Die mittelalterliche Stadt

Der Aufbau der mittelalterlichen Stadt 

Zeitreise: Wir reisen in das Jahr 1248. Anna ist eine Bauerntochter. Mit ihren Eltern und den vier jüngeren Geschwistern lebt sie in einem kleinen Dorf. Noch nie war sie weiter als bis zum Wald und den Feldern vom Bauernhof der Eltern entfernt. Aber heute ist ein besonderer Tag. Mit der Mutter darf sie in die Stadt. Dort will die Mutter auf dem Markt Gemüse und ein paar Hühner verkaufen.



Es ist noch Nacht, als Anna und ihre Mutter den kleinen Handkarren beladen. Zur Stadt ist es weit. Viele Stunden gehen die beiden am Fluss entlang, denn so können sie die Stadt nicht verfehlen. Als es tagt, sieht Anna schon von weitem eine Burg, die hoch über der Stadt liegt, und die Spitzen eines Kirchturmes. Die Stadt ist zum Schutz der Bürger von einer Mauer umgeben. Auch die Wehrtürme sind schon zu erkennen. Lange gehen Anna und ihre Mutter die Stadtmauer entlang, vorbei an einem großen Kloster, bis sie zum Stadttor kommen. Nur an dieser Stelle kann man die Stadt betreten. Viele Bauern warten schon, bis der Torwächter ihre Karren kontrolliert hat und sie eintreten lässt. Eng gedrängt stehen die Holzhäuser in den Gassen hinter der Stadtmauer. Aus den Werkstätten hört Anna Geräusche von Hammerschlägen. Hier wohnen wohl Handwerker. Anna und ihre Mutter folgen einer Gasse, die immer breiter wird und die bis zum Marktplatz führt. So etwas hat Anna noch nie gesehen: Ein riesiger Platz öffnet sich, auf dem Marktstände aufgebaut sind und auf dem sich hunderte Menschen drängen. Was hier alles angeboten wird: Obst, Gemüse, Tonschüsseln, Kochtöpfe, Stoffe und vieles mehr. Hier am Marktplatz sind die Häuser größer und prachtvoller als in den Gassen der Handwerker. Es sind Häuser aus Stein. Hier wohnen wohl reiche Bürger. Auch die Kirche, deren Turm Anna schon von weitem gesehen hat, liegt hier am Marktplatz. Der Brunnen in der Mitte des Marktplatzes ist umlagert von Bettlern, die versuchen, von den Bürgern der Stadt ein Almosen zu bekommen. An einem prächtigen Gebäude, dem Rathaus, ist eine rote Fahne aufgehängt. Das ist das Zeichen für den Markttag. erklärt die Mutter. Vor dem Rathaus steht der Pranger, ein riesiger Holzpfahl, an den ein Mann angekettet ist. Die Vorübergehenden verspotten ihn. Ein paar Jungen bewerfen ihn mit Gemüseabfällen.