Das Militärwesen

Ein stehendes Heer

Egal, wie ein Herrscher sein Reich regierte - er war auf militärische Unterstützung angewiesen. Seit dem Mittelalter gab es verschiedene Arten, ein Heer aufzustellen.


Die drei Phasen der militärischen Organisation:

Phase 1:

Im Mittelalter, als die Könige noch nicht nach der Alleinherrschaft strebten, gehörte es zu den Pflichten der Adligen, dem König im Kriegsfall Soldaten, Pferde und Waffen zur Verfügung zu stellen. 



Phase 2:

Am Ende des Mittelalters wollten viele Könige nicht mehr vom Adel abhängig sein. Das bedeutete aber auch, dass die Könige auf die Soldaten der Adligen verzichten mussten.
Deshalb setzten die Könige zuerst auf Söldner.
Das waren ausgebildete Kämpfer, die man für einzelne Schlachten, Kämpfe oder Kriege anheuern konnte. Der Söldner wurde nur für die Zeit seines Einsatzes beschäftigt und bekam für diese Zeit eine Entlohnung. Nach dem Einsatz wurde er wieder entlassen.
Die Kosten für ein Söldnerheer waren noch überschaubar.

Phase 3:

Ludwig der XIV. ging noch einen Schritt weiter. Er baute eine große und starke Armee auf, die ihm direkt unterstand und die sich in ständiger Bereitschaft halten musste. Die Soldaten im stehenden Heer waren dauerhaft im Dienst und hatten natürlich auch dauerhaft Anspruch auf Lohn

Die Ausstattung des stehenden Heeres:

Ludwigs stehendes Heer bestand aus sagenhaften 400 000 Soldaten. Diese wurden mit modernsten Waffen ausgestattet.
Außerdem veranlasste Ludwig XIV., dass alle Soldaten einheitliche Uniformen erhielten. Damals eine Neuheit! Die Soldaten waren einem strengen Drill unterzogen und mussten den absoluten Gehorsam einüben. Die oberste Befehlsgewalt lag beim König. Kein Wunder, dass Ludwigs stehendes Heer durch diese Maßnahmen zur stärksten Militärmacht in Europa aufstieg. 



Die Aufgabenbereiche des stehenden Heeres:

1. Sicherung der Grenzen

Immer wieder kam es zu Streitigkeiten an den Grenzen des Reiches. Früher waren die Adligen, die im Grenzgebiet wohnten, für die Sicherung zuständig. Doch im Zuge der Machtbeschränkung des Adels musste der König auf diese Unterstützung verzichten. Um sich vor feindlichen Angriffen aus den Nachbarländern zu schützen, ließ Ludwig der XIV. einen Festungsgürtel aus 160 Befestigungsanlagen errichten. Diese ließ er durch Soldaten aus dem stehenden Heer bewachen.
Ganz beiläufig ließ er sich dann von den Adligen ihre Waffen aushändigen, die sie nun nicht mehr zur Sicherung der Grenzen benötigten. Ausgesprochen praktisch, denn waffenlose Adlige können keinen Aufstand gegen den König anzetteln...


2. Sicherung der königlichen Macht

Der König hatte die Lebensqualität des dritten Standes massiv eingeschränkt. Was war, wenn diese Bevölkerungsgruppen einen Aufstand wagten, um sich gegen die Macht des Königs zu wehren? Dann war das stehende Heer sofort kampfbereit und schlug den Aufstand im Auftrag des Königs nieder.


3. Flächen dazugewinnen 

Doch es ging dem König nicht nur um Verteidigung. Ihm schwebte vor, die Grenzen Frankreichs zu "begradigen". Für eine "gerade Grenze" wollte er Gebiete an der Grenze zu Spanien und zum deutschen Gebiet dazugewinnen. Das klappte auch - die Karte zeigt die Gebietsgewinne unter dem Sonnenkönig:

4. Kriege gegen andere Länder

Ludwig suchte auch den Konflikt mit Nachbarstaaten. Er fühlte sich einer Umklammerung durch die Habsburger ausgesetzt, denn Holland im Nordosten und Spanien im Süden gehörten zum Machtbereich des Habsburger Königshauses. Gegen beide Länder führte Ludwig erfolgreich Krieg.
Die anderen europäischen Staaten beobachteten das Machtstreben Ludwigs mit Argwohn. Nach den haushohen Siegen gegen Holland und Spanien passierte etwas, was vor einigen Jahrzehnten noch undenkbar war: Katholische und protestantische Staaten schlossen sich zu einer Liga zusammen, um sich gemeinsam gegen die Übermacht Frankreichs zu wehren. Doch auch diese Liga konnte am Erfolg der Franzosen nichts ändern. Das französische Heer war zahlenmäßig und technisch einfach besser ausgestattet, als alle anderen europäischen Armeen. 


5. Eroberung von Kolonien

Wer in Europa wirtschaftlichen Erfolg erzielen wollte, brauchte Kolonien! Ihr habt schon erfahren, wie brutal und rücksichtslos die Europäer die einheimischen Arbeiter in den Kolonien ausbeuteten. Auch Ludwig der XIV.wollte für sein Land etwas vom "großen Kuchen" abhaben. Seine Truppen eroberten:

  • Teile Kanadas (Amerika),
  • Teile Haitis (Amerika),
  • Teile Guayanas (Amerika)
  • Teile Madagaskars (Afrika),
  • den Senegal (Afrika) und
  • Teile Indiens (Asien).



Die Weltkarte zeigt alle französischen Kolonien, die bis 1939 erobert wurden. Klicke die Karte an, um sie zu vergrößern.

Aufgaben:

1. a) Vergleiche das Söldnerheer mit dem stehenden Heer in einer Tabelle.

b) Du bist ein gut ausgebildeter Soldat im Staat des Sonnenkönigs. Würdest du lieber als Söldner beschäftigt werden oder als Soldat im stehenden Heer? Begründe deine Entscheidung.


2. Zähle die Ausstattungsmerkmale von Ludwigs stehendem Heer auf.

*Zusatz: Nenne und erkläre knapp die fünf Aufgabenbereiche des stehenden Heeres.