Uruk
Die erste Großstadt der Welt
Im Jahr 1912 stießen Archäologen auf die Gebäudereste einer Großstadt, die vor ungefähr 5000 Jahren entstanden sein musste. Sie hieß "Uruk".
Hier ein paar Bilder von den Ausgrabungen:
Die Ausgrabungen in Uruk dauern nun schon fast einhundert Jahre und sind immer noch nicht abgeschlossen. Was verrät uns Uruk über das Leben im Fruchtbaren Halbmond?
Wo lag Uruk?
Im südlichen Teil des fruchtbaren Halbmondes. Und in direkter Nähe zum Euphrat.
Wie sah es damals in Uruk aus?
Heute sieht es in der Gegend sehr verdorrt, öde und trostlos aus. Aber vor 5000 Jahren lag Uruk direkt am Euphrat. Dadurch war die Wasserversorgung der Stadt gesichert. Durch die Nähe zum Wasser wuchsen in Uruk auch Pflanzen, zum Beispiel Palmen.
Wann war Uruks große Zeit?
Die Ausgrabungen stammen aus der Zeit zwischen 3200 bis 2800 vor Christus. Das war ungefähr die Zeit, in der Ötzi gelebt hat. Aber in Uruk lebten die Menschen schon viel moderner. Als Ötzi mit seinen Habseligkeiten durchs Hochgebirge stapfte, haben die Menschen in Uruk schon Einkaufszettel geschrieben!
Die Baukunst in Uruk
Wohnhäuser
Die Wohnhäuser waren rechteckig. Meistens waren mehrere Wohnhäuser um einen Innenhof herum angeordnet. Vom Innenhof aus führten Treppen hoch auf die Flachdächer. Dort schliefen die Familien in heißen Sommernächten oder saßen gemütlich zusammen. Warum waren die Dächer gerade? Weil es sowieso kaum regnete.
Verwaltungsgebäude
Die Funde beweisen, dass es in Uruk gewaltige Versammlungsgebäude gab, die nicht aus Schilf, sondern aus Lehmziegeln und Steinplatten gebaut wurden. Die Steinplatten wurden von weit her geholt.
In Uruk gab es einen speziellen Stadtbezirk, in dem sich die Verwaltungsgebäude befanden. Außerdem sind in diesem Bezirk viele Reste von Tempeln erkennbar, in denen die Bewohner Uruks ihre Götter verehrten.
Leider sind diese Gebäude im Verwaltungsbezirk heute nicht mehr vollständig vorhanden. Erkennbar ist aber noch, dass die Gebäude riesengroß waren und eindrucksvolle Wandverzierungen hatten.
Im Verwaltungsbezirk gab es auch eine Zikkurat. Das war ein gestufter Tempelturm, ein typisches Bauwerk Mesopotamiens.
So könnte Uruk einmal ausgesehen haben. Man sieht flache, rechteckige Wohnhäuser. Nur die Tempel und Verwaltungsgebäude ragten in die Höhe.
Kunstvolle Stiftmosaike
Im Verwaltungsbezirk gab es auch eine sogenannte Pfeilerhalle, an deren Außenmauer die Archäologen etwas ganz Tolles entdeckt haben: Das erste Mosaik!
In den dicken Lehmputz der Außenmauer wurden dicht an dicht farbige Tonstifte gedrückt, so dass man am Ende nur nur noch die Köpfe der Stifte gesehen hat.
Durch das Verwenden verschiedenfarbiger Stifte sind tolle Muster entstanden.
verschieden farbige Mosaikstifte, stark vergrößert
Die Forscher vermuten, dass die verschiedenen Muster Hinweise für die Menschen waren, die die Halle betreten wollten.
Im Berliner Pergamonmuseum wurde ein Stück der Original-Pfeilerhalle wiederaufgebaut - und zwar die Treppe, die in die Halle geführt hat mit dem dazugehörigen Stiftmosaik. So, wie ihr es unten seht, könnte es auch in Uruk ausgesehen haben:
Mode in Uruk
Die Männer trugen Röcke aus Schaffell. Die Frauen kleideten sich in lange Gewänder und Tücher aus Schaffell oder Wolle. An den Füßen trug man Sandalen oder Lederschuhe.
Männer und Frauen schminkten sich. Die Männer trugen Vollbärte. die Frauen flochten ihr langes Haar zu Zöpfen.
Landwirtschaft in der Großstadt
Mitten in der Großstadt und an den Stadträndern wurden Felder bewirtschaftet und Nutztiere gehalten. Aufgrund des cleveren Bewässerungssystems klappte der Getreideanbau hervorragend. Außerdem gab es in Uruk Rinder-, Schaf- und Ziegenherden.
Wirtschaft und Handel
Doch das war nicht alles: Die Ausgrabungen beweisen, dass es in Uruk ein richtiges Wirtschaftssystem gab. Manche arbeiteten in der Landwirtschaft, manche im Handwerk und manche stellten in Werkstätten Produkte her. Weit über den Fruchtbaren Halbmond hinaus war Uruk für die Weiterverarbeitung von Wolle zu Kleidung bekannt, aber auch für Bier und Gerste.
Die ertragreiche Produktion klappte so gut, weil alle Menschen fleißig arbeiteten und weil eine übergeordnete Verwaltung alle Arbeitsschritte überwachte und aufeinander anstimmte. Wie. belohnte die Stadt ihre fleißigen Bewohner. Geld gab es noch nicht. Der Lohn war, ernährt und versorgt zu werden.
Und was machte die Stadt nun mit ihren Produktionsüberschüssen? Sie tauschte es mit anderen Städten gegen Produkte, die es in Uruk nicht gab:
- Holz,
- Stein,
- Metalle (Kupfer und Silber) und
- Edelsteine (blauer Lapislazuli und roter Karneol).
Die erste Schrift
Die Verwalter führten über alle Arbeitsschritte auf den Feldern, bei den Viehherden und in den Werkstätte streng "Buch". Auch alle Bestellungen und Rechnungen wurden "aufgeschrieben".
Buch, Papier und Stift waren aber noch lange nicht erfunden, deshalb ritzten die ersten Schreiber ihre Notizen in in kleine Tontäfelchen.
Für alle wichtigen Handelswaren, Güter und Produkte gab es spezielle Zeichen. Außerdem gab es Zeichen für Zahlen. So konnten die ersten Schreiber notieren,
- welche und wie viele Waren in Uruk hergestellt wurden,
- welche Waren eine andere Stadt bestellt hat,
- wofür eine andere Stadt noch Gegenleistungen zu erbringen hat,
- welche und wie viele Waren Uruk von einer anderen Stadt bekommen hat
- welche Waren die Verwalter aus anderen Städten beschaffen mussten.
Eine typische Tontafel aus Uruk. Oben links sind Tiere dargestellt. Erkennst du die Zeichen für Gerste? Die Kreise sind Mengenangaben...
Kunstvolle Steingefäße
Obwohl es in Uruk keinen Stein gab und Steine zum Bauen aus großen Entfernungen geholt werden mussten, waren die Handwerker in Uruk tolle Steinbearbeiter. Mit Bohrer und Meißel bearbeiteten sie Steinblöcke zu kunstvollen Gefäßen und Figuren. Am liebsten verwendeten sie sehr helle oder schwarze Steine. Mit Sand oder Spezialbohrern wurden die kunstvoll geformten Gefäße ausgehöhlt. Unten seht ihr ein besonders schönes Exemplar von Uruks Steinkunst.