Napoleon gegen Preußen

Unglaublich aber wahr: Zeitgleich kämpfen in zwei Orten, die gerade einmal 25 Kilometer auseinander liegen, französische und preußische Truppen einen erbitterten Kampf um die Macht in Europa. Und die Truppen wissen nichts von der jeweils anderen Schlacht. Die Schlachten toben ganz in unserer Nähe - in Jena und Auerstedt...

Was war der Auslöser?

Der preußische König beobachtet mit Sorge, dass sich Napoleons Macht immer weiter ausbreitet. Würde Napoleon auch Preußen erobern und die Macht über Preußen übernehmen? Der preußische König will das verhindern. Er sichert sich Verstärkung zu, indem er ein Bündnis mit Russland eingeht.

Durch dieses Bündnis abgesichert, fordern die Preußen: 

  • den Abzug aller französischen Truppen rechts des Rheins und
  • die Auflösung des Rheinbundes.


Napoleon hat nur auf eine derartige Provokation gewartet und erklärt Preußen umgehend den Krieg. Preußen sichert sich die Unterstützung Sachsens.

Die Schlacht bei Jena

Im Oktober des Jahres 1806 ziehen preußische und sächsische Truppen im beschaulichen Landstreifen zwischen Weimar und Jena ein, um gemeinsam gegenüber der französischen Armee einen Machtanspruch geltend zu machen.

Die Vorbereitungen

Der sächsische Bataillon besetzt in der Vorbereitung der Schlacht den Landgrafenberg, von dem man eine gute Sicht auf Jena hat.

Jena wird verwüstet

Gleichzeitig ziehen 22 000 französische Soldaten nach Jena. Die städtische Verwaltung, aber auch die Bewohner Jenas sind überhaupt nicht auf militärische Auseinandersetzungen eingestellt. Sie versuchen, sich zu verbarrikadieren oder in die umliegenden Gärten zu fliehen.

Die französischen Soldaten verwüsten die Häuser auf der Suche nach Nahrung und Geld. Dabei bricht in der Johannisstraße ein Brand aus, der aber gelöscht werden kann.

Die Franzosen erobern den Landgrafenberg

Auf dem Landgrafenberg kommt es zum ersten Aufeinandertreffen von französischen und sächsischen Truppen. Die Sachsen können den Franzosen nichts entgegensetzen und werden vom Landgrafenberg vertrieben. Die französische Armee kann die strategisch wichtige Stelle mit Sicht über das ganze Saaletal einnehmen. 

Der preußische Oberste Befehlshaber, der Fürst von Hohenlohe, könnte nun anweisen, dass der Landgrafenberg zurückerobert werden muss. Dazu sieht er aber keinen Anlass. Er hält es für unmöglich, schwere Artillerie den steilen Hang hinauf zu transportieren.

Kurz darauf trifft Napoleon selbst mit seiner 8500 Mann starken Garde am Landgrafenberg ein. Nachts werden Kanonen auf den Berg gebracht. Alle französischen Truppen werden auf dem Landgrafenberg zusammengezogen. 


Truppenstärken

Die preußischen Truppen sind an verschiedenen Standorten verteilt: 

  • 22 000 Soldaten sind in Kapellendorf im Nachtlager, 
  • 8000 Mann halten sich in Dornburg auf. 


Zwischen den Kapellendorfer und den Dornburger Soldaten sind aber 8000 französische Soldaten stationiert, so dass man die preußischen Truppen schlecht zusammenziehen kann. 

  • Weiterhin halten sich 15 000 Soldaten in Weimar bereit. Man hätte sich fragen müssen, wie man diese Truppenteile im Falle des Schlachtausbruchs schnell zusammenbringen soll…


Napoleon hat 56 000 Soldaten zusammengezogen. Er rechnet aber damit, gegen die berüchtigte preußische Hauptarmee kämpfen zu müssen, die um die 100 000 Soldaten stark ist. Deshalb fordert Napoleon Verstärkung, so dass er bald über 96 000 Soldaten verfügen kann. 

Die Schlacht beginnt 

Am Morgen des 14. Oktober 1806 liegt eine dichte Nebeldecke über dem landschaftlichen Dreieck zwischen Jena, Apolda und Weimar. Napoleons Soldaten stehen dicht zusammengedrängt auf dem Landgrafenberg. Ohne den Nebel hätte die preußische Armee die französischen Soldaten mit Artillerie beschießen können. Doch durch den Nebel sind die Franzosen auf dem Berg völlig sicher.

Doch eine Schlacht gewinnen kann man so nicht! Also entscheidet Napoleon, dass die Soldaten den langen, schmalen Bergrücken hinab in die Ebene marschieren müssen – möglichst schnell, ehe die Preußen auf die Idee kommen, den Zugang zur Ebene unten abzuriegeln. Napoleon gibt zuerst den Befehlshabern Anweisungen und bestärkt dann die Kampfmoral seiner Soldaten, indem er ihre Reihen abreitet und motivierende Reden hält. Er erinnert sie an ihre glanzvollen Siege im letzten Jahr gegen die Österreicher in der Schlacht von Austerlitz. Unten angekommen nehmen die Franzosen das Örtchen Closewitz unter Beschuss. Es kommt zum Gefecht mit preußischen Soldaten, bei dem die Preußen bis nach Dornburg zurückgedrängt werden. 

 


Napoleon reitet seine Soldatenreihen ab

Dornburg

Schlechtes Timing

Die Preußen haben diese Auseinandersetzung von vornherein nicht ernst genommen. Sie sind nur auf kleine Gefechte eingestellt. Die preußisch-sächsischen Soldaten sind immer noch auf verschiedene Standorte verteilt. Die meisten preußischen Soldaten sind noch in Closewitz und im Kapellendorfer Schlaflager. 
Dort gibt es um sieben erst einmal ein gemütliches Frühstück. Dieses wird durch Meldungen vom Angriff der Franzosen auf Closewitz gestört. Doch der Befehlshaber Hohenlohe winkt ab. Um 8 Uhr äußert ein weiterer General die Idee, das Lager in Kapellendorf zu räumen und sich in Richtung Closewitz auf den Weg zu machen. Erst um 8 Uhr 30 willigt Hohenlohe ein. Um 9, immer noch in dichtem Nebel, setzt sich der Trupp aus Kapellendorf langsam in Bewegung. Währenddessen finden französische Angriffe auf Closewitz, Cospeda und Lützeroda statt. Auch Isserstedt wird angegriffen. Aus dem Mühltal rückt immerzu französische Verstärkung an.

 

Mittlerweile hat sich sogar die in Weimar bereitstehende Truppe in Bewegung gesetzt. Hohenlohe traut sich vor dem Eintreffen der Verstärkung aus Weimar keinen Angriff auf die Franzosen zu. Stattdessen stehen seine Soldaten ungedeckt auf dem freien Feld unter Dauerbeschuss. Die Franzosen treiben die Preußen vor sich her. Hohenlohe bleibt nichts anderes mehr übrig, als den Rückzug zu befehlen. Nun werden sie auch noch von der französischen Kavallerie angegriffen, was die Preußen zu einer panischen Flucht veranlasst.

 

Um 13 Uhr ist die Verstärkung aus Weimar immerhin bis nach Kapellendorf gekommen. Dort werden die Soldaten regelrecht von der aufgelösten Truppe Hohenlohes überrannt, die in ihre Richtung flüchten.
Der Befehlshaber der Weimarer Truppe wagt noch einen Gegenstoß gegen die Franzosen, der aber auch keinen Erfolg bringt. Die legendäre Schlacht bei Jena endet mit einer massenhaften Flucht preußisch-sächsischer Soldaten in Richtung Weimar/Erfurt. In der Masse der Flüchtenden geht der Weimarer Verstärkungstrupp regelrecht unter. 

Ausgang der Schlacht

Die Schlacht endet mit einer geradezu peinlichen Niederlage der Preußen. 10 000 preußisch-sächsische Soldaten sterben, weitere 10 000 werden gefangengenommen. Auf der französischen Seite gibt es 7500 Tote und Verwundete zu vermelden.

 


Die Schlacht bei Auerstedt

 

Zeitgleich zu den Ereignissen zwischen Jena und Weimar kämpfen nur 25 Kilometer weiter 27 000 Franzosen gegen 50 000 Preußen in der Schlacht von Auerstedt.

 

Die Schlacht beginnt

Auch hier ist das Kampfgeschehen von starkem Nebel bestimmt. Zum Beginn der Schlacht werden zwei wichtige preußische Generäle schwer verletzt, deren Offiziere dann ohne Führung sich selbst überlassen sind. Da diese Situation nie geübt wurde, bricht Chaos aus. Die preußischen Truppen müssen die Ilm überqueren und werden dadurch in zwei Teile gerissen. Das erleichtert den französischen Soldaten den Angriff.

Die ersten Gefechte gehen zugunsten der Franzosen aus, so dass der preußische König Friedrich Wilhelm III. den Rückzug anordnet.

Seine Soldaten mischen sich aber beim Rückzug mit den Soldaten, die nach der Schlacht von Jena in Richtung Weimar flüchten – es entsteht Chaos.

 

Gründe für die Niederlage 

Der für die Preußen unglückliche Verlauf der Schlacht von Auerstedt ist auf die Unentschlossenheit der beiden Entscheidungsträger zurückzuführen. König Friedrich Wilhelm III. und der Herzog von Braunschweig schoben sich gegenseitig die Entscheidungen zu, weil sie den anderen für kompetenter hielten als sich selbst. 

Außerdem gibt es unter den Generälen viele Machtkämpfe und Rivalitäten, was sich negativ auf das Kampfgeschehen auswirkt. 

Insgesamt kann man sagen, dass die Preußen immer zu spät angriffen oder sich zu spät geschlossen aufstellten. Durch schlechtes Timing und fehlende Absprachen ermöglichten die Preußen es den Franzosen immer wieder, sich geordnet aufzustellen und anzugreifen.

 

Ausgang der Schlacht

So siegten die französischen Truppen auch in der Schlacht von Auerstedt haushoch. Die Preußen erlebten in Jena und Auerstedt zeitgleich zwei derbe Niederlagen. 

 

Die Folgen

Mit den zwei Siegen gegen die Preußen weist Napoleon die ehemalige militärische Großmacht schmerzhaft in ihre Schranken. Die Preußen haben jeden Anspruch auf eine Mitgestaltung Europas verloren. Napoleon demütigt den preußischen König, in dem er triumphal in Berlin, der preußischen Hauptstadt, einzieht.
In den Friedensverhandlungen sichert sich Napoleon das Fürstentum Erfurt. Der Rest des zersplitterten Thüringens und das Königreich Sachsen werden Teile des Rheinbundes, so dass dieser erheblich vergrößert wird.

Rheinbund 1806 vor den Schlachten von Jena und Auerstedt

Rheinbund 1808 nach den Schlachten von Jena und Auerstedt

Aufgaben

Beantworte die folgenden Fragen in Stichpunkten oder Sätzen (aber bitte in eigenen Worten). Schreibe deine Lösungen in den Geschichtshefter.

Zur Schlacht bei Jena:

1. a) Warum strebte der preußische König einen Krieg mit Napoleon an?
b) Mit wem gründete der König von Preußen Bündnisse?

2. Erkläre, wie die Verwüstung Jenas genau ablief.

3. Zuerst sicherte sich der sächsische Bataillon den Landgrafenberg. Doch was passierte dann mit dem Landgrafenberg?

4. Napoleon hatte seine Soldaten an einem Ort zusammengezogen. Denn wenn die Schlacht losgehen sollte, sollten alle Soldaten an einem Ort bereitstehen. Wie aber war das bei den preußischen Soldaten?

5. Nach langer Warterei und viel Vorbereitung ging die Schlacht zwischen Frankreich (angeführt von Napoleon) und den Preußen dann los. Notiere, wie diese Schlacht verlief.

6. Preußen handelte sich eine haushohe, peinliche Niederlage ein und verlor dadurch den Ruf der unschlagbaren Militärmacht. Erkläre, warum Preußen gegen Frankreich verloren hat (mehrere Gründe).

Zur Schlacht von Auerstedt:

7. Notiere knapp den Verlauf und den Ausgang der Schlacht von Auerstedt.