Burg Gleichen

Die Burg Gleichen liegt auf einer Erhöhung, die zur Hügelkette "Rhönberg" gehört. Der Berg, auf dem die Wachsenburg steht, hat eine kegelartige Form und erreicht eine Höhe von 370 Meter.

Die Burg wurde an einer Handelsstraße errichtet, die im Mittelalter sehr bedeutsam war. Über Oberhof führte diese Handelsstraße von Erfurt nach Nürnberg und war damit eine wichtige Nord-Süd-Verbindung im Frankenreich.

Wie man auf dem Foto sehen kann, liegt die Burg auch heute noch an "einer wichtigen Handelsstraße" - der Autobahn A4... 

Am Fuße des Burgberges liegt das Vorwerk, welches seit dem 17. Jahrhundert als "Freudenthal" bezeichnet wurde. Die folgende Zeichnung aus dem Jahr 1818 zeigt das Freudenthal mit der Burg Gleichen im Hintergrund.

Woher kommt der Name?

Der Ursprung des Namens ist nicht eindeutig geklärt. Der Ursprung könnte das keltische Wort "glich" sein, was "Felsen" bedeutet. Der Name könnte auch "gleich" bedeuten und sich auf die Ähnlichkeit zur Mühlburg beziehen.

Fest steht: Die Bezeichnung "Drei Gleichen" für die Mühlburg, Die Burg Gleichen und die Wachsenburg tauchte erstmals im Jahr 1711 in schriftlichen Dokumenten auf.


Seit wann gibt es Leben auf dem Hügel?

Die ältesten Fundstücke sind Keramikscherben aus dem 7. oder 8. Jahrhundert. Zu dieser Zeit müssen Menschen auf dem Hügel gelebt haben.


Seit wann gibt es die Burg?

Erste schriftliche Quellen über eine Burganlage auf dem Hügel  gibt es aus der Zeit der Sachsenkriege (1073-1075). In den Annalen des Kaisers Heinrich IV. wird berichtet, dass der Kaiser die Burg im Jahr 1088 belagerte. Er wurde aber in die Flucht geschlagen. Die Burg bestand zu diesem Zeitpunkt ausschließlich aus Holz. Weil keinerlei Reste übrig geblieben sind, wissen wir nicht, wie die damalige Burganlage ausgesehen hat.


Die romanische Bauphase

Die romanische Bauphase begann 1124. In diesem Jahr schenkte der rheinische Pfalzgraf Wilhelm  dem Erzbistum Mainz die Burg Gleichen.
Das Erzbistum Mainz gab die Burg dem Grafen von Tonna als Lehen. Dieser nannte sich nun stolz "Erwin, Graf von Gleichen". Zu dieser Zeit bestand die Burganlage aus 

  • einer kleinen Kernburg (auf dem höchsten Punkt des Berges),
  • einem Vorburgbereich (tiefer liegend),
  • einer Ringmauer
  • einem Torbau
  • einem Vorburggelände und
  • einem Wohnturm.


Die ganze Anlage wurde im Stil der Romanik erbaut. Im 12. Jahrhundert wurde die Burg um einige Elemente erweitert. Ein Wohnbau mit mehreren Geschossen kam hinzu. Die Ringmauer wurde erweitert, so dass sie die ganze Anlage umschloss.


Als es um 1170 Streit um den Bischofssitz in Mainz gab, wurde die Burg Gleichen beschossen und so sehr zerstört, dass nur noch Mauerreste übrig blieben. Allerdings wurde die Anlage schnell wieder aufgebaut. Der Wohnbau erhielt nun die typische Gestalt, die man heute noch in Resten erkennen kann.
Zusätzlich wurde ein Torturm errichtet. In dessen ersten Obergeschoss fand eine Burgkapelle Platz. 


Der Dreinschlag

Eine Erfurter Chronik berichtet von einer unglaublichen Begebenheit. Am 31. Mai 1231 soll es bei einem schlimmen Gewitter auf allen drei Burgen (Mühlburg, Wachsenburg und Burg Gleichen) gleichzeitig zu Blitzeinschlägen gekommen sein. Ob das stimmt, kann nicht genau nachgeprüft werden. Auf der Burg Gleichen sind jedenfalls große Brandschäden nachweisbar, die auf dieses Gewitter zurückgehen könnten. Wahrscheinlich war der obere Teil des Wohnturmes aus Holz, so dass dieser Teil komplett nierderbrannte

Das Baugeschehen im 13. Jahrhundert

Nach dem Brand wurde der Wohnturm ab der Mitte neu aufgebaut und später noch einmal in die Höhe gezogen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch ein Treppenaufgang aus Holz eingebaut und eine Filterzisterne an den Wohnturm angeschlossen. An den Gebäuden wurden Regenrinnen angebracht, die die Zisterne mit Wasser beliefern sollten.
Zwei Räume waren nun mit einem Kamin beheizbar. Außerdem wurden die Dächer erstmals mit Lehmziegeln eingedeckt (bisher wurden Holzschindeln verwendet).

Das Baugeschehen im 14. und 15. Jahrhundert

1311 wird die Anlage erstmals als "feste" bezeichnet, 1316 ist vom "hus zu Glichen" die Rede. 1445 muss ein Gefängnis errichtet worden sein, wahrscheinlich in einem der Türme.
Archäologische Funde ergaben, dass es um 1450 wieder einen verheerenden Brand gegeben haben muss. Zu dieser Zeit tobte der sächsische Bauernkrieg, bei dem alle Orte in der Umgebung niedergebrannt wurden - so auch die Burg Gleichen.

Die älteste Abbildung der Burg stammt aus dem Jahr 1551. Sie zeigt einen überdachten Wehrgang. Außerdem kann man erkennen, dass es noch kein Herrenhaus gibt. Der Wohnturm hat auf der Abbildung kein Dach. Vielleicht war das Dach gerade einmal wieder abgebrannt, denn auf späteren Zeichnungen ist wieder ein Dach auf dem Wohnturm erkennbar.

Die Burg Gleichen 1551

Die Burg Gleichen 1580

Graf Philipp Ernst von Gleichen

Schon seit 400 Jahren war die Burg Gleichen nun im Besitz der Grafen von Gleichen. 

  • Am 4. Oktober 1562 kam der kleine Phillip Ernst von Gleichen auf der Burg zur Welt. 


  • Bis 1573 war die Burg der ständige Sitz der gräflichen Familie. 


  • In dieser Zeit wurde die Burg weiter ausgebaut. Es entstand eine "Gräfliche Cantzeley", also eine Art Arbeitszimmer. Dazu muss auch ein Archivgebäude gehört haben. Außerdem entstand ein neues unterkellertes Küchengebäude.


  • Allerdings liefen in Ohrdruf die Baumaßnahmen für das Schloss Ehrenstein, in das die gräfliche Familie bald umzog.


  • Als Graf Philipp Ernst erwachsen war, wählte der die Burg Gleichen als seinen Wohnsitz und kehrte dorthin zurück.


  • 1588 veranlasste der Graf den Bau des Herrenhauses.


  • Außerdem wurde der Torturm erneuert, der bis auf die Hälfte abgebrochen war.


  • Die Kapelle wurde zur Küche umfunktioniert.


  • Im November 1598 veranlasste Graf Ernst von Gleichen den Bau eines Brunnens. Das war aber schwerer als gedacht, so dass der Graf das Vorhaben schnell wieder aufgeben musste. Das entstandene sieben Meter tiefe Loch wurde als Zisterne genutzt.

Nachdem seine Mutter gestorben war, verließ Graf Ernst die Burg Gleichen - er entschied sich, auf Schloss Ehrenstein zu leben.
Damit war die Burg Gleichen keine gräfliche Residenz mehr. Das Archiv der bürg wurde aufgeteilt und nach Ohrdruf und Gräfentonna gebracht. Die Familie von Gleichen hat sich dann gar nicht mehr um die Burg gekümmert. 


Das Ende der Burg Gleichen

1619 gab es ein heftiges Gelage auf der Burg Gleichen, bei dem Graf Philipp Ernst ums Leben kam.

Eine Liste aus dem Jahr 1620 berichtet, dass es nur noch wenige Beamte auf der Burg gab:

  • mehrere Richter,
  • mehrere Schlösser,
  • mehrere Küchenschreiber,
  • ein Burgkaplan und
  • ein Fronbote, der gleichzeitig Gefängnisaufseher war.


Ab 1620 wurde die Ausstattung der Burg abtransportiert, der Verbleib ist unbekannt. Der letzte Graf von Gleichen war Hans Ludwig. Bei ihm beschwerte sich der Kurfürst von Mainz im Jahr Jahr 1623 über den verwüsteten Zustand der Burg. Nach dem Tod von Hans Ludwig stirb das Adelsgeschlecht von Gleichen aus.

Die feindliche Übernahme

Mit dem Aussterben der Grafen von Gleichen wäre die Burg wieder in den Besitz des Mainzer Erzbistums gegangen. Doch der Herzog von Sachsen-Coburg wollte das verhindern. Er holte sich die Unterstützung der Gothaer Musketiere. Mit ihnen wollte er am 9. März 1630 die Burg einnehmen.
Eigentlich war zu dieser Zeit nur noch ein Torwart auf der Burg beschäftigt. Doch als der Herzog mit seinen Musketieren ankam, war die Burg so gut besetzt, dass sich die Truppe erst einmal ins Freudenthal zurückzogen. Trotzdem schaffen es die Musketiere, die Burg für den Herzog einzunehmen. Allerdings verteidigt der Herzog seinen gewonnenen Besitz nicht. Die Burg bleibt unbewohnt. Das Erzbistum Mainz fühlt sich weiter für Die Burg verantwortlich und gibt 100 Reichsthaler für die Reparatur des Herrenhauses. Torhaus und Zugbrücke werden entfernt. 

Die Brüder Hatzfeld

1641 belehnte der Mainzer Bischof zwei kaiserliche Offiziere mit der Burg Gleichen: die Brüder Hatzfeld.   Sie nannten sich nun "Grafen von Gleichen und Hatzfeld". Die Brüder setzten einen Amtmann ein, der dauerhaft auf der Burg wohnte. Der sollte sich eingentlich um den Erhalt der Burg kümmern, hat aber das Gegenteil getan: 

  • Er riss einiges ab, 
  • verkaufte Ziegeln,
  • brachte Holz weg und
  • steckte sich Geld, welches für die Reparatur gedacht war, in die eigene Tasche.


Der weitere Verfall

Eine Zeichnung aus dem Jahr 1652 zeigte die Burg zum letzten Mal mit intakten Gebäuden. 1655 kam es zu einem fürchterlichen Brand, bei dem ganz Wandersleben abbrannte. Auch das Vorwerk "Freundenthal" wurde Opfer der Flammen. Um das Freudenthal wieder aufzubauen, wurden Steine und anderes Baumaterial von der Burganlage abgetragen. Nur das Herrenhaus blieb stehen. Zeichnungen aus dem Jahr 1662 zeigen die Burg als Ruine.

1717 plante die Witwe des Grafen Gleichen-Hatzfeld, die Burg als Wohnsitz für ihren Sohn wieder aufbauen zu lassen. Doch die Gemeinde Wandersleben weigerte sich, die Bauarbeiten als Frondienst abzuleisten. Die Witwe verwarf also ihren Plan.

Die Räuber

1750 war die Burg Gleichen ein gemiedener Ort, denn eine Räuberbande hatte sich dort niedergelassen. In den Verhörprotokollen der Räuberbande sind Beschreibungen der Burg enthalten.
Angeblich nutzte Friedrich Schiller diese Verhörprotokolle als Grundlage für sein berühmtes Theaterstück "Die Räuber".

Im Jahr 1794 stirbt der letzte Nachkomme der Familie Gleichen-Hatzfeld. Dadurch geht die Burg Gleichen wieder in den Besitz des Erzbistums Mainz.

1802 wurde ein Korkmodell der Burg angefertigt, welches den damaligen Zustand zeigte. Dieses Korkmodell ist zwar verschollen, es gibt aber davon ein Foto:

Wechselnde Besitzer

Die Säkularisation stellt die Eigentumsrechte in ganz Europa auf den Kopf. 

  • Auch das Mainzer Erzbistum verliert seinen Besitz und muss die Burg Gleichen an das Königreich Preußen übergeben.


  • 1806 bis 1814 gehörte die Burg zum Fürstentum Erfurt und damit zum französischen Staat.


  • 1808 ermittelte die französische Regierung den Gebäudewert der Burganlage und entschied anhand der Ergebnisse, dass die Burg komplett abgerissen werden soll. 


  • Der Rektor der Erfurter Universität versuchte das zu verhindern. Er wollte die Burg unbedingt erhalten. Er kontaktierte den Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg und dieser schaffte es angeblich, dass sich Napoleon höchstpersönlich mit der Zukunft der Burg Gleichen beschäftigt.


  • Der Legende nach hat Napoleon entschieden, die Burg nicht abzureißen.


  • Der Franzose Alexander Ludwig Gentil kaufte die Burg und schenkte sie der Stadt Erfurt.


  • An der Universität wurden eifrig Pläne geschmiedet. Zum Beispiel sollte auf dem Burggelände ein Museum entstehen. 


  • Dazu kam es nicht, weil die Universität Erfurt im Jahr 1816 aufgelöst wurde.


  • Die Burg Gleichen gehörte dadurch wieder dem Königtum Preußen.


Nach der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) zerstören heimkehrende französische Soldaten weitere Teile der Burg - vielleicht aus Wut über ihre Niederlage in der Schlacht. Türen, Fenster und Fensterläden werden demoliert. Das berühmte Bettgestell des "Zweibeweibten Grafen" wird im Lagerfeuer verheizt.  

Freiherr von Müffling

1817 verkaufte das Königreich Preußen die Burg Gleichen an den Freiherr von Müffling. Dieser hatte als General große Dienste in den Befreiungskriegen geleistet, so dass der preußische König sich nun bei ihm bedanken wollte.
Der Freiherr von Müffling kümmerte sich zuerst sehr fürsorglich um die Burg.

  • Er brachte ein Tor an und schloss es ab. 
  • Besucher konnten sich den Schlüssel im Freudenthal abholen.
  • Er erneuerte die Treppe im Herrenhaus, die man vorher gar nicht mehr begehen konnte.
  • Er ermöglicht ein großes Sängerfest auf der Burg mit 3000 Teilnehmern.


Danach verlor der Freiherr aber anscheinend sein Interesse an der Burg. Unter dem Vorwand, die Mauern könnten das Dach nicht mehr lange tragen, ließ er das Dachwerk abtragen und zum Gut Ringhofen bringen. In Wahrheit brauchte er das Holz dort, um ein Sommerhaus zu bauen. Auch das Torgewölbe am romanischen Wohnbau wurden abgetragen und nach Ringhofen gebracht. Die Burg Gleichen war für den Freiherr also nur noch ein Baustofflager. Als die Wanderslebener mitbekamen, dass der Freiherr die Burg abtragen ließ, war die Empörung groß. Allerdings war es da schon zu spät.

Bemühungen um den Erhalt der Ruine

Nach dem Abtransportieren des Baumaterials durch den Freiherr von Müffling ging der Verfall der Burg weiter. 1850 erfolgte wieder einmal ein Blitzeinschlag, der einen tiefen Riss am Torturm verursachte. Der Turm wäre beinahe eingestürzt, wie ein Foto aus dem Jahr 1895 zeigt:

Der Erfurter Baurat überprüfte, ob die Ruine erhalten werden kann oder abgerissen werden muss. Man entschied, die Ruine zu erhalten. Ein Maurermeister wurde mit Reparaturarbeiten beauftragt. Der einsturzgefährdete Turm wurde zum Teil abgetragen und neu aufgemauert. Der Turm wurde innen so ausgebaut, dass er als Aussichtsturm genutzt werden konnte.

1913 plante ein Erfurter Architektenbüro sogar, die Burganlage komplett wiederherzustellen - da kam aber der Erste Weltkrieg dazwischen... Lange Zeit musste das Burggelände dann mit Stacheldraht abgesperrt werden, um es vor Randalierern zu schützen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es wieder einmal große Reparaturarbeiten. 50 Leute kümmerten sich schwerpunktmäßig um den  romanischen Wohnbau. Alte Fußböden und Mauern wurden freigelegt. Fenster und Mauern wurden erneuert, die Außenmauern gesichert. Im Aussichtsturm wurde ein Aufenthaltsraum eingerichtet. Im ehemaligen Archivgebäude wurde ein   Raum für den Burgwart eingerichtet.

1939 gab es wieder einmal Pläne, die Burg komplett neu aufzubauen - und wieder kam ein Weltkrieg dazwischen...


Die Burg Gleichen in der DDR-Zeit

Die Burg wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges von den Alliierten beschossen und stark beschädigt. In der Nachkriegszeit trugen Menschen aus den umliegenden Ortschaften Baumaterial ab. Die Rote Armee fügte der Burg zusätzliche Beschädigungen zu. Ein Burgwart sollte eine weitere Zerstörung verhindern. Ab 1959 gab es wieder aktive Erhaltungsarbeiten. Zu diesem Zweck wurde ein Ausschuss gegründet, aus dem später der "Arbeitskreis Drei Gleichen" hervorging. Der Arbeitskreis schuf einen Ausstellungsraum und stellte dort ein Modell der Burg auf.

1962 wurde das Sommerhaus des Freiherren von Müffling abgerissen. Dadurch konnte das Baumaterial, was von der Burg Gleichen stammte, dorthin zurückgebracht werden. Und mit dem zurückgebrachten Material wurde das romanische Torgewölbe wieder aufgebaut, was der Freiherr zerstört hatte.


Die Burg Gleichen heute

Ab 1984 gehörte die Burg Gleichen  zu den Museen Erfurts. Leider musste der Arbeitskreis nun seine Tätigkeit einstellen - nach 24 Jahren fürsorglicher und engagierter Arbeit. Bis 1990 passierte nichts. Anfang der 1990er Jahre flossen umfangreiche Geldmittel in den Erhalt der Burgruine, so dass an der Ringmauer, am Herrenhaus und am Torgewölbe wichtige Arbeiten vorgenommen werden konnten.

Am 1.1.1998 übernahm die Stiftung Thüringer Schlösser die Verwaltung der Burg. Seitdem erfolgten umfangreiche Maßnahmen, um die Ruine in einem sicheren und erlebbaren Zustand zu erhalten.