Klöster im Mittelalter


Die Schreibstube


Durch die gute Bildung im Kloster hatten die Mönche der restlichen mittelalterlichen Gesellschaft etwas voraus: Sie konnten lesen und schreiben. In den klösterlichen Schreibstube gingen sie der Aufgabe nach, Bücher zu schreiben und diese kunstvoll zu verzieren.

Auf was wurde geschrieben?

Bevor die Papierherstellung entdeckt wurde, schrieben die Mönche auf Pergament, welches sie aus Tierhaut selbst herstellten. Pergament war sehr teuer, so dass nur bedeutsame Dinge aufgeschrieben wurden. 

Mit was wurde geschrieben?

Mit einem Gänsekiel brachten die Mönche ihre Schrift aufs Pergament. Dessen Spitze wurde durch die Tinte schnell aufgeweicht und musste mit einem scharfen Messer immer wieder nachgeschnitten werden.

Auch die Tinte stellten die Mönche selbst her. Dazu verwendeten sie Ochsengalle, Ruß, Eiweiß und Wasser.

Wie war der Ablauf?

Um ein Buch zu schreiben, begann ein Mönch mit der Linierung. Dadurch legte er die Zeilenhöhe und die Zeilengrenze fest. Meistens schrieben die Mönche dann vorhandene Bücher ab. Dafür gab es zwei Varianten:

Ein Mönch schrieb allein ein vorliegendes Buch ab. Der Zeitaufwand war dann sehr groß. Um die Bibel abzuschreiben, brauchte ein Mönch mit dieser Methode ungefähr ein Jahr.


Eine effektivere Methode war, dass ein Mönch ein Buch langsam vorlas und mehrere Mönche mitschrieben. Mit dieser Methode entstanden mit einem Mal gleich mehrere Bücher. Allerdings gab es Abweichungen in der Schreibweise der Wörter.

Die fertig geschriebenen Bücher wurden an den Rubrikator weitergereicht. Seine Aufgabe war, kunstvolle Anfangsbuchstaben einzusetzen.

Auf der abgebildeten Buchseite hat ein Rubrikator ein "R" kunstvoll verziert, indem er sich darin dargestellt hat...

Danach wurde das Buch dem Illustrator vorgelegt, der das Buch mit Bordüren und Bildern verzierte.

So kunstvoll und farbenfroh wurden die Buchseiten verziert.

Zum Abschluss wurden die Seiten vom Buchbinder gebunden.

Was wurde geschrieben?

Mit dieser zeitaufwendigen Methode wurden natürlich nur Bücher geschrieben, die für außerordentlich wichtig gehalten wurden und die man auch für die Nachwelt bewahren wollte. Diese Werke fand man in der Kloster-Bibliothek:


  • DIE BIBEL, DIE BIBEL, DIE BIBEL: Da die Menschen im Kloster ihr Leben Jesus Christus und dem Glauben an ihn widmeten, mussten sie die Bibel genau kennen. Denn dort stehen alle Regeln, nach denen die Christen leben sollen. 

 

  • WERKE AUS DER ANTIKE: Im Mittelalter schaute man voller Bewunderung zurück auf die Zeit der griechischen und römischen Antike. Die Mönche staunten, was damals alles geschrieben, gemalt und gebaut wurde. Die Texte griechischer Wissenschaftler und Philosophen wurden in den Klöstern regelrecht verschlungen. Auch antike Theaterstücke wurden häufig abgeschrieben.

 

  • KRÄUTERHEILKUNDE: In den Klostergärten wurden Kräuter angebaut, aus denen Heilmittel gemixt wurden. Diese wurden den Kranken verabreicht. Die Nonne Hildegard von Bingen wurde berühmt für ihre Kräuterheilkunde. Hier kannst du mehr darüber erfahren. Wurden in einem Kloster neue und wirksame Rezepturen entwickelt, wurden diese in Büchern aufgeschrieben, um sie für die Nachwelt zu erhalten. 

Aufgabe 6:

Hier sind Antworten aufgelistet, zu denen du die richtige Frage formulieren musst. Schreibe alle Fragen und Antworten in deinen Hefter.


1. (Frage): Auf Pergament. Das ist gespannte Tierhaut.
2. (Frage): Mit einem Gänsekiel.
3. (Frage): Aus Ochsengalle, Ruß, Eiweiß und Wasser.
4. (Frage): Die Linierung, also das Festlegen der Zeilenhöhe und der Zeilengrenze.
5. (Frage): Er setzte kunstvolle Anfangsbuchstaben ein.
6. (Frage): Er verzierte das Buch mit Bordüren und Bildern.
7. (Frage): Die Bibel.
8. (Frage): Um wirksame Rezepturen für die Nachwelt festzuhalten.