Das alte Griechenland

Die Kolonisation

Es war wirklich so...

Die Poleis der Griechen lagen an den Küsten. Im bergigen, trockenen Landesinneren wollte niemand eine Siedlung gründen. An den Küsten konnte man viel besser leben. Von dort aus konnte man sich schnell mit dem Boot fortbewegen. Kein Wunder, dass sich die Poleis bald an der Küste entlangzogen wie eine Perlenkette.
"Wir sitzen wie die Frösche um einen Teich!" So klagte der Wissenschaftler Platon, der im 5./4. Jahrhundert vor Christus lebte, über den Siedlungsraum der Griechen.

Die ersten Poleis im griechischen Siedlungsraum

Mehr Siedler

Das man an den griechischen Poleis gut leben konnte, sprach sich bald auch im Norden und Osten Europas herum. Wenn sich dort Unwetterkatastrophen ereigneten, machten sich die Menschen auf in den Süden und zogen in eine schöne griechische Polis! Diese waren bald sehr dicht besiedelt. Der Wohnraum wurde eng. Und wenn die Ernte mal wieder wegen Trockenheit ausfiel, konnten die Bewohner einer Polis nicht mehr versorgt werden. Hungersnöte brachen aus.

Siedler aus dem Norden und Osten

In vielen Poleis gab es nur eine Lösung: Man musste Leute aus der Polis wegschicken! Entweder gab es junge Männer, die freiwillig mit dem Boot die Küste entlangsegelten - auf der Suche nach einem geeigneten Lebensraum. In Fällen schlimmer Überfüllung oder Nahrungsknappheit wurden aber auch junge Männer gezwungen, die Polis zu verlassen. Der Rat entschied dann, wie viele Männer und wer genau gehen musste.
Ob freiwillig oder unter Zwang - die Umsiedler gründeten in kleinen Gruppen in einer schönen Gegend an der Mittelmeerküste eine neue Siedlung. Die alte Heimat blieb die "Mutterstadt" - die neue Siedlung hieß nun "Tochterstadt". Mutterstadt und Tochterstadt blieben verbunden. Zwischen ihnen wurden Nahrungsmittel und Waren ausgetauscht. Wenn eine der beiden Poleis angegriffen wurde, schickte die andere Krieger, Waffen und Schiffe.
Die Siedler brachten an ihren neuen Lebensraum wichtiges Wissen mit: Sie konnten kunstvolle Vasen formen, tolle Bauwerke, zum Beispiel Tempel, errichten und sie kannten die Buchstabenschrift. Das Wissen der Griechen breitete sich durch das Gründen von Tochterstädten im ganzen Mittelmeergebiet aus.
Übrigens: Das Besiedeln neuer Gebiete, also das Gründen von Tochterstädten nennt man "Kolonisation". Tochterstädte kann man auch als "Kolonien" bezeichnen. 

Getrennt und doch zusammen!

Obwohl Griechenland in tausende Inseln, Poleis, Mutter- und Tochterstädte zersplittert war, fühlten sich alle Griechen, oder besser alle Helenen, als ein Volk. Warum? Weil sie viele Gemeinsamkeiten hatten! Sie sprachen die gleiche Sprache, verfügten über eine gemeinsame Buchstabenschrift. Sie feierten gemeinsam Feste und glaubten an die selben Götter

orange = Mutterstädte
gelb = Tocherstädte 




Aufgaben:

1. "Wir sitzen wie die Frösche um einen Teich!" Erkläre, was Platon damit gemeint hat.

2. Erkläre, warum es zur Überfüllung der griechischen Poleis kam.

3. Was waren die Folgen der Überfüllung?

4. Wie wurde das Problem mit der Überfüllung gelöst?

5. Erkläre die Begriffe "Mutterstadt", "Tochterstadt" und "Kolonisation".

6. Welches wichtige Wissen brachten die Siedler in ihre neue Gegend mit?

7 a) Durch die Kolonisierung breitete sich die griechische Kultur im ganzen Mittelmeerraum aus. Auf dieser Karte siehst du die Ausbreitung und die heutigen Ländernamen. Schreibe auf, in welchen heutigen Ländern es früher mal griechische Siedler gab.

7 b) Im Spanienurlaub besichtigt ihr Empúries und entdeckt dort einen typischen griechischen Tempel. Du hörst einen Jungen in deinem Alter schimpfen: "Ich möchte mal wissen, wie hier ein griechischer Tempel herkommen soll?! Das ist doch garantiert nur Fake. Urlauber-Abzocke...!" Was erwiderst du dem Jungen?

8. Rollenspiel: Der Rat der Ältesten hat entschieden, dass 350 junge ledige Männer aus der Polis weggeschickt werden müssen. Mit jedem der Männer sollte ein Einzelgespräch geführt werden, um die Nachricht schonend zu überbringen. Schreibt zu zweit das Gespräch, in dem Ioannis (aus dem Rat der Ältesten) dem jungen Jaron erklärt, dass er die Polis verlassen muss. Entscheidet, wie Jaron reagiert (wütend oder einsichtig). Führt euer Gespräch vor der Klasse auf.