Wie sah ein ganz normaler Tag im alten Ägypten aus? Wie lebten die Ägypter zusammen? Wie sahen ihre Wohnungen aus? Was gab es zu essen? Darum geht es auf dieser Seite.

Wie lebten die Ägypter zusammen?

Viele Wandmalereien und Skulpturen zeigen, wie wichtig den Ägyptern die Familie war. Auf Bildern halten sich Vater und Mutter an den Händen oder umarmen sich. Die Kinder gehören dazu. Ägyptische Paare liebten ihre Kinder und waren stolz auf sie. Ein Grieche, der in Ägypten auf Reisen war, stellte erstaunt fest, dass die Ägypter wirklich alle ihre Kinder großziehen und keines aussetzen – in Griechenland war das offensichtlich nicht so!

Wann wurde geheiratet?

Mit 20 Jahren begannen die Männer, eine Familie zu gründen. Die Frauen waren bei der Heirat sogar noch jünger. Bei der Hochzeitszeremonie musste die Braut mit einem Spruch bekräftigen, dass sie der Ehe zustimmt. Nach der Hochzeit zog sie in das Haus des Mannes. 


Eine oder mehrere Frauen?

Ägypter hatten meist eine Frau. Nur die Pharaonen und hohe Beamte gingen mit mehreren Frauen die Ehe ein.

Welche Aufgaben hatten die Frauen?

Die Rollen waren klar verteilt: Der Mann ging seinem Beruf nach und hielt sich meistens außerhalb des Hauses auf: auf dem Feld, in der Werkstatt oder in der Schreibstube. Die Frau hielt sich vorwiegend im Haus auf und war die „Hüterin des Hauses“.
Trotzdem hatten die Frauen eine bessere Stellung als in anderen alten Kulturen. Innerhalb der Familie war sie dem Mann gleichberechtigt. Ratgeberbücher warnten die Männer davor, ihren Frauen bei der Haushaltsführung hereinzureden. Frauen sollten den Haushalt ohne Einmischung führen. Oftmals halfen Frauen aber auch ihren Männern bei der Arbeit. Sie arbeiteten auf den Feldern mit oder übten Handwerke aus.


Eine Frau beim Korn-Mahlen.

Eine Frau beim Bierbrauen.

Wenn der Mann einer Ägypterin eine hohe Stellung hatte, war ihm seine Frau eine wichtige Vertraute und Ratgeberin. Oft verwaltete die Frau das Vermögen der Familie.

 

Diese Rechte hatten Frauen im alten Ägypten:

  • Frauen konnten sich allein vor Gericht vertreten und Klage erheben.
  • Bei der Heirat behielten Frauen ihren Besitz und verloren ihn nicht an den Mann. 
  • Sie konnten ihren Besitz gegen den Willen des Mannes an die Kinder vererben.
  • Frauen konnten ohne Einwilligung des Mannes eigene Geschäfte tätigen.
  • Ehefrauen konnten sich vom Mann scheiden lassen.
  • Im Falle einer Scheidung bekamen sie einen Teil des Vermögens des Mannes, um sich und die Kinder versorgen zu können. 

 

Das klingt für uns heute alles ziemlich normal. Im Vergleich mit anderen Kulturen der damaligen Zeit waren diese Rechte aber höchst ungewöhnlich.

 

Konnte eine Frau Pharao werden? Ja! Das kam zwar selten vor, aber es war möglich. Zum Beispiel musste die Frau des Pharaos Tutmosis II. die Herrschaft übernehmen, als Tutmosis plötzlich starb. Sein Sohn war noch zu jung, um der neue Pharao zu werden. Deshalb sollte die Mutter die Herrschaft übernehmen, bis der Sohn alt genug war.
Doch auch als der Sohn alt genug war, um Pharao zu werden, gab seine Mutter die Herrschaft nicht an ihn ab, sondern blieb selbst Pharaonin! Das war eine Sensation.

Wie wurden Kinder aufgezogen?

Gleich nach der Geburt bekamen die Kinder einen Namen. Mädchen hießen zum Beispiel Amanhatpe oder Sent. Die Jungen hießen zum Beispiel Ancheri oder Meru. Nach der Namensgebung ließen die Eltern das Kind beim zuständigen Beamten registrieren. Die Mutter betreute das Kleinkind. Nur im Haus des Pharaos übernahmen fremde, hochgestellte Personen die Kindererziehung.

Ein wichtiges Ereignis für die Kinder war ihre Einkleidung. Jungen bekamen einen Schurz und einen Gürtel. Mädchen bekamen ein Kleid. Die Jungen aus den höheren Schichten kamen dann in die Schule. Die Söhne der Bauern und Handwerker hingegen blieben zuhause und wuchsen in die Berufe ihrer Väter hinein. Die Mädchen blieben bis zu ihrer Heirat zuhause.

 

Was spielten die Kinder?

Wandmalereien und Grabbeigaben verraten, wie sich Kinder beschäftigt haben. Mädchen verbrachten ihre Zeit mit Tanzen und Balljonglieren. Jungen sieht man auf Bildern beim Ringen, Laufen, Springen und Stockfechten. 

Was gab es zu essen?

Wie sollen wir nach 5000 Jahren noch wissen, was die alten Ägypter gegessen haben? Das können nur Archäologen herausfinden. Sie untersuchen zum Beispiel die Gräber der alten Ägypter.

Die Menschen glaubten damals, dass man nach dem Tod aus dem Grab heraus woanders hinkommt. Und für diese Reise wurde den Toten Essen ins Grab gegeben. Die Gräber sind oftmals noch so gut erhalten, dass von dem Essen Reste erhalten sind.

Auch Wandmalereien zeigen essende Ägypter oder Menschen bei der Nahrungszubereitung.


Und das sind die Erkenntnisse der Archäologen:

Die einfachen, ärmeren Menschen nahmen zwei Mahlzeiten am Tag ein: eine morgens und eine abends. Die Mahlzeiten bestanden aus Früchten und Gemüse wie Zwiebeln und Knoblauch. Dazu gab es Brot und gefangene Fische oder Tiere. Das Essen wurde auf offenem Feuer gebraten oder als Suppe eingekocht. 

Bei den Mahlzeiten setzten sich die Menschen im Kreis um die Schüsseln und Töpfe. Sie aßen mit den Fingern oder nutzten kleine Brotstücke als Besteck.

 

Woher bekamen die einfachen Menschen ihre Nahrungsmittel? 

Manche konnten selbst Getreide, Obst und Gemüse anbauen. Die anderen waren auf Zuteilung von Nahrungsmitteln durch die Gesandten des Pharaos angewiesen. Bauarbeiter, die für den Pharao arbeiteten, bekamen einmal im Monat eine Lieferung an Nahrungsmitteln als Lohn. Aufseher und Facharbeiter bekamen mehr Nahrung als Diener und Wächter. Und was teilten die Gesandten aus? In erster Linie Gerste, Dinkel und Bier. Zusätzlich gab es Trockenfisch, Salz, Gemüse und Datteln. Auch Brennholz und Natron wurden verteilt. Natron diente als Seife. An Festtagen gab es auch Fleisch, Wein und Honig.

 

 

Wie ernährten sich die reichen Ägypter?

Die reichen Ägypter aßen drei- bis fünfmal am Tag. Dabei saßen sie auf verzierten Höckern oder Stühlen. Es gab aber keine Esstische, wie wir sie heute kennen. Stattdessen wurden die Speisen auf niedrigen Beistelltischen serviert oder man nutzte Speiseplatten mit Füßen.

Vor und nach den Mahlzeiten gossen Diener Wasser über die Hände der Speisenden, denn auch Reiche aßen mit den Fingern. Zu den Mahlzeiten tranken reiche Ägypter Wein, oftmals in großen Mengen.

Wie wohnte man im alten Ägypten?

An günstigen Stellen entstanden Siedlungen, aus denen manchmal richtige Städte hervorgingen. Günstige Stellen für die Entstehung von Städten war das Nilufer, eine Handelsstraße oder eine große Baustelle. 

 

Eine solche Großbaustelle war das „Tal der Könige“. Es lag mitten in der Wüste. Dort waren Bauarbeiter beschäftigt, um Königsgräber zu bauen. Die Bauarbeiter lebten mit ihren Familien in der Siedlung „Deir el-Medina“. Archäologen entdeckten die Reste dieser Siedlung. 

Die Fundstelle verrät, wie die Menschen damals gewohnt haben.
Eine hohe Ziegelmauer schützte die Bewohner Deir el-Medinas vor dem Wüstensand und vor wilden Tieren. In der Siedlung standen ungefähr 70 Häuser sehr eng zusammen.
Die Häuser hatten flache Dächer. Über eine Treppe gelangte man auf die Dächer und nutzte die Dächer als Terrasse. Alle Häuser hatten einen Keller, in dem Nahrungsmittel kühl gehalten werden konnten.
 
So sahen die Häuser damals aus:

Wie wohnten die Bauern?

Bauern lebten in einfachen Hütten aus Lehm oder Ziegeln. Die Dächer bestanden aus Palmblättern oder aus Schilf. Die Hütten hatten keine Fenster, sondern nur eine schmale Türöffnung.

In den Hütten gab es keine Möbel. Strohmatten dienten als Schlafstätte. Außerdem gab es einen Wasserkrug, Geschirr aus gebranntem Ton und Körbe aus Stroh. Die Hütten waren einstöckig und bestanden aus nur einem Raum.

Der Fußboden bestand aus festgestampfter Erde. In der hinteren Ecke der Hütte gab es eine Kochstelle. Durch ein Loch im Dach konnte der Rauch abziehen. Wahrscheinlich lebten die Bauern mit ihren Tieren unter einem Dach. Deshalb war es darin stickig und schmutzig.

Wie wohnten reiche Ägypter?

Reiche lebten in einer riesigen Anlage. Neben einem großen Wohnhaus gab es Nebentrakte, in denen die Bediensteten untergebracht waren. Es gab auch einen Kornspeicher und einen Garten.
Die Wohnanlage war von einer hohen Mauer umgeben. Ein Pförtner überwachte den Eingang

Aufgabe:

Die Aufgabe findest du im Ägypten-Heft auf Seite 11.