Das Orakel von Delphi

An jeder Orakelstätte wurde ein ganz bestimmter Gott verehrt – in Delphi war es Apollon. Ihm wurde dort ein großer Tempel errichtet. Dem Glauben nach wohnte Apollon in diesem Tempel. Es gab darin einen Altar, an dem er seine Orakelsprüche bekanntgab. Allerdings nur zu bestimmten Terminen, nämlich am 7. Tag aller Sommermonate. 
In den Wintermonaten fanden keine Orakel statt. Doch auch am 7. Tag der Sommermonate gab es nur Orakelsprüche, wenn Apollon wirklich dafür bereit war.


Die Leute, die einen Orakelspruch wollten, warteten im Tholos. Das war ein Rundbau mit Säulen:

Seine Bereitschaft zeigte er durch eine heilige Ziege. Sie stand am Tor zur Tempelanlage und wurde am Orakeltag mit Wasser besprüht. Zuckte die Ziege zusammen, konnten heute Orakel stattfinden. Wenn nicht, gab es keine Orakel. Alle Besucher wurden wieder nach Hause geschickt.

Nehmen wir an, die Ziege zeigte Apollons Bereitschaft an. Nun darf man nicht denken, dass der Gott höchstselbst zu den Menschen ging und Fragen beantwortete. Das wäre unwürdig für einen Gott gewesen. Es gab Beauftragte, die zwischen Apollon und den Ratsuchenden standen:

  • Priester nahmen die Fragen der Menschen entgegen…
  • … und gaben sie an die Seherin Pythia weiter.
  • Nur Pythia nahm Kontakt zu Apollon auf.

Priester nahmen die Fragen der Menschen entgegen und gaben sie an Pythia weiter.

Pythia war eine Seherin mit besonderen Fähigkeiten. Nur sie konnte Kontakt mit Apollon aufnehmen. Apollon selbst blieb unsichtbar.

Bevor das geschah, hatte Pythia ein heiliges Ritual zu befolgen: Zuerst musste sie ein Bad an der Quelle Kastalia nehmen. Danach trank sie heiliges Wasser aus der Quelle Kassiotis. 

Erst dann wurde Pythia von den Priestern zum Altar geführt. Dort setzte sie sich auf einen dreibeinigen Hocker über eine Erdspalte. Der Legende nach stiegen dort Dämpfe aus der Erde auf, die Pythia benebelten. In diesem Zustand nahm sie Apollons Orakelsprüche entgegen.

Danach gab Pythia Apollons Worte an die Priester weiter. Durch die Dämpfe aus der Erdspalte sprach Pythia aber sehr undeutlich. Außerdem drückte sie sich immer rätselhaft und zweideutig aus. Die Priester mussten Pythias Worte erst einmal übersetzen und deuten. Ihre Übersetzung gaben die Priester dann an die Ratsuchenden weiter, die nun endlich ihren Orakelspruch erhielten.