Faschisten auf dem Vormarsch

Nach dem Ersten Weltkrieg wünschten sich alle Menschen in Europa das gleiche: Ruhe, Ordnung und ein wirtschaftlich gesichertes Leben. Doch die verschiedensten politischen Systeme konkurrierten um die Zustimmung der Bevölkerung:
 
Der Kommunismus, der eine Weiterentwicklung des Sozialismus war, versprach eine gleichmäßige Verteilung der Güter und Ressourcen unter allen Menschen. Einzelne sollen sich nicht mehr auf Kosten anderer bereichern dürfen. Dieses Modell verängstigte das Unternehmertum und die gehobene Bürgerschaft.
 
Die Demokratie versprach eine Bürgern ein Mitspracherecht und eine gemeinsame und gerechte Entscheidungsfindung. Doch die Kritiker der Demokratie glaubten nicht, dass die großen Probleme der Nachkriegszeit auf diesem Weg gelöst werden können.

Die faschistischen Bewegungen griffen die Ängste in der Bevölkerung auf. Sie stellten sich gegen die Demokratie und gegen den Kommunismus und versprachen eine gradlinige und verlässliche Führung.

 

Merkmale des Faschismus

In mehreren europäischen Ländern erlangten faschistische Bewegungen Macht. Auch wenn es nationale Eigenarten und Unterschiede gab, gibt es kennzeichnende Merkmale des Faschisten bzw. des Faschismus:
Nationalismus: Sie betonten den Vorrang der eigenen Nation.
Militarismus: Sie verfügten über bewaffnete Kampfgruppen.
Gewaltbereitschaft: Sie wollten ihre politischen Ziele gewaltsam durchsetzen.
Führerprinzip: Sie wollten Staat und Partei nach dem Führerprinzip ausbauen.
Demokratiefeindlichkeit: Demokratische Strukturen und Rechte sollten beseitigt werden, das Volk soll sich komplett dem Führerwillen unterwerfen.
Propaganda: Durch gesteuerte und einheitliche Information sollte die Zustimmung der Bevölkerung gesichert werden.
Terror und Gewaltaktionen: Die Menschen, die sich der Gewaltherrschaft nicht unterwarfen, sollten durch Gewalt eingeschüchtert werden.

Der Faschismus in Italien

In Italien erlangten Faschisten zuerst Regierungsmacht. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges rutschte das Land in eine tiefe Krise. Die Siegermächte hatten Italien Gebietsgewinne zugesichert. Doch diese Zusicherung war nach dem Krieg nichts mehr wert. Über die Verweigerung der versprochenen Flächen waren die Nationalisten sehr empört. Wegen der schlechten Versorgung der Bevölkerung kam es überall zu Streiks und Bauernunruhen, wodurch die Wirtschaft noch mehr gelähmt wurde. Im Parlament kamen keine dauerhaften Mehrheiten zustande.
Im März 1919 gründete der ehemalige Sozialist Benito Mussolini einen „faschistischen Kampfbund“. Dieser wurde zum Sammelbecken für alle enttäuschten und verbitterten Menschen, die Gewalt als Mittel der Politik befürworteten. Doch bei den Wahlen hatten Mussolinis „Fascisti“ keinen Erfolg. Daraufhin verschärfte Mussolini den Terror auf der Straße. Er bildete Stoßtrupps, die Gewerkschaftshäuser zerstörten und Arbeiterversammlungen sprengten.
1922 kam es zu einer Regierungskrise in Italien. Mussolini zog 25 000 „Schwarzhemden“ in Neapel zusammen und befahl ihnen den „Marsch auf Rom“, wo der König residierte. Aus Angst vor einem Bürgerkrieg beauftragte der König Mussolini mit der Bildung einer Regierung.
 
Mit der nun erlangten Macht baute Mussolini das politische System Italiens um. Er entmachtete das Parlament und verbot alle oppositionellen Parteien. Es gab nur noch die faschistische Partei. 1926 wurde auch noch das Streikrecht abgeschafft. Die nun verbleibende Regierung bemühte sich um die Zustimmung aller Bevölkerungsgruppen. Zum Beispiel wurden Gesetze erlassen, die die Lebensverhältnisse der Arbeiter und Bauern verbesserten. Durch die Vergabe staatlicher Bauaufträge konnte die Arbeitslosigkeit gesenkt werden. Trotzdem entstand in Italien eine Diktatur. Diese Diktatur wurde durch gezielte Machtdemonstrationen gestützt. Außerdem wurde über die modernen Massenmedien Propaganda verbreitet.
 

Quelle: 

Im Jahr 1921 schilderte der italienische Sozialist Giacomo Matteotti in einer Rede das Muster faschistischer Terroraktionen:
„Mitten in der Nacht, während die Bevölkerung schläft, kommen die Lastwagen mit Faschisten in den kleinen Dörfern an, natürlich von den Häuptern der lokalen Agrarier begleitet, immer von ihnen geführt, denn sonst wäre es nicht möglich, in der Dunkelheit, inmitten der weiten Landschaft, das Häuschen des Gewerkschaftsführers oder das kleine erbärmliche Arbeitsvermittlungsbüro auszumachen. Es sind zwanzig oder auch hundert Personen, mit Gewehren und Revolvern bewaffnet. Man ruft nach dem Gewerkschaftsführer und befiehlt ihm herauszukommen. Wenn er keine Folge leistet, sagt man ihm: „Wenn du nicht herauskommst, verbrennen wir das Haus, deine Frau und deine Kinder.“ Der Gewerkschaftsführer kommt herunter, wenn er die Tür öffnet, packt man ihn, bindet ihn, schleppt ihn auf den Lastwagen, man lässt ihn die unaussprechlichsten Martern erleiden, indem man so tut, als wolle man ihn totschlagen oder ertränken, dann lässt man ihn irgendwo im Felde liegen, nackt, an einen Baum gebunden. Wenn der Gewerkschaftsführer die Tür nicht öffnet und Waffen zu einer Verteidigung gebraucht, dann wird er sofort ermordet, im Kampf hundert gegen einen.“

Faschismus in Spanien

An Spanien war der Erste Weltkrieg spurlos vorübergegangen. Trotzdem hatte dieses Land in den 1920er und 1930er Jahren mit sozialen Problemen zu kämpfen. Hier hatte der Krieg nicht die feudalen Strukturen hinweggefegt. Ein Großteil des Landes gehörten immer noch dem Adel und der Kirche. Fabrikarbeiter, Bauern und Landarbeiter lebten in elenden Verhältnissen. Diese Ungerechtigkeit führte zu blutigen Unruhen. Eine Militärdiktatur ergriff die Macht über Spanien. Junge Leute schlossen sich zu einer faschistischen Kampfgruppe namens „Falange“ zusammen. Diese Kampfgruppe wollte den Landbesitz neu aufteilen, den Kapitalismus verhindern und Banken und Industriebetriebe verstaatlichen.


1931 fanden in Spanien Wahlen statt, dessen Ergebnisse zur Abdankung des Königs und zur Gründung einer Demokratie führten. Doch danach kehrte keineswegs Ruhe in Spanien ein. Es standen sich zwei erbittert verfeindete Lager gegenüber: die Nationale Front (anti-demokratisch, unterstützt von der „Falange“) und die Volksfront (Sozialisten, Kommunisten, Republikaner). Das Wahlergebnis: ein Sieg für die Volksfront, eine krachende Niederlage für die Nationale Front.
Doch die Faschisten wollten sich nicht mit der Niederlage zufrieden geben. Mit Straßenterror verbreiteten sie ein Klima voller Angst und Gewalt. Die Regierung sah sich gezwungen, die „Falange“ zu verbieten und ihre Führer verhaften zu lassen. 
Doch nun wandte sich das Militär gegen die Volksfront-Regierung. Der General Franco rief zum Kreuzzug gegen den Kommunismus auf. Ein blutiger Bürgerkrieg entbrannte. Hierbei wurde die linke Regierung von der Sowjetunion unterstützt. 
Das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland sandten Waffen und Truppen nach Spanien, um Franco zu unterstützen. Im Jahr 1937 legten Flugzeuge der deutschen Luftwaffe eine baskische Stadt in Schutt und Asche. 
1939 siegten die „Franquisten“ im spanischen Bürgerkrieg. Danach ergriff der General Franco die Macht über Spanien. Aus der Kampftruppe „Falange“ formte Franco nun eine rechtsgerichtete „Einheitspartei““. Alle Beamten und Offiziere mussten dieser Partei angehören. Oppositionsparteien waren nicht geduldet. Spanien wurde eine Diktatur. Das blieb so, bis Franco 1975 starb.

Aufgaben

1. Erstelle eine Übersicht über die Merkmale des Faschismus.

2. Notiere Stichpunkte zum italienischen ODER zum spanischen Faschismus.