Das Ende der Weimarer Republik
Die erste deutsche Demokratie ist in der Zeit des totalen Chaos gegründet worden: Ein verlorener Krieg, heimkehrende Soldaten, Demonstrationen gegen den Kaiser, Straßenkämpfe zwischen Rechts und Links, Stürmung von Regierungsgebäuden, Einmischung bewaffneter Kampfgruppen, Erschießungen politischer Feinde. Und mittendrin die Ausrufung der Republik. Die erste demokratische Wahl, eine gemeinsam ausgearbeitete Verfassung. Diese sollte alle Gruppen im Land begünstigen und den Ausgleich zwischen den verfeindeten Lagern ermöglichen, damit das Land endlich zur Ruhe kommen könnte.
Doch statt dessen folgte eine Krise nach der nächsten. Die Kriegsschulden, die problematische Außenpolitik, die Weltwirtschaftskrise. Und im Windschatten der zahlreichen Krisen stieg die rechte Bewegung auf, die versprach, das Deutsche Reich in ihrer Art aus der Krise zu führen: mit Gewalt und ohne Demokratie.
Drei Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik
1. Die Wirtschaft - eine Achterbahnfahrt
Die wirtschaftliche Situation Deutschlands in den 1920er Jahren glich einer Achterbahnfahrt. Nach einer langen Talfahrt, ausgelöst durch die hohen Reparationsforderungen der Siegermächte, folgte im Jahr 1923 der totale Tiefpunkt in Form der Hyperinflation. Danach sorge der Dawes-Plan für eine spürbare Erholung der deutschen Wirtschaft. Diese hielt 5 Jahre an und sorgte für die „Goldenen Zwanziger“. Der Aufschwung endete mit dem New Yorker Börsencrash. Durch den Börsencrash gerieten amerikanische Unternehmen und Banken in große finanzielle Schwierigkeiten und mussten geliehenes Geld aus Deutschland abziehen. Außerdem konnte Deutschland keine Waren mehr in die USA exportieren. In den großen Überseehäfen stauten sich die Schiffe. Sie konnten ihre Güter nicht entladen, weil die Empfänger nicht in der Lage waren, die Waren zu bezahlen.
Die Regierung war immer wieder gezwungen, auf die wirtschaftlichen Krisen zu reagieren. Sie musste staatliche Leistungen kürzen und Steuern erhöhen. Damit zog sie die Wut der Menschen auf sich. Immer stärker wurde die Demokratie an sich in Frage gestellt.
Der Reichskanzler Heinrich Brüning musste nach dem amerikanischen Börsencrash eine besonders radikale Sparpolitik durchsetzen und zog damit den Hass der Bevölkerung auf sich.
Arbeitslosigkeit und Armut
Schon in den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs war die Zahl der Arbeitslosen sehr hoch. In Folge der Weltwirtschaftskrise stieg sie nun dramatisch an. Im Jahr 1932 waren 6 Millionen Menschen ohne Arbeit. Viele dieser Menschen hungerten und mussten ihre Wohnung aufgeben.
Im Roman „Fräulein Gold. Schatten und Licht“ beschreibt die Romanfigur Hulda, wie es in denen Familien zugeht, die sie besucht.
„Aus der Küche drang das Schnarchen ihres Ehemanns, und Hulda dachte, dass Lilo gut daran täte, sich bald mit ihrer ärmlichen Lebenssituation abzufinden. So schnell würde sie aus dem Hinterhof nicht herauskommen, mit einem ungelernten Fabrikarbeiter als Mann und demnächst einem Kind, auf das sicher noch mehr folgten. In dieser Kammer würden die Schmidts bald zu dritt schlafen, in wenigen Jahren zu viert und zu fünft, so sah es Hulda in vielen anderen Familien, die sie besuchte. Es würde keine Zeit mehr geben, sich wegen fehlender Spitzenborten oder gebrauchter Kinderkleidung den Kopf zu zerbrechen. Lilo und Wolfgang würden gegen Krankheiten kämpfen, gegen Läuse, Hunger, Wäscheberge und bedrückende Armut. Sie würden knapsen und sparen, um ihren Kindern wenigstens eine kleine Schulausbildung zu ermöglichen – und am Ende vermutlich an ihren eigenen Ansprüchen scheitern. Dies war das Leben, das vor ihnen lag, unausweichlich und gnadenlos. Die Schmidts waren in der Bülowstraße geboren und würden hier auch sterben. Mit viel Glück erst im Alter, wahrscheinlicher aber in der Lebensmitte. An einer Krankheit oder im Kindsbett.“
Im Vergleich zu früheren Reichstagswahlen ist eine zunehmende Zersplitterung erkennbar. Ganze 14 Parteien werden nach dieser Wahl im Reichstag vertreten sein.
Besonders rechts der Mitte sprießen viele Splitterparteien aus dem Boden, die jeweils nur kleine Personengruppen vertreten und unterschiedlich stark nationalistisch und antisemitisch ausgerichtet sind. Die SPD ist nach wie vor stärkste Kraft. Auch die KPD kann einen leichten Stimmenzuwachs verzeichnen.
Die Große Koalition
Durch die zunehmende Zersplitterung gestaltet sich die Regierungsbildung schwierig. Es kommt schließlich zu einem Zusammenschluss der gemäßigten demokratischen Parteien SPD, DDP, Zentrum, BVP und DVP zu einer Großen Koalition.
Die Parteien der Großen Koalition 1928-1930
Streitpunkt Arbeitslosenversicherung
Doch innerhalb dieser 5 Regierungsparteien war man sich vielleicht über den Erhalt der Demokratie einig, darüber hinaus gab es aber unzählige Meinungsverschiedenheiten. Größter Streitpunkt war die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung. Die DVP forderte als Vertreter der Großindustriellen eine Senkung der Beiträge. Die SPD verlangte hingegen eine drastische Erhöhung der Beiträge, um eine weitere Verarmung der Gesellschaft zu verhindern.
Die Koalition zerbricht
Im Zuge dieses Streites trat die DVP im Jahr 1930 aus der Großen Koalition aus, was deren Ende bedeutete. Als hätte Reichspräsident Paul von Hindenburg nur darauf gewartet, installierte er eine sogenannte "Präsidialregierung", die keine Mehrheit im Reichstag hatte und nur durch seine Gunst arbeiten konnte. Von Hindenburg und der von ihm eingesetzte Reichskanzler Heinrich Brüning (Zentrum) regierten nun durch Notverordnungen, wie es ihnen der Artikel 48 der Verfassung ermöglichte.
Im Juli 1930 versuchten die Reichstagsabgeordneten, sich gegen Hindenburgs dauerhaftes Erlassen von Notverordnungen zu wehren und hoben eine seiner Notverordnungen auf. Daraufhin löste von Hindenburg den Reichstag auf und setzte Neuwahlen an. Diese Praxis wiederholte er in den nächsten 2,5 Jahren immer wieder, wenn der Reichstag sich gegen seine Nicht-Beachtung wehrte.
3. Das Erstarken der Rechten: Der Oberste Heerführer wird Reichspräsident
Im Jahr 1925 fanden Reichspräsidentschaftswahlen statt. Ein republikfeindlicher "Reichsblock" stellte den ehemaligen General Paul von Hindenburg als Kandidaten auf, der im zweiten Wahlgang auch tatsächlich gewählt wurde.
Die junge Republik hatte neben all ihren Problemen nun einen 77-jährigen Reichspräsidenten, der überzeugter Monarchist war, der republik- und demokratiefeindlich eingestellt war und der seit Jahren unermüdlich die Lüge vom "Dolchstoß" verbreitete und damit das
politische Klima vergiftete. Ein schwerer Schlag!
Die Stunde der Radikalen
Nach dem Krieg, der Hyperinflation und der Weltwirtschaftskrise wurde die Gruppe der Menschen, die alles verloren hatten, immer größer. Diese Menschen hatten nun über zehn Jahre lang instabile Regierungen erlebt, die die Probleme nicht in den Griff kriegten. Kein Wunder, dass sie an den gemäßigten Parteien der gemäßigten Mitte immer mehr zweifelten.
Immer lauter brüllten die Vertreter der links- und rechtsradikalen Parteien ihre Parolen. Die KPD versprach: "Die Not ist vorbei, wenn der Kapitalismus überwunden ist!" Die NSDAP versprach: "Die Not ist vorbei, wenn die Demokratie vernichtet ist und ein Führer das Land aus der Krise leitet!"
Immer mehr Menschen fühlten sich von diesen Versprechen angezogen und wandten sich den radikalen Parteien zu.
Bei den von Hindenburg erzwungenen Neuwahlen im Jahr 1930 verzeichneten die Parteien am linken und rechten Rand einen deutlichen Stimmenzuwachs. Bei der NSDAP betrug der Stimmenzuwachs sogar 15,7%. Auch die linksradikale KPD konnte deutlich zulegen. Die linksliberale DDP, die sich seit 11 Jahren unermüdlich um Ausgleich und Verständigung bemühte, erlitt einen dramatischen Einsturz. Insgesamt wählten im Jahr 1930 ca. 40% der Menschen antidemokratisch.
Die Reichstagswahl 1930
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Hier bekommst du nähere Informationen zur Wahl und zu den Ergebnissen.
Die endgültige Zerstörung der Demokratie
Heinrich Brüning verfolgte weiter rigoros seine Sparpolitik und machte sich damit immer mehr Feinde. Von Hindenburg, mittlerweile 83 Jahre alt, arbeitete weiter an der Aushöhlung des Parlaments, womit Brüning nicht einverstanden war. Zwischen beiden häuften sich die Meinungsverschiedenheiten. Die Lage spitzte sich zu, als Brüning Hilfszahlungen für Landgüter streichen wollte. Von Hindenburg war selbst Besitzer eines solchen Landgutes und wäre von einer Kürzung persönlich betroffen gewesen. Bockig verkündete er, keine einzige Notverordnung für Brüning mehr zu unterschreiben. Damit war dieser nicht mehr handlungsfähig und musste zurücktreten. Außerdem wurde der Reichstag aufgelöst und für den Juli 1932 Neuwahlen angesetzt.
Die Reichstagswahl Juli 1932
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Ergebnis der Wahl: Ein erdrutschartiger Sieg für die NSDAP. Innerhalb der vielen kleinen rechten Splitterparteien, die in den letzen Jahren aus dem Boden geschossen sind, kann sie sich nun klar durchsetzen. Sie sammelt alle Stimmen der nationalistisch-antisemitisch orientierten Wähler und wird dadurch eine ernstzunehmende Kraft am rechten Rand.
Nicht nur viele rechte Splitterparteien versinken in der Bedeutungslosigkeit, sondern auch die Parteien der politischen Mitte. Der DDP, die das Herz der Weimarer Republik war, die unermüdlich um den Ausgleich zwischen Links und Rechts kämpfte, vertrauen in dieser Wahl nur noch 1% der Wähler.
Eine Regierungsbildung war mit diesem Wahlergebnis nicht möglich. Es gab Verhandlungen zwischen dem Zentrum und der NSDAP, diese scheiterten aber an den hohen Forderungen der NSDAP. Um eine Regierung bilden zu können, sollten im November 1932 schon wieder Reichstagswahlen stattfinden.
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Hier gibt es genauere Informationen zur Wahl.
Die NSDAP hat einen leichten Rückgang erlitten, ist aber immer noch stärkste Partei. Die Regierungsbildung ist durch die Neuwahl nicht einfacher geworden.
Adolf Hitler als Reichskanzler
Nach Heinrich Brüning wurden Franz von Papen und Kurt von Schleicher Reichskanzler, beide nur für wenige Wochen. Beide scheiterten an der Regierungsbildung. Durch den enormen Stimmenzuwachs der NSDAP in beiden Wahlen des Jahres 1932 wird nun auch deren Parteiführer Adolf Hitler eine ernstzunehmende politische Größe. Es gründete sich eine Lobby aus Industriellen und Großagrariern, die beim Reichspräsidenten für Adolf Hitler als neuen Reichskanzler ausspricht. Von Hindenburg hatte zwar Bedenken, beugte sich dann aber dem Willen seiner Berater. Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum neuen Reichskanzler ernannt. Damit waren beide höchsten Ämter im Staat mit erklärten Feinden der Republik besetzt, was deren Ende bedeutet.
Aufgaben zum Ende der Weimarer Republik
Notiere Stichpunkte
- zu den wirtschaftlichen Gründen,
- zur schwierigen Regierungsbildung ab 1928,
- zum Erstarken der rechten Bewegung ab 1925
- zur Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler.