Athen wird Weltmacht

Die erste Demokratie


Wie du weißt, existierten im alten Griechenland hunderte Poleis nebeneinander. Jede Polis war ein einzelner Staat, in dem eigene Gesetze herrschten. Meist führte ein Adliger die Polis an. Er allein hatte das Sagen: Er entschied, welche Gesetze befolgt werden mussten und welche Strafen es gab. 
 
Doch die Athener wollten sich anders organisieren. Sie wollten ein besseres und gerechteres System finden. Denn wenn einer allein die Macht hat, könnte das gefährlich werden. Was ist, wenn dieser adlige Anführer seine Macht missbraucht? Er könnte zum Beispiel einen Krieg beginnen, der die ganze Polis ins Verderben stürzt. 

Deshalb wollten die Athener etwas völlig Neues ausprobieren: Jeder sollte an den wichtigen Entscheidungen in der Polis beteiligt werden! Das Regierungs-System, welches dafür erfunden wurde, nannten sie Demokratie. Demokratie setzt sich zusammen aus:

  • demos (=das Volk) und 
  • -kratie (=Herrschaft). 


Demokratie bedeutet also, dass das ganze Volk gemeinsam herrscht. Aber wie sah das genau aus? Es gab vier Bevölkerungsschichten:

Die Bürger

Ganz oben standen die Bürger. Das waren Männer, die in Athen geboren wurden. Wer woanders geboren wurde und nach Athen zog, konnte niemals Bürger werden. Auch Frauen konnten niemals Bürger sein.
Anzahl der Bürger in Athen: 40 000

Frauen und Kinder

Die Frauen und Kinder der Bürger bildeten die zweite Bevölkerungsschicht.
Anzahl der Frauen und Kinder in Athen: 110 000

Metöken

Die Metöken (=Fremde) bildete die dritte Bevölkerungsschicht. Sie durften in der Stadt leben und arbeiten, konnten aber niemals Bürger Athens werden.
Anzahl der Metöken in Athen: 35 000

Sklaven

Ganz unten standen die Sklaven. Wenn die Athener in den Krieg zogen und gewannen, schleppten sie die besiegten Gegner nach Athen und machten diese Besiegten zu Sklaven. Sklaven mussten für wenig oder gar keine Bezahlung schwere Arbeit leisten und hatten keine Rechte.
Anzahl der Sklaven in Athen: 110 000

Die Politik in Athen


1. Die Volksversammlung

Wie wurden nun Entscheidungen getroffen, die für alle Athener wichtig waren? Dafür gab es die Volksversammlung. Sie fand viermal im Monat auf der Pnyx, einem großen Platz neben der Akropolis statt. Alle Bürger durften dorthin kommen und über die Politik mitbestimmen. Redner sprachen über aktuelle Probleme in der Polis.

2. Der Rat der 500

Auf der Volksversammlung wurde unter allen Anwesenden der Rat der 500 gewählt. Rate mal, wie die 500 Mitglieder dieses Rates unter den anwesenden Bürgern bestimmt wurde... Was machten die Mitglieder des Rats der 500? Sie kümmerten sich um Regierungsangelegenheiten. Und sie arbeiteten Vorschläge für Gesetze aus. Allerdings konnten sie nicht eigenmächtig Gesetze beschließen. Sie mussten ihre Gesetzes-Ideen der Volksversammlung vorschlagen, und alle anwesenden Bürger mussten erst zustimmen, ehe ein Gesetz in Kraft trat.

3. Das Gericht

In der Volksversammlung wurden außerdem 6000 Richter ausgelost. Sie arbeiteten im Gericht und führten Gerichtsprozesse durch, wenn ein Bewohner Athens gegen ein Gesetz verstoßen hat.
 


4. Der Stratege

Alle Ämter wurden nur für ein Jahr vergeben. Danach wurde neu gewählt. Das sollte verhindern, dass eine Person zu mächtig wurde. Ein einziges Amt aber wurde für viele Jahre vergeben: das des Strategen. Der Stratege war der Anführer im Krieg. Wenn ein Stratege gute Arbeit geleistet hat, wählte die Volksversammlung ihn immer wieder. Der Stratege Perikles war sogar 30 Jahre im Amt!

5. Das Scherbengericht

Weil die Athener so große Angst vor der Macht einer einzelnen Person hatten, führten sie das Scherbengericht ein. Das Scherbengericht tagte einmal im Jahr. Alle Bürger versammelten sich. Jeder bekam eine Tonscherbe und durfte den Namen eines Menschen in die Scherbe ritzen, den er aus Athen vertreiben möchte. Wenn eine Person mehr als 6000 mal genannt wurde, musste sie die Polis für 10 Jahre verlassen. Sie behielt aber ihren Besitz und durfte nach 10 Jahren wiederkommen.


Aufgabenblock 1

1. Lies zuerst die Informationen auf dieser Seite aufmerksam.

2. Fülle das Arbeitsblatt aus.

3. Schreibe die große Überschrift "Die Demokratie in Athen" in deinen Hefter. Beantworte die folgenden Fragen schriftlich.

a) Woraus setzt sich das griechische Wort „Demokratie“ zusammen und was bedeutet das Wort?

b) Nenne die vier Bevölkerungsschichten Athens von oben nach unten.

c) Wer hatte das Recht, die Politik mitzubestimmen?

d) Wo tagte die Volksversammlung?

e) Wie oft tagte die Volksversammlung?

f) Was wurde auf der Volksversammlung entschieden?

g) Nenne zwei Aufgaben des Rates der 500.

h) Wie lange war ein Bürger im Rat der 500?

i) Welches Amt konnte man länger ausüben als ein Jahr?

j) Was passierte auf dem Scherbengericht?

Kleon und Eje

 Der Grieche Kleon erklärt dem Ägypter Eje, wie seine Stadt organisiert ist...


Aufgabenblock 2

a) Schreibe auf, wer alles von der Demokratie ausgeschlossen war.
b) Wie viele Menschen von wie vielen Menschen durften wirklich mitentscheiden?
c) Urteile: Kann man wirklich von einer "Herrschaft des Volkes" sprechen?
d) Wie hätte man alle Athener in die Entscheidungen einbeziehen können?