Bier
Im Jahr 2094 v. Chr. wurde in der mesopotamischen Stadt Ur zu Ehren des Feldherren Schulgi eine riesige Feier veranstaltet. Bei diesem Fest versammelte sich das ganze Volk an den Ufern von Euphrat und Tigris. Der Feldherr zeigte sich auf einem prachtvoll geschmückten Boot den Massen. Musik erklang, Brot und Freibier wurden verteilt.
Freibier?
Genau! Und zwar 709 050 Liter. Das wissen wir von einer Tontafel, auf der die Kosten der Feier aufgelistet sind. Wenn man davon ausgeht, dass 180 000 Menschen auf der Feier waren, hätte jeder davon ungefähr 4 Liter Bier abbekommen.
Ob als Durstlöscher oder als Genussmittel – Bier war im Zweistromland das Kultgetränk Nummer Eins. Es machte satt und fröhlich. Man setze es auch als Arznei ein.
Es gibt viele Tontafeln, auf denen Bier trinkende Menschen dargestellt sind:
Die Tontafel verrät uns also, wie die Mesopotamier ihr Bier getrunken haben, nämlich aus Tonkrügen mit Strohhalmen. Denn im Bier schwammen damals noch die Spelzen vom Hopfen und jede Menge Hefeklumpen. Mit den Strohhalmen hielt man diese ungewünschten Klümpchen zurück.
Die Bier-Produktion
Jeder mesopotamische Königspalast braute sein eigenes Bier. Es gab auch Tempel, in denen Bier gebraut wurde. Auch daheim setzten die Hausfrauen jede Woche frische Gärungen an. Händler verkauften feinstes Lagerbier bis ins 1000 Kilometer entfernte Ägypten.
Außerdem gab es im Zweistromland Kneipen, in denen Bier ausgeschenkt wurde. Bezahlt wurde mit Getreide.
Eine Gesetzestafel von 2000 v. Chr. besagt, wieviel „Sila“ (=Liter) Bier jeder Mensch pro Tag zu bekommen hatte:
- normaler Arbeiter: 2 Sila
- Beamte: 3 Sila
- Frauen am Hof: 2 Sila
- Priester: 5 Sila
Seit wann gab es Bier?
Archäologische Funde belegen, dass die Rezeptur schon vor 11 000 Jahren erfunden wurde – also am Ende der letzten Eiszeit.
Frauen tranken ihr Bier gern mit Datteln und Gewürzen. Auch mit Honig wurde Bier verfeinert.
Das Reinheitsgebot
Heute gibt es für die Bierbrauer ein Reinheitsgebot. Es besagt, dass Bier nur aus 4 Zutaten bestehen darf: Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Man darf zum Beispiel keine Farbstoffe und keine Süßstoffe verwenden. Schon die Sumerer hatten ein solches Reinheitsgebot. Eine Gesetzestafel besagt: „Bierpanscher werden in ihren Fässern ertränkt.“
Zum Schluss noch ein mesopotamisches Sprichwort: