Kolumbus, Diaz oder da Gama...
am Ende des 15. Jahrhunderts begaben sich portugiesische und spanische Seefahrer aufs offene Meer, um die unbekannten Gebiete auf der Weltkugel zu entdecken. Zwischen Spanien und Portugal entfachte ein erbitterter Streit um die Frage, wem welche neu entdeckten Gebiete gehörten. Erst der Vertrag von Tordesillas bot eine verbindliche Richtlinie.
Sowohl den Spaniern, als auch den Portugiesen ging es nicht darum, mit den Kulturen in den eroberten Gebieten faire Geschäfte abzuschließen und respektvolle Beziehungen aufzubauen. Stattdessen verfolgten sie gierig und brutal den Weg, die fremden Kulturen auszubeuten und auszuplündern.
Die Europäisierung der Erde
Doch wie verhielten sich eigentlich andere europäische Länder? Frankreich, England oder die Niederlande entwickelten sich am Ende des Mittelalters zu mächtigen Nationen. Schauten diese Nationen tatenlos zu, wie Portugal und Spanien die Welt unter sich aufteilten?
Nein! Zum Beispiel Engländer, Franzosen und Niederländer beteiligten sich bald am Wettlauf um unbesetzte Gebiete. Wer zuerst ein neues Gebiet besetzte, nahm das Gebiet als Kolonie ein und erlebte Besitzansprüche:
- Französische und englische Siedler ließen sich in Nordamerika nieder.
- In Afrika und Asien gründeten private Handelsgesellschaften verschiedener Länder Stützpunkte.
- Russland nahm Sibirien für sich ein.
- Die Dänen erhebten Ansprüche auf Grönland und Island.
- Die Niederländer waren in Südafrika und den Gewürzinseln aktiv.
Diese Karte zeigt die Bildung von Kolonien um 1750:
Warum eroberte Deutschland keine Kolonien?
Ein Deutschland, wie wir es heute kennen, gab es damals noch nicht. Es entstand ab 15oo allmählich ein deutsches Gebiet. Dieses war aber in unzählige Kleinstaaten zersplittert, die von unterschiedlichen Fürsten regiert wurden. Genau deshalb gab es auch keine einheitlichen deutschen Bemühungen, Kolonien aufzubauen.
Erst im 19. Jahrhundert entstand ein deutscher Nationalstaat. Und zu diesem Zeitpunkt bildete sich unter den Deutschen auch ein Ungerechtigkeitsempfinden und ein Gefühl der Benachteiligung gegenüber anderen europäischen Nationen heraus, weil das Deutsche Reich eben keine Kolonien hatte. Dieses Ungerechtigkeitsempfinden wird einer der Auslöser des Ersten Weltkrieges...
Wie ging es in Südamerika weiter?
Portugiesischer und spanische Eroberer hatten auf dem mittel- und südamerikanischen Gebiet viele Schreckensherrschaften gegründet. Sie nahmen große Landstücke für sich ein und enteigneten die ursprünglichen Besitzer. Auf dem Land errichteten sie Monokulturen - auf großen Plantagen wurden die Produkte abgebaut, die in Europa gefragt waren.
Hernán Cortéz und Francisco Pizarro waren nicht davor zurückgeschreckt, den Einheimischen ihre Schätze zu stehlen, die Herrscher zu töten, ganze Kulturen zu vernichten und prachtvolle Städte dem Erdboden gleichzumachen.
Heute leben in Südamerika verschiedene Bevölkerungsgruppen:
- Zum einen "Indios", die Ureinwohner.
- Auch Nachkommen der europäischen Einwanderer leben dort.
- Außerdem bevölkern die Nachkommen der afrikanischen Sklaven den Süden des amerikanischen Kontinents.
Besonders die Indios, die eigentlichen Ureinwohner, leiden heute noch unter großer Armut. Auch heute gibt es noch die großen Plantagen, auf denen Kaffee, Kakao, Bananen und Baumwolle angebaut wird. Diese Plantagen gehören einigen wenigen Grundbesitzern. Männer, Frauen, aber auch Kinder verdienen hier als billige Lohnarbeiter ihren Lebensunterhalt.
Doch auch in den Städten sieht es nicht besser aus. Viele verlassen auf der Suche nach besserer Arbeit das Land. In den Städten bleiben sie aber arbeitslos oder halten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Viele wohnen in den Elendsvierteln am Rand der Großstädte.
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Ein Beispiel: Guatemala
Guatemala ist ein kleines Land in Mittelamerika. Der Film zeigt die aktuelle Situation in dem Land.
Ricoberta Menchú wurde 1959 in Guatemala geboren. Seit vielen Jahren kämpft sie für die Rechte der Indios und für gute Arbeitsbedingungen. Für ihren mutigen Kampf bekam sie den Friedensnobelpreis.
So schilderte Ricoberta Menchú ihr Leben:
"Ich begann mit acht Jahren, mein Leben zu verdienen, indem ich an der Südküste im Pazifik auf den Ländereien der Patrones arbeitete. Ich erinnere mich, wie ich mich entschied, arbeiten zu gehen, weil ich das schmerzerfüllte Gesicht meiner Mutter nicht mehr aushielt.
Immer musste sie Kaffee oder Baumwolle pflücken; mit ihrem Neugeborenen auf dem Rücken und meinen fünf hungrigen Geschwistern um sie herum. Wir verließen die Hochebene, um in den Fincas zu arbeiten, weil mein Vater nur ein kleines Stück Land hatte, das nicht viel hergab: nur ein wenig Mais und Bohnen, gerade genug, um um vier oder fünf Monate zu leben. Für den Rest des Jahres waren wir gezwungen, zu den Fincas hinunterzuwandern.
Mit acht Jahren verdiente ich mein erstes Geld auf der Finca. Ich hatte täglich 35 Pfund Kaffee zu pflücken und bekam dafür 20 Centavos (=25 Cent). Wenn ich die Menge nicht schaffte, musste ich am nächsten Tag für dieselben 20 Centavos weiterarbeiten.
Wenn man einmal sein Tagessoll nicht schaffte, blieb man unweigerlich mit seiner Arbeit zurück, bis man zum Schluss vielleicht zwei ganze Tage unentgeltlich nacharbeiten musste, um das Gesamtsoll zu erfüllen. An manchen Tagen schaffte ich kaum 28 Pfund. Besonders, wenn es heiß war. Da bekam ich Kopfschmerzen und war oft so erschöpft, dass ich mich unter einen Kaffeestrauch legte und schließ, und da fanden mich dann meine Brüder.
Die Kaffeebohnen werden von den Sträuchern gepflückt, aber manchmal, wenn sie schon sehr reif sind und von selbst von den Sträuchern fallen, müssen sie aufgesammelt werden. Das ist schwieriger als pflücken. Bei der Arbeit musste man sehr behutsam sein, damit kein Strauch beschädigt wurde. Die Aufseher beobachteten uns scharf und jeder kleine Schaden wurde Bohne für Bohne vom Lohn abgezogen.
Zwei Jahre arbeitete ich für 20 Centavos, obwohl ich oft mehr als 35 Pfund pflückte. Ich schaffte immer mehr und steigerte mich um ein, zwei, drei Pfund. Als ich 70 Pfund pro Tag schaffte, zahlten sie mir dafür 35 Centavos. Ich war stolz, dass ich jetzt merklich zum Lebensunterhalt der Familie beisteuern konnte."
Die Verbreitung des Christentums
Die Eroberer hatten sich von der ersten Stunde an "auf die Fahne geschrieben", in allen neu entdeckten Gebieten das Christentum zu verbreiten.
Die Menschen in der Fremde sollten von ihrem eigentlichen Glauben abschwören, zum Christentum übertreten und dadurch die Gemeinde der Christen vergrößern. Mit einer Tauf-Zeremonie sollten die Menschen ihren Übertritt zum christlichen Glauben besiegeln.
Schon bei der ersten Überfahrt von Christoph Kolumbus auf die mittelamerikanischen Inseln war es einer seiner wichtigsten Aufträge, die er vom spanischen Königspaar bekam, in der Fremde das Christentum zu verbreiten. Wenn man bedenkt, dass die Ureinwohner die Europäer meistens nicht verstanden haben, kann man vermuten, dass die Bekenntnisse zum Christentum oftmals erzwungen wurden.
Auf dieser Karte kannst du die Ausbreitung des Christentums nachverfolgen. Oben links siehst du die Jahreszahl. Achte darauf, wie der amerikanische Kontinent um 1500 "weiß" (=christlich) wird...
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Gibt es heute immer noch Kolonien?
Nein, offiziell haben sich alle Kolonien aus den Abhängigkeitsverhältnissen befreit. Hier kannst du nachlesen,
- welche Länder Kolonien waren,
- von welchem Kolonialreich welches Land unterdrückt wurde und
- wann welches Land seine Unabhängigkeit erkämpft hatte.
Auch wenn es offiziell keine Kolonien mehr gibt, bestehen nach wie vor wirtschaftliche Kontakte und Abhängigkeitsverhältnisse.
Aufgaben:
1. Erkläre, was mit der "Europäisierung der Erde" gemeint ist.
2. Finde im Bericht von Ricoberta Menchú die Informationen und schreibe sie auf:
a) Wann begann Ricoberta zu arbeiten?
b) Was war ihre Tätigkeit?
c) Was war ihr Tageziel?
d) Wie viel Lohn bekam sie?
3. Find auf dieser Internetseite heraus,
a) welches Land sich zuerst aus der Kolonialherrschaft befreit hat,
b) welches Land sich zuletzt aus der Kolonialherrschaft befreit hat,
c) wie viele Kolonien Spanien, das Vereinigte Königreich (England) und Frankreich hatten.
d) auf welchem Kontinent die meisten Kolonien waren.