Urheberschaft ungeklärt

Schon während der Ausbildung in Verocchios Werkstatt hat Leonardo an Gemälden seines Lehrmeisters mitgearbeitet. So können Kunstexperten in Verocchios Gemälden kleine Details erkennen, die sie Leonardo zuordnen. Sein Stil und seine Detailtreue sind unverkennbar. Es war damals üblich, dass mehrere Maler an einem Bild arbeiteten, deshalb ist bei vielen Gemälden Leonardos Anteil ungeklärt. Gleichermaßen ließ Leonardo später, als er der Lehrmeister war, seine Schützlinge an seinen Werken mitarbeiten. Demzufolge gibt es bei vielen Werken Uneinigkeit darüber, was genau Leonardo wirklich gemalt hat. 
Es sind gerade einmal 14 Werke, die die Experten ohne Zweifel allein Leonardo zuschreiben. Einige werden nun genauer vorgestellt.

Das letzte Abendmahl

Die Szene ist legendär: Jesus verbringt mit seinen Anhängern den letzten Abend, bevor er gekreuzigt wird. Er berichtet den Anhängern von seinem bevorstehenden Tod und erzählt ihnen auch, dass unter ihnen ein Verräter sei, der Mitschuld an seiner Ermordung trägt. Von dieser Szene gab es zu diesem Zeitpunkt schon viele Darstellungen:


Doch Leonardo hatte eine neue, originelle Idee: Er wollte genau den Moment darstellen, in dem Jesus seinen Jüngern verkündet, dass ein Verräter unter ihnen sei. Das Bild musste also die Reaktionen der Jünger auf diese Nachricht "einfangen" - die Entfesselung der Gefühle, Empörung, Unruhe, Angst. Noch nie wurde der Abschied von Jesus so ergreifend dargestellt wie in diesem Bild:

"Das letzte Abendmahl"
Gemalt zwischen 1494 und 1497.

Auch in technischer Hinsicht ist das Gemälde bedeutsam. Leonardo verleiht dem Bild eine
"Zentralperspektive".

Zentralperspektive:  Das war eine neue Gestaltungstechnik in der Renaissancemalerei. Dabei ordnet der Maler alle Raumlinien so an, dass ein 3D-Effekt entsteht. Der Betrachter soll sich so fühlen, als würde er selbst Teil des Bildes sein und im gemalten Raum stehen. Das Gemälde wird dadurch realistischer und erweckt den Eindruck von räumlicher Tiefe.

Meist führen die Raumlinien in die unendliche Weite einer Landschaft, so dass unser Blick in die Ferne geleitet wird. Beim "Letzten Abendmahl" hingegen "enden" alle Raumlinien auf dem Kopf von Jesus:

Die Verkündigung

"Verkündigung"
1473

Ein Engel verkündet Maria, dass sie Jesus empfangen wird. Auch hier: Zentralperspektive und ein Blick in die ferne Landschaft.


Andere Werke 

Doch auch die anderen Werke Leonardos sind von atemberaubender Schönheit und beweisen das große Talent des Künstlers...


"Madonna mit der Nelke"
1473-1478


"Bildnis der Ginevra de Benci"
1474-1478


"Madonna Benois"
1475-1478


"Die Felsgrottenmadonna"
1483-1486


"Die Dame mit dem Hermelin"
1483-1490

"Bildnis der Mona Lisa"
1503-1505


"Anna Selbtritt"
1508-1510


"Johannes der Täufer"
1513-1516


Die Maltechnik

Leonardo da Vinci arbeitete sehr gewissenhaft und detailverliebt. Er bereitete ein Gemälde oft monatelang vor, in dem er Skizzen anfertigte oder Einzelheiten ausprobierte. Achtet einmal auf die Falten an Kleidungsstücken, auf die lockigen Haare der gezeigten Personen oder auf die geheimnisvollen Gesichtsausdrücke... Achtet auf die filigranen Landschaften in weiter Ferne. Interessant ist auch sein Spiel mit Licht und Dunkelheit. 
Auch die Bewegungen der Menschen, die Anspannung der Muskeln wollte der Künstler so echt wie möglich darstellen. Dafür erkundete er gegen das Verbot der Kirche den menschlichen Körper.

All diese Kleinigkeiten faszinieren die Menschen auf der ganzen Welt bis heute an Leonardos Bildern. Leonardo hat an jedem Gemälde mehrere Jahre gearbeitet.
Weil er so vielseitig interessiert war, hat er das Malen immer wieder unterbrochen - das nächste Projekt, der nächste Auftrag lagen schon bereit...