priester und hohe Beamte. In jedem Tempel gab es das "Allerheiligste". Das war der Bereich, in dem der Gott wohnte. Das Allerheiligste durften nur Pharaonen und die höchsten Priester betreten.
Wie sieht es im Tempel aus?
Alle Tempel sind nach einem ähnlichen Plan angelegt: In der hohen Mauer ist ein Eingangstor eingelassen. Dahinter befindet sich eine große Halle mit Säulen. Die Säulen symbolisieren das Papyrusdickicht am Nil. Der Boden des Tempels ist mit Silber überzogen. Der silberne Boden glitzerte wie Ozeanwasser. Nach der Eingangshalle folgen mehrere Räume. Von Raum zu Raum steigt der Fußboden an. Ganz hinten im Tempel liegt das "Allerheiligste". Dort steht eine goldene Statue des Gottes, der im Tempel verehrt wird. Die Statue steht am höchsten Punkt des Tempels. Dadurch steht die Statue über allen anderen Räumen.
Die Tempel waren sehr dunkel, da sie von einer Decke überzogen waren und kein Licht hineinfiel. Wenn man einen ägyptischen Tempel "aufschneiden" würde, würde er so aussehen:
Die Rituale
Jeden Morgen ging der Pharao mit seinen Priestern ins Allerheiligste eines Tempels und rief dreimal den Namen des Gottes. Dann nahm der Pharao die goldene Statue des Gottes aus einem Schrank und zog der Statue seine Kleider des Vortages aus. Dann wurde die goldene Götterstatue gewaschen und mit einer wohlriechenden Salbe eingecremt. Danach zog der Pharao der Statue ein neues Gewand an und stellte sie zurück in den Schrank.
Nun legten die Priester Geschenke vor die Statue: goldener Schmuck, Weihrauch oder kostbare Tücher. Damit wollten die Priester dem Gott eine Freude bereiten. Auch feine Speisen und Getränke wurden dem Gott bereitgestellt. Während der ganzen Zeremonie wurde gesungen und gebetet.
Zwei berühmte Tempel
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Der größte Tempel war der Karnak-Tempel. Er wurde 2000 Jahre lang immer wieder erweitert. 134 Säulen tragen das Dach des Tempels. Jede Säule war mit Bildern und Schriftzeichen geschmückt. Der Haupteingang bestand aus 12 Säulen. Jede Säule hatte einen Durchmesser von 4 Metern und war fast 25 Meter hoch!
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Der Pharao Ramses II. ließ ich schon zu Lebzeiten wie ein Gott verehren. Dafür ließ er die gigantische Tempelanlage "Abu Simbel" errichten. Hier kannst du mehr über diesen Tempel erfahren.
Aufgaben
Aufgabe 1: im Ägypten-Heft auf Seite 14 und 15
Aufgabe 2: im Ägypten-Heft auf Seite 16 (die Abbildungen findest du hier unten)
Aufgabe 3: Beschrifte den Tempel im Heft auf Seite 16.
Aufgabe 4: auf Seite 17 im Heft
* Zitat aus dem Film "Mythos Ägypten, Teil 1: Howard Carter - Die Jagd nach Tutanchamun" (2007).